Kinderkunstlabor in Planung: Vereine fürchten um Grün. Viele St. Pöltner und auch Oppositionspolitiker kritisieren Baupläne. Stadtplaner sieht darin Standort-Aufwertung.

Von Martin Gruber-Dorninger und Beate Steiner. Erstellt am 23. Juli 2019 (04:37)
Martin Gruber-Dorninger
Teile des Grünraums zwischen Schulring und Polytechnischer Schule sollen mit dem Kulturhauptstadt-Leuchtturmprojekt „Kinderkunstlabor“ verbaut werden.

Altoona ist eine amerikanische Stadt mit 50.000 Einwohnern in Pennsylvania (USA) und Partnergemeinde St. Pöltens. Von ihr hat die Grünfläche zwischen Schulring und Körnerschule ihren Namen. Der Park ist Favorit für den Standort des Kinderkunstlabors (Kikula), das um zwölf Millionen Euro dort errichtet werden soll. Als eines der Leuchtturmprojekte für St. Pöltens Kulturhauptstadt-Bewerbung – vorausgesetzt, die Machbarkeitsstudie fällt positiv aus.

In der Stadt regt sich aber Unmut wegen der geplanten Verbauung eines Teils des Parks. „Die letzten Grünflächen der Stadt werden verbaut“, heißt es, oder „Es gibt genug leer stehende Gebäude, warum werden diese nicht für das Kikula verwendet?“ Heimische Oppositions-Politiker mischen in der Diskussion eifrig mit. „Dieses Projekt der SPÖ und ÖVP muss unbedingt verhindert werden. Wir kämpfen um eine der letzten Grünflächen in der Innenstadt“, erregt sich etwa FPÖ-Stadtrat Martin Antauer.

„Es liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, der von einem Team der Stadtplanung erstellt wurde. Der wird nun nach allen Kriterien geprüft"

Bei der ÖVP ist man noch uneins. Vizebürgermeister Matthias Adl übt sich in Zurückhaltung: „Es liegt ein Vorschlag auf dem Tisch, der von einem Team der Stadtplanung erstellt wurde. Der wird nun nach allen Kriterien geprüft. Wir schauen uns an, was dabei herauskommt.“ Fraktionskollege Peter Krammer zeigte sich offensiver. Er traf Kritiker aus den sozialen Medien persönlich und vor Ort im Altoona-Park.

„Um die Meinungen aus der Bevölkerung einzuholen“, wie er selbst sagt. Dabei sei es bei dem Projekt Kikula an sich gegangen, worüber sehr positiv gesprochen wurde. „Über den Standort muss man allerdings noch diskutieren. Ich finde ihn suboptimal“, sagt Kramer. Ähnlich formuliert es Grünen-Chef Markus Hippmann: „Das Kikula ist grundsätzlich eine gute Idee, der Standort aber nicht berauschend.“

Kein Verständnis bei „Smart Pölten“

Irritiert vom möglichen Standort für das Kulturhauptstadt-Projekt sind Vereine, die sich – auch mit finanzieller Unterstützung der Stadt – um ein grüneres St.

Pölten bemühen. „Die Bürger sehen St.

Pölten generell als lebenswert und grün an. Außer die Innenstadt, die schon sehr versiegelt ist und wo jetzt auch noch wertvolles städtisches Grün geopfert werden soll“, bedauert Birgit Leitner, Obmann-Stellvertreterin von „Smart Pölten“. Im Altoona-Park sei ein gemeinschaftliches Gartel-Projekt mit den angrenzenden Schulen, dem betreuten Wohnen und der Wohnanlage angedacht gewesen, fürchtet sie um die Umsetzung. „Gerade in einer Zeit, in der vielen Kindern der Bezug zur Natur und Lebensmitteln fehlt, sollte man den Park vermehrt als grünen Lernort nutzen“, ergänzt Andrea Korntheuer, Obfrau von „Stattgarten“. Und Birgit Leitner warnt: „Solche Kurswechsel können schnell zum Verlust der Glaubwürdigkeit gegenüber den Bürgern führen.“

Im Magistrat versteht man die Aufregung nicht

„Es wird nur eine Teilfläche verbaut, der 6.000 Quadratmeter große Park durch diese Maßnahme enorm aufgewertet“, heißt es auf Anfrage der NÖN. Mit Grünflächen gehe die Stadt sehr sorgsam um. Der Park leide allerdings erheblich unter der hohen Verkehrsbelastung von täglich 12.000 Fahrzeugen am Schulring. Die Lärmbeeinträchtigung könne durch das Kikula reduziert werden, argumentiert Stadtplaner Jens de Buck. „Dadurch wird der Standort nachhaltig aufgewertet, attraktiv und nutzbar für die Besucher sowie die vielen Schüler der angrenzenden Schulen“, ist de Buck überzeugt.

Das neue Bauwerk soll Symbol für das gemeinsame Vorgehen von Stadt und Land sein und eine Verbindung zwischen der historischen Altstadt und dem Regierungsviertel sein, erklärt de Buck.

„Das Büro St. Pölten 2024 arbeitet derzeit gemeinsam mit dem Land intensiv am Feinkonzept der neuen Institution und damit an einem der Leuchtturmprojekte für die Bewerbung St. Pöltens als Kulturhauptstadt Europas 2024.“

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