St. Pöltner Feuerwehrmänner blicken zurück . Leopold Lenz, Martin Schifko, Thomas Spitzer und Franz Klampfl über ihre Jahre im Einsatz.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 05. Februar 2021 (03:04)

Viele Jahre standen sie an der Spitze ihrer Betriebs- oder Freiwilligen Feuerwehr, jetzt ziehen sie sich in die zweite Reihe zurück: Leopold Lenz, Martin Schifko, Thomas Spitzer und Franz Klampfl. Ob belastende Einsätze wie Gasexplosionen oder kuriose wie die Rettung einer Frau aus einer Schnitzelklopfermaschine – die Feuerwehrmänner erlebten einiges. Nun blicken sie auf eine bewegte Feuerwehrgeschichte zurück.

Seit 50 Jahren engagiert sich Leopold Lenz bei der Feuerwehr: 20 Jahre als Kommandant in Wagram, 15 Jahre als Unterabschnittskommandant, fünf Jahre als Kommandant-Stellvertreter und fünf Jahre als Abschnittskommandant. Zur aktuellen Wahl ließ er sich nicht mehr aufstellen – altersbedingt: „Es wäre sich keine ganze Periode mehr ausgegangen.“ Ganz lassen können wird er es aber künftig nicht. „Wenn man 50 Jahre dabei war, kann man nicht ganz weg“, sagt Lenz und sichert dem neuen Kommando seinen Rat zu, falls dieser gebraucht werde.

„Jetzt haben wir bessere Fahrzeuge und Ausrüstung. Als ich begonnen habe, hatten wir keine Schutzausrüstung.“ Martin Schifko, BTF ÖBB

Martin Schifko, aktiv bei der FF St. Pölten-Stadt und der Betriebsfeuerwehr (BTF) der ÖBB, ist seit 1981 bei der Feuerwehr. Begonnen hat er bei der FF Wagram. Im Jänner 1988 kam er zur BTF der ÖBB, im Mai wurde er gleich zum Kommandanten gewählt. Bis zu seiner Pension wird er noch Kommandant bleiben und dann in die Reserve übertreten. „Bei Fragen werde ich dem neuen Kommando natürlich zur Seite stehen“, betont Schifko.

Bereits 1978 trat Franz Klampfl der FF Pottenbrunn bei. 30 Jahre ist er mittlerweile im Kommando aktiv, 25 Jahre als Kommandant. „Nach 30 Jahren gehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Ich weiß, es geht gut weiter mit dem neuen Kommandanten, der viele Jahre mein Stellvertreter war“, ist Klampfl überzeugt. Bei den kommenden Wahlen wird er sich als Abschnittskommandant zur Verfügung stellen.

Thomas Spitzer stand 20 Jahre an der Spitze der FF Stattersdorf, davor war er fünf Jahre Kommandant-Stellvertreter und viele Jahre Jugendführer. „Ich habe schon vor drei Jahren bekannt gegeben, dass ich nicht mehr zur Wahl antreten werde. Ich habe auch schon zwei Einsätze nach 25 Jahren das erste Mal auf der Rückbank absolviert“, schmunzelt Spitzer, der seiner Wehr weiterhin treu bleiben wird. Übrigens auch der BTF im Universitätsklinikum.

Im März 1982 ist Spitzer der Feuerwehr beigetreten – als eines von 17 Gründungsmitgliedern der Feuerwehrjugend. „Es war neu und alle meine Freunde sind dazu gegangen“, begründet Spitzer die damalige Entscheidung. Auch Lenz startete seine FF-Karriere bereits in der Schulzeit, fast seine ganze Klasse trat damals der Feuerwehr bei. Klampfl wohnte in der Nachbarschaft der FF und sah immer, wie die Feuerwehrmänner zu Einsätzen ausrückten oder übten. Außerdem war sein Vater aktiv. So war auch sein Weg vorgezeichnet. Schifko hingegen ging erst mit 21 zur Feuerwehr. „Ich wollte schon, als ich noch in die HTL ging, aber meine Eltern haben gesagt, ich soll zuerst die Schule fertig machen“, erklärt Schifko.

Unwetter und Trockenheit spielen heute eine größere Rolle

In der langen Zeit, die Lenz, Schifko, Spitzer und Klampfl bei der Feuerwehr verbracht haben, hat sich einiges getan. So sind etwa die Einsätze häufiger geworden und technisch anspruchsvoller. „Früher waren mehr Brände, heute eher technische Einsätze wie Unfälle“, berichtet Lenz. Auch den Klimawandel merke man bei den Einsätzen: Unwetter und Trockenheit spielen heute eine größere Rolle. Alle vier Feuerwehrmänner leisteten viele Stunden bei Hochwassereinsätzen. „In der Technik hat sich seit damals einiges getan. Jetzt haben wir bessere Fahrzeuge und Ausrüstung. Als ich begonnen habe, hatten wir keine Schutzausrüstung“, erinnert sich Schifko. Durch die Lage an der Hochleistungsstrecke stationierte die ÖBB auch ein Fahrzeug bei der FF Pottenbrunn. „Wir haben in diesem Bereich viele Schulungen durchgeführt“, berichtet Klampfl.

Dass die Stadtteile Stattersdorf und Harland stark gewachsen sind und damit auch die Zahl der Einsätze, merkt Spitzer an. „Das Frequency ist auch dazu gekommen. Und viele Firmen haben jetzt Brandmelder“, informiert Spitzer. Er, Lenz und Klampfl waren an der Spitze ihrer Wehren, als diese neue Feuerwehrhäuser bekamen, und halfen dabei auch fleißig mit, Kosten zu sparen. Die FF-Jugend wurde ausgebaut und vor zwei Jahren die Kinderfeuerwehr eingeführt. „Ab acht Jahren können Kinder jetzt schon zu uns kommen“, erklärt Spitzer. Die gute Jugendarbeit macht sich bezahlt. „Fast 50 Prozent unserer Jungen kommen bereits aus der Feuerwehrjugend“, freut sich auch Klampfl.

Die gute Gemeinschaft bei den Feuerwehren hilft oft über schwierige Situationen hinweg. Von diesen gab es einige und die FF-Männer denken noch heute daran. Etwa an die beiden Gasexplosionen in der Stadt. In der Eybnerstraße starben damals zwei Mitglieder der FF Wagram. „Trotz des Vorfalles haben alle zusammengehalten und die Wehr weitergeführt und noch stärker gemacht“, erinnert sich Lenz. Aber auch die Großbrände bei Leiner und der Glanzstoff sind allen noch im Gedächtnis. „Mir ist auch ein schwerer Autobusunfall mit vielen eingeklemmten Personen in Erinnerung“, berichtet Schifko. Den Brandeinsatz vor drei Jahren, bei dem in einem Wohnhaus in Stattersdorf 17 Katzen verendeten, wird Spitzer noch länger nicht vergessen.

„In einer Fleischhauerei kam eine Dame in die Schnitzelklopfermaschine"

Natürlich gibt es im Laufe der Jahre auch einige Kuriositäten. Mit einem Minus in der Kasse musste sich Spitzer 2003 herumschlagen. „Der Verwalter ist dann abgehauen. Damit haben wir es damals in die Zeitungen geschafft“, so der ehemalige Kommandant der FF Stattersdorf. Auch Klampfl erinnert sich an einen kuriosen Einsatz: „In einer Fleischhauerei kam eine Dame in die Schnitzelklopfermaschine. Wir mussten dem Notarzt dabei helfen, die Frau zu befreien.“ Alle haben eines gemeinsam: Helfen macht Freude.