Senioren-Rennteam hat große Pläne. Nach Starts bei Ultra-Radrennen gründet Herbert Lackner (80) erstes offizielles Senioren-Rennteam – und hat große Pläne.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 05. Mai 2021 (00:54)
Heinz Reiter, Josef Bichl, Herbert Lackner, Hannes Krivetz und Lothar Färber bei einer gemeinsamen (ohne Alfred Lechnitz und Gottfried Hinterholzer).
Herbert Lackner

Der 80-jährige Bärnkopfer Herbert Lackner hat auf sportlicher Bühne schon für viel Aufsehen gesorgt. Zweimal hat er mit den „Crataegutt Seniors“ das Race Across America in seiner Altersklasse gewonnen. Im Vorjahr sorgte dieselbe Konstellation beim Race Around Niederösterreich für Aufsehen. Dazwischen gründete er ein Reiseunternehmen (siehe auch Seiten 8/9) und jetzt hat er mit sechs Freunden das weltweit wohl erste Senioren-Rennteam gegründet – das Crataegutt Seniors Racing Team.
Durchschnittsalter: 71 Jahre!

Neben den Waldviertlern Lackner und Hannes Krivetz (Ottenschlag) sind die restlichen Mitglieder aus allen Teilen Österreichs – und eines aus Thüringen. 14 Goldmedaillen haben sie bei internationalen Seniorenspielen schon errungen. Als Team-Betreuer fungieren Weltmeister und Olympiasieger Mario Kummer und dessen Bruder Maik, Ex-Rad-Profi und Tour-de-France-Mechaniker.

Warum Lackner jetzt noch ein Radteam gründet? „Es war fällig!“, lacht er. Und setzt zu einem Plädoyer für den Seniorensport und dessen Stellenwert in Österreich an. Der sei viel zu niedrig. „Wir werden vom Radsportverband im Regen stehen gelassen. Es gibt keine Rennen, keine eigenen Kategorien“, kritisiert er. „Als Einzelner stehst du auf verlorenem Posten. Ich habe lange versucht, den Radsportverband in diese Richtung zu bringen. Man hat mich nicht gehört.“

Mehr Lautstärke, große Pläne. Als offizielles Rennteam erhofft er sich mehr Lautstärke. „Außerdem hast du als Team mehr Chancen, an Veranstaltungen teilzunehmen, die wir bisher aus Kostengründen auslassen mussten“, sagt Lackner. Der Plan für das erste Jahr ist umfangreich. Noch im Juni stünde das 540km-Nonstop-Rennen von Trondheim nach Oslo auf dem Programm – sofern die Einreise nach Norwegen erlaubt ist. Danach geht‘s daheim weiter mit dem Race Around Austria und schließlich visieren Lackner & Co. noch die Straßen-WM in Ljubljana (Slowenien) im Oktober an – wegen eines Quali-Rennens dafür musste heuer das Race Around Niederösterreich gestrichen werden. „Mittlerweile wurde das Quali-Rennen abgesagt, aber das war zu kurzfristig, dass wir noch am RAN teilnehmen hätten können.“ Wunsch wären auch die World Masters Games in Japan. „Sofern wir Zeit, Lust und Geld haben.“

Die Motivation hinter all dem Aufwand ist neben der eigenen körperlichen Ertüchtigung eine ganz wichtige. „Wir wollen Vorbilder für die ältere Generation sein. Den Menschen zeigen: Lasst euch nicht fallen! Lasst euch nicht gehen! Seht her, was alles möglich ist!“, betont Lackner. „Es ist Einstellungssache. Viele sagen: ‚Jetzt bin ich 50 und muss mit dem aufhören.‘ Dann mit 60 fällt das nächste weg. Und so weiter. Das lehne ich ab. Ich lebe mein Leben zeitweise immer noch wie ein 20-Jähriger. Das bereue ich zwar manchmal im Nachhinein auch“, schmunzelt er. „Aber meistens funktioniert es.“