290 Kündigungen: Voith-Konzernleitung lenkt nicht ein. Die Ruhe nach dem Sturm – so lässt sich die Situation bei Voith Paper in St. Pölten beschreiben.

Erstellt am 19. September 2013 (08:55)
Jobabbau bei Voith
NOEN, Daniel Lohninger
Von Daniel Lohninger

Für den Sturm hatte die Konzernleitung mit ihrer Ankündigung gesorgt, am Standort in St. Pölten bis Mitte nächsten Jahres 290 der 435 Mitarbeiter zu kündigen. Mittlerweile gab es die ersten Gesprächsrunden zwischen Konzernleitung und Betriebsrat.

Standort-Garantie ist derzeit nicht in Aussicht

Ergebnis gibt es noch keines und – dem Vernehmen nach – auch kein Einlenken der Konzernleitung. Betriebsrats-Vorsitzender Hans-Joachim Haiderer lässt auf NÖN-Anfrage durchblicken, dass derzeit sowohl die Anzahl der geplanten Kündigungen als auch der Zeitplan unverändert seien. Auch eine Standort-Garantie ist derzeit nicht in Aussicht.

Haiderer: „Es gab bisher noch keine Zugeständnisse an die St. Pöltner Belegschaft.“ Die Belegschaftsvertretung jedenfalls hat mittlerweile eine Juristen eingeschaltet. Der soll prüfen, ob die Konzernleitung mit ihren Restrukturierungsplänen vertragsbrüchig wird.

Verkauf des Voith-Platzes wird zu verhindern versucht

Denn: Im Zuge der 70 Kündigungen im Vorjahr war ein Interessensausgleich getroffen worden, bei dem die Konzernleitung der Belegschaft von Voith Paper weiterreichende Zugeständnisse machte. Mit der nun bekannt gegebenen Teilschließung des Standortes St. Pölten sowie den 290 Kündigungen verstoße die Geschäftsführung gegen diese Abmachung, so die Argumentation des Betriebsrates.

Juristisch geprüft wird auch die angedachte Veräußerung des Voith-Platzes mitsamt Tennisplätzen, Kegelbahnen und Halle. „Wir schauen, welche Möglichkeiten wir haben, diesen Verkauf zu verhindern“, führt Haiderer aus.

St. Pöltner Standort eigentlich mit stabilem Hauptgeschäft

Bei Voith Paper weist man darauf hin, dass es keine Alternative zu den Restrukturierungen gebe und es Ziel der geplanten Maßnahmen sei, „die Profitabilität und nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit von Voith Paper unter sich verschärfenden Rahmenbedingungen zu sichern.“

Aus diesem Grund sollen Kompetenzen an einzelnen Standorten gebündelt werden  und so kommt es, dass die Hälfte der aller Kündigungen in Deutschland und Österreich den Standort St. Pölten treffen, obwohl an der Voith-Paper-Krise vorrangig der Einbruch beim Absatz der grafischen Papiermaschinen schuld ist.

Kompetenzzentrum dafür  ist Heidenheim, der Voith-Stammsitz. In St. Pölten entfällt das Hauptgeschäft aber auf das an sich stabile Business mit Karton & Verpackungsmaschinen.

Lesen Sie auch die bisherigen NÖN-Artikel zu diesem Thema: