Andenken an Architekt. Enkelin von Theodor Schreier enthüllte Tafel für ihre Großeltern und spielte mit deren Ur- und Ururenkelin ein Konzert.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 06. Oktober 2019 (11:11)

Die Tränen flossen bei der 90-jährigen Irene Schreier, als sie die Gedenktafel für ihre Großeltern am Eingang zur ehemaligen Synagoge enthüllte. Theodor Schreier war Architekt des 1913 fertiggestellten Prunkstücks an der Dr. Karl Renner-Promenade, es war eines seiner herausragendsten Werke. Beim Pogrom 1938 wurde die Synagoge verwüstet, ab 1945 war sie Getreidespeicher Roten Armee. 1980 wurde sie renoviert. Heutzutage ist Museum und Veranstaltungsort, wo das Institut für jüdische Geschichte Österreichs (Injoest) seine Heimat hat.

„Schreier hat hier ein Denkmal hinterlassen, deshalb ist er auch St. Pöltner“, stellte die Injoest-Direktorin Martha Keil einen Bezug des Wieners her. „Mein Vater starb vor meiner Geburt, so war mein Großvater wie mein Vater. Er war ein warmherziger und fürsorglicher Mann“, erzählte Schreier. Sie konnte mit ihrer Mutter dem Nazi-Terror entfliehen. Theodor und seine Frau Anna blieben in Wien. Im Oktober 1942 wurden sie nach Theresienstadt deportiert. Anna überlebte die schweren Bedingungen nur zwei Wochen, Theodor starb offiziell an Gehirnhautentzündung.

Begleitet von Tochter Monica Scott und Enkelin Magali Pelletey an der Geige sorgte die aus San Francisco angereiste Irene Schreier am Klavier für einen würdigen Abschluss. Vor der Gedenktafel-Enthüllung hatte Martha Keil zu verschiedenen Adressen in St. Pölten geführt. An den Steinen der Erinnerung wurden im Gedenken an die Opfer der Shoa Kerzen entzündet und Blumen niedergelegt.