Vorzeitiges Liga-Ende! URW: „Wollten Meister werden“. Das vorzeitige Ende aller Bewerbe trifft Nordmänner hart. Finanzielle Einschränkungen sind nicht ausgeschlossen.

Von Mathias Schuster. Erstellt am 18. März 2020 (10:06)
Der Jubel der Nordmänner ist vorerst verstummt. Im dritten Jahr der Neuorientierung wäre der Meistertitel für Lars Bornemann & Co. ein großes Ziel gewesen. Jetzt wurde die Saison schon vor den Halbfinals beendet.
Franz Atteneder

So notwendig man die Maßnahmen bezüglich des Coronavirus im Lager des URW Waldviertel (siehe auch die Printausgabe der Zwettler NÖN, Seiten 74/75 - hier gehts zum ePaper) erachtet – bei den Nordmännern herrscht nach dem vorzeitigen Ende der AVL auch Katerstimmung. Immerhin ist die Chance auf den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte dahin.

Über die Wertung der Saison wird zwar erst im Lauf der Woche entschieden, dass die Waldviertler dabei vor Aich/Dob gereiht werden, ist aber unwahrscheinlich. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so weit kommt“, sagt URW-Manager Werner Hahn. „Eine Fortsetzung wäre logistisch aber schwer möglich gewesen. Die Verträge gelten saisonbedingt, es stehen Qualis an und Spieler müssen zu ihren Nationalteams. Es ist nicht nur unsere Liga betroffen, überall auf der Welt und in jeder Sportart kommt es zu drastischen Maßnahmen.“

Etwa in Deutschland, wo die Platzierung im Grunddurchgang als Endstand herangezogen wurde. „So ähnlich wird es bei uns kommen“, meint Hahn. „Oder es gibt diesmal gar keinen österreichischen Meister, und man setzt sich zusammen und überlegt, wer welchen internationalen Bewerb spielt. Es gibt für so eine Situation keinen Plan.“

Titel hätte in Plan gepasst.

Ob er nun Zweiter oder Dritter werde, sei ihm aber völlig egal, ist Hahn enttäuscht: „Wir wollten heuer Meister werden. In unserem Dreijahresplan waren wir darauf voll fokussiert. Wir haben hier eine Mannschaft aufgebaut, jedes Jahr optimiert und waren heuer so ausgeglichen und kompakt wie noch nie. Gerade jetzt sind wir auch komplett im Saft gestanden“, hadert der Funktionär mit dem Schicksal. „Es ist einfach schade um die Arbeit von drei ganzen Jahren. Jetzt war das alles für nichts.“

Leistungsträger schwer zu halten.

Denn jene Spieler, die sich beim starken Auftritt in der MEVZA einen Namen machten, seien über den Sommer schwer zu halten. „Die haben sich jetzt in die Auslage gespielt, sind natürlich mehr wert“, weiß der Manager. „Das heißt, wir fangen vermutlich wieder von vorne an.“

Dabei muss Hahn womöglich kleinere Brötchen backen, denn auch aus finanzieller Sicht ist die Absage der Spitzenspiele ein herber Rückschlag. „Wirtschaftlich ist es eine Katastrophe“, beklagt er die Einnahmen aus mindestens drei Spielen vor erfahrungsgemäß ausverkauftem Haus. „Das waren immer unsere großen Highlights, in diesen Finalspielen war daheim die Hölle los.“ Würde aufgrund des Veranstaltungsverbots auch das Sportlerfest auf der Strecke bleiben, käme ein weiterer Schaden auf die URW zu. „Dann müssen wir wirklich schauen, wie wir die nächste Saison stemmen.“

Entgang noch nicht abzuschätzen.

Ob die Sponsoren den Verein weiterhin im selben Ausmaß unterstützen, sei ebenfalls fraglich, erklärt Hahn: „Es bleibt abzuwarten, wie die Firmen diese Krise überstehen und ob sie dann noch dieselben Deals eingehen können, obwohl der Werbewert ohne die Finalspiele deutlich gesunken ist.“ Kassier Peter Hiemetzberger habe den Auftrag, die entgangenen Einnahmen abzuschätzen. „Derzeit kann ich noch keine Summe nennen“, sagt Hahn.

Spieler sind daheim.

Immerhin muss der Verein aktuell keine Prämien an die Spieler ausschütten, ein Fixum stünde ihnen vertraglich aber zu. „Auch wenn es für solche Sachen natürlich einen Passus gibt. Wir haben uns am Freitag mit den Spielern zusammengesetzt und einen Vorschlag gemacht.“

Gleich danach ging es für die Sportler aus aller Herren Länder zurück in ihre Heimat. Nur Pavel Bartos, Rudinei Boff und Trainer Zdenek Smejkal haben ihren Lebensmittelpunkt ebenso im Waldviertel wie Co-Trainer Michal Peciakowski. „Am Abend haben alle schon gewusst, wie sie heimkommen. Sie sind jetzt wohlbehalten bei ihren Familien“, versichert der Manager, für den es nun noch behördliche Hürden zu überwinden gilt. „Konten schließen, Wohnsitze abmelden, oder Fragen um den Führerschein klären. Das alles müssen wir in nächster Zeit regeln, weil die Heimreise für die Spieler ja schnell gehen musste.“