Die St. Pöltner Wahlplakate im NÖN-Check. Politologe Thomas Hofer wirft eine Woche vor der Wahl ein Auge auf die Wahlwerbung der St. Pöltner Parteien.

Von Thomas Hofer. Erstellt am 20. Januar 2021 (04:34)
Thomas Hofer
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Parallelen bei Plakaten der SPÖ zu Erwin Pröll, defensive Linie bei der ÖVP, nichts Neues bei der FPÖ – das analysiert Politologe Thomas Hofer für die NÖN. Zudem ortet er bei den Themen starke Gemeinsamkeiten bei ÖVP, Grünen und NEOS. Die Pinken sieht Hofer angriffiger und die KPÖ versucht es mit einem Klassiker.

Die SPÖ setzt bei ihrem Projekt „Absolute“ auf ihr großes Asset, die Persönlichkeitswerte des Bürgermeisters. 3100 Prozent werden’s zwar nicht werden, aber das lokalpolitische Sprachspiel ist eine nette Zuspitzung. Wie weiland Erwin Pröll für ganz NÖ verweist Stadler auf den Wandel, den er in der Stadt eingeleitet hat. Auffallend ist, dass wie bei Pröll die Partei gar nicht mehr vorkommt. Das ist strategisch richtig gemacht, denn die Imagewerte der Partei behindern allenfalls.

Wie in den vergangenen Jahren fast üblich, versucht die SPÖ, den Grünen das Umweltthema streitig zu machen. Insgesamt ist das sauber gearbeitet. Die Personalisierung ist wenig überraschend, aber die dominante Strategie. Die Botschaft lautet: Stadler, wer sonst? Was fehlt, ist in Ermangelung aussichtsreicher Gegner das Mobilisierungsthema.

Die ÖVP versucht, aus der Not eine Tugend zu machen. Der Slogan „Viele statt einer“ ist zwar nett gemeint, kaschiert aber nur notdürftig, dass man es über Jahre nicht geschafft hat, ein Gegengewicht zu Stadler aufzubauen, das auch eine echte Chance hat, die Dominanz zu brechen.

Die Plakate selbst sind ästhetisch eher suboptimal, denn es dominiert der von der ÖVP viel kritisierte Beton. Eine Lösung für das Problem wird dagegen nicht präsentiert.

Also wirkt die gesamte Linie ein wenig defensiv, fast furchtsam. Auffallend ist allenfalls der Parallelschwung mit den Grünen, die sich auch auf das Feindbild Beton einschwören. Ob man dem Bundes-Koalitionspartner damit Stimmen abspenstig machen kann, bleibt abzuwarten.

Bei der FPÖ gibt’s in diesem Plakat-Wahlkampf nichts Neues. Die Sujets wirken wie ein schlecht via Photoshop zusammengewürfelter Aufguss früherer Plakate. Natürlich tragen auch Lokalpolitiker schwer an dem seit Ibiza in den eigenen Zielgruppen ramponierten Image.

Die FPÖ versucht es mit den üblichen Aufregern und Grenzüberschreitungen: Die Begriffe „Überfremdung“ und „Diktatur“ sollen genau die Aufmerksamkeit bringen, die die FPÖ seit einiger Zeit schmerzlich vermisst.

Nun gibt es zwar sicher viele mit der Corona-Politik Unzufriedene. Ob die Freiheitlichen diese mehrheitlich einsammeln können, darf nach der Performance der Partei seit 2019 aber bezweifelt werden.

Die Themenwahl der Grünen ist logisch, daher nicht besonders mitreißend. Der Klimawandel wird auf die lokale Ebene runtergebrochen.

Das kann man schon machen – die Floskel „nachhaltig gestalten“ ist aber eben genau das: eine Floskel. Die weitgehenden Übereinstimmungen mit der ÖVP mögen überraschen, mit dem Thema Radwege hat man auf den Plakaten immerhin ein Alleinstellungsmerkmal.

Aber auch die Grünen trauen sich nicht, dem St. Pöltner Übervater Stadler politisch ein wenig zu Leibe zu rücken. Offenbar hofft man allein auf den Effekt, dass Stadler eh schon wieder alle als großen Sieger sehen und so auch etwas für die Grünen übrig bleibt.

Die inhaltliche Linie der NEOS ist ein wenig angriffiger, nachdem man in Sachen Bildung, Transparenz und Lebendigkeit Defizite ortet.

Auch sie versuchen damit logischerweise, auf die Bundesebene auszuweichen und von hier ein paar Themen in die Landeshauptstadt zu transportieren.

Mit ÖVP und Grünen kann man fast eine neue Staffel von „Pfusch am Bau“ gestalten. Die grafische Gestaltung fällt ein wenig ab – das ist offensichtlich auch einem überschaubaren Wahlkampfbudget geschuldet. Eine Zuspitzung auf die Kandidaten versucht man erst gar nicht.

Auch KPÖ plus versucht es mit einem echten Klassiker. Spätestens seit dem fulminanten Abschneiden des Ernest Kaltenegger in der Steiermark ist das Thema Wohnen der Knüller der KPÖ.

Allerdings ist der Imagetransfer nach St. Pölten eher schwierig. Die Kandidaten verhalten sich selbst auf dem Plakat vorbildlich und tragen – im Gegensatz zu allen anderen – Maske.

Den Wiedererkennungswert wird das eher nicht steigern.