Gerungs bekommt Tennishalle. Mit seiner Tennisschule will Gerungser Obmann Boris Müller Plätze am Kreuzberg mit Traglufthalle überdachen – Start im Oktober.

Von Maximilian Köpf. Erstellt am 03. Februar 2021 (02:15)
Mit einer Traglufthalle, einer Art aufblasbarem Zelt, wird Tennisvereins-Obmann und Tennis-schulen-Betreiber Boris Müller (kleines Bild: rechts, mit Bruder und Trainer Christian Müller) ab Oktober die Tennisplätze in Groß Gerungs wetterfest machen. Tennisspielen ist dort dann ganzjährig möglich.
privat

Blickt man sich im Waldviertel um, so wurde das Angebot an Tennishallen in den vergangenen Jahren ziemlich ausgedünnt. Allein im Bezirk Gmünd wurden Hoheneich, Harbach und zuletzt auch Litschau geschlossen respektive umfunktioniert. In Groß Gerungs wird jetzt daran gearbeitet, den Trend umzukehren oder zumindest zu bremsen. Denn die beiden Tennisplätze am Kreuzberg sollen künftig während der Wintermonate mit einer beheizten Traglufthalle vor Wind und Wetter geschützt und damit ganzjährig bespielbar gemacht werden.

„Mit Dominic Thiem hat Österreich wieder ein Zugpferd. Tennis wird cool, viele greifen zum Racket. Gleichzeitig ist es vor allem im Winter schwierig, Hallenplätze zu bekommen.“ Boris Müller zu seinen Beweggründen, die Plätze in Groß Gerungs zu überdachen

Möglich machen will das Projekt Boris Müller, Obmann des Groß Gerungser Tennisvereins und Betreiber der Tennisschule easyTennis Müller in Zwettl und Gerungs. „Nicht zuletzt durch Dominic Thiem ist das Interesse an Tennis in den letzten Jahren in Österreich deutlich angestiegen“, erklärt Müller. „Mit so einem Zugpferd an der Spitze des österreichischen Tennis wird dieser Sport wieder cool. Viele Kids, Jugendliche und Erwachsene greifen wieder zum Racket.“

Hallenstart schon im Oktober 

In Österreich gibt es aber mehr Außenplätze als Indoorcourts. „In den letzten Jahren ist es immer schwieriger geworden, im Winter kurzfristig Hallenplätze zu bekommen. Vor allem für meine Schützlinge ist es aber wichtig, nicht nur im Sommer regelmäßig zu trainieren“, schildert Müller. „Drum habe ich mich entschieden, das Projekt anzugehen, und ich freue mich schon riesig auf den Start.“

Der soll noch heuer erfolgen. Im Spätherbst soll die Traglufthalle, eine im Boden verankerte, aufgeblasene, elastische, luftdichte Hülle, die über eine Druckschleuse betreten wird, erstmals aufgebaut werden. Der Gemeinderat gab vorige Woche bereits grünes Licht für die Vereinbarung. „Ich bin der Gemeinde echt dankbar für die gute, unkomplizierte Zusammenarbeit. Der Plan ist, dass dann immer von Mitte Oktober bis Mitte April die Traglufthalle aufgestellt ist“, erklärt Müller, der die Halle für Trainings nutzen möchte, die Plätze aber auch normal an Tennisspieler vermieten möchte.

„Zugang so einfach wie möglich“

Dafür wird ein Reservierungssystem geschaffen. „Wir möchten den Menschen den Zugang zum Tennis so einfach wie möglich gestalten“, sagt Müller. „Beim Abschluss der Reservierung im Internet bekommt jeder einen PIN-Code, mit dem er Zutritt zum Platz hat.“ Das System kommt ab dieser Saison auf den Plätzen in Gerungs und jenen vom UTC Statzenberg-Zwettl zum Einsatz, wo die Tennisschule ihre Stützpunkte hat.

Modernisierungsschub zum neuen Jahr

Auf diesen Plätzen soll, sobald es die Corona-Pandemie zulässt, die Post abgehen. Neben Trainings- und Spielmöglichkeiten will Müller auch den Eventcharakter hervorstreichen, Trainingslager veranstalten, Turniere organisieren. Dazu verpasste er seiner Tennisschule auch eine Modernisierung. Aus der Tennisschule Müller, die er im Juli 2015 ins Leben rief, wurde 2021 „easyTennis Müller“. „Ich habe Tennis früher leistungsmäßig betrieben, habe österreichweit Turniere gespielt, war im Leistungszentrum in Krems“, erzählt er. „Dann hat sich irgendwann die Frage gestellt, wo ich beruflich hin will. Geh ich studieren? Ich habe mich dazu entschlossen, es mit der Tennisschule zu versuchen. Und das hat sich von Anfang an sehr gut entwickelt. Wir haben jetzt in etwa 350 Schüler pro Jahr, Privatpersonen und im Rahmen von Vereinsgruppentrainings.“

Vom Anfänger bis zum Leistungsspieler 

Seit heuer arbeitet bei easyTennis neben Boris Müller auch sein Bruder Christian hauptberuflich als Trainer. Die Klientel sei was Alter und Ambitionen betrifft sehr divers. Vom Anfänger über den, der vor vielen Jahren einmal im Verein gespielt hat und jetzt wieder beginnen möchte, über den Vereinsspieler, der im Zug von Gruppentrainings weiterkommen möchte, bis hin zum Spieler, der seine Einzelkarriere vorantreiben möchte. Dazu kommen Trainingscamps. „Das ist ganz unterschiedlich, wir können da jedem individuell helfen“, sagt Boris Müller. „Wir arbeiten auch mit Vereinen im ganzen Waldviertel zusammen.“

Besonders das Hallenverbot machte 2020 zu schaffen

Das Programm wurde 2020 allerdings durcheinandergewirbelt. „Der erste Lockdown fiel noch in die Ausläufer der Hallensaison. Durch das Betretungsverbot waren keine Trainings mehr möglich“, erklärt Müller, der zudem ein Tenniscamp im Kroatien mit 40 Teilnehmern absagen musste.

Mit einer Traglufthalle, einer Art aufblasbarem Zelt, wird Tennisvereins-Obmann und Tennis-schulen-Betreiber Boris Müller (kleines Bild: rechts, mit Bruder und Trainer Christian Müller) ab Oktober die Tennisplätze in Groß Gerungs wetterfest machen. Tennisspielen ist dort dann ganzjährig möglich.
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„Ab Mai war Tennisspielen wieder erlaubt, sodass wir die Freiluftsaison mehr oder weniger planmäßig durchziehen konnten. Seit November ist aber wieder Betretungsverbot in den Hallen, womit wir die Wintersaison komplett abschreiben können“, moniert Müller. „Ich glaube auch nicht, dass wir in dieser Hallensaison noch viel indoor spielen werden… Dennoch glaube ich, dass es viele Unternehmer schlimmer, teils wirklich existenzbedrohend getroffen hat.“ Nachsatz: „Das Hallenverbot wird in der Tennisszene kritisch gesehen, aber ich habe Vertrauen in die Maßnahmen der Regierung, hoffe, dass wir bald wieder den Schritt in die Normalität schaffen.“

Für 2021 ist der Terminkalender bereits gut gefüllt. „Corona macht‘s etwas schwierig zu planen, aber ich bin zuversichtlich, dass wir als Freiluftsportart bald wieder spielen dürfen.“