Regierungsviertel St. Pölten wurde in Rekordzeit gebaut: Ein Rückblick

Erstellt am 27. Juni 2022 | 04:15
Lesezeit: 3 Min
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1986 begann die Suche nach einem geeigneten Standort, das zu dieser Zeit bereits wenig genutzte Rennbahnstadion schien ideal.
Foto: Medienservice St. Pölten
„Auf dem Reißbrett entworfen und doch organisch in die Stadtlandschaft eingefügt“, lautet ein Zitat zum Bau des Regierungsviertels.
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Foto: NOEN

So beschreibt Peter Bylica 1998, damals Pressesprecher der NÖPLAN, in dem Buch „St. Pölten – Alte Stadt, junge Metropole“ den neuen Stadtteil.

Nach der Ernennung St. Pöltens zur Landeshauptstadt am 10. Juli 1986 begann die Suche nach einem geeigneten Platz für das neu zu errichtende Regierungsviertel samt Kulturbezirk. Verschiedene Standorte wurden evaluiert, die Entscheidung für das Areal am linken Traisenufer schien zwei Vorteile zu haben.

Einerseits war es die geringe Bebauung dieses Gebiets: Neben einem Autohaus und einer Schrebergartensiedlung musste nur das bereits wenig genutzte Rennbahnstadion den geplanten Neubauten weichen. Andererseits war es die Nähe zur Altstadt und die damit verbundene Hoffnung auf eine harmonische Integration. Inwieweit diese Hoffnung sich erfüllt hat, bleibt heute, 30 Jahre später, den St. Pöltnern zur Beurteilung überlassen.

1992, nach einem Architektenwettbewerb, aus dem Ernst Hoffmann als Sieger hervorging, erfolgte der Spatenstich. In der Rekordzeit von fünf Jahren wurden nicht nur das neue NÖ Landhaus und der markante Landtagssitzungssaal, der wie ein Schiff in den Flussraum der Traisen ragt, sondern entlang der Neuen Herrengasse und des Landhaus-Boulevards auch alle Bürogebäude für die Landesverwaltung errichtet.

Festspielhaus wurde zum Herzstück

Bereits 1993 fasste der Landtag auch den Entschluss zum Bau des Kulturbezirks. Die Auswahl verschiedener Architekten war für Hauptstadtplaner Norbert Steiner eine bewusste Entscheidung, „um die vielfältigen Auffassungen in der engagierten österreichischen Architektur zu dokumentieren“.

Zum Herzstück wurde ohne Zweifel das nach den Plänen von Klaus Kada erbaute Festspielhaus: Architektonisch herausragend, spannend programmiert und als Residenz des NÖ Tonkünstlerorchesters überzeugt es längst auch das Wiener Publikum von der kulturellen Kompetenz St. Pöltens.

Weitere Meilensteine waren die Landesbibliothek und das Landesarchiv, ein Projekt des Architektentrios Katzberger, Billy und Loudon, sowie die Shedhalle von Hans Hollein. Dieser Ausstellungsraum mit der auffälligen Dachkonstruktion ist inzwischen ein integraler Teil des später erbauten Landesmuseums.

Als „Leuchtturm“ und neues Wahrzeichen der Stadt steht zwischen Verwaltungs- und Kulturbezirk der Klangturm als eine Art architektonische Skulptur und vertikaler Kontrapunkt. Inklusive Antenne 77 Meter hoch, aus Stahl und Glas gebaut, sollte der Turm zur Plattform für Klangkunst und Neue Medien werden.

Verschiedene Künstlerinnen und Künstler der experimentellen und elektronischen Musik und Medienkunst bespielten den Turm mit spannenden Klangprojekten und Workshops. 2014 wurden die Klanginstallationen ins Landesmuseum überführt, die frei zugängliche Plattform in 47 Metern Höhe bietet aber nach wie vor einen wunderbaren Ausblick auf St. Pölten.

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