Essen und mehr vom Boten in St. Pölten. Gastronomie setzt auf Catering. Auch der lokale Handel vertreibt online und lässt liefern.

Von Beate Steiner. Erstellt am 24. März 2020 (04:43)
Die Straßen sind leer, die Geschäfte geschlossen. Andreas Grubner liefert Essen, Lebensmittel und vieles mehr in der ganzen Stadt aus.
Steiner

Das Leben hat sich umgestellt – und lässt Händler, Gastronomen und Dienstleister neue und auch kreative Wege finden, um für die Kunden und Gäste da zu sein.

Restaurants und Hotels haben derzeit zwar geschlossen, einige Wirte haben aber sofort auf Catering umgestellt. Schnell reagiert hat die Gaststätte Figl. Küchenchef Sebastian Kickinger steht Dienstag bis Samstag von 11 bis 22 Uhr hinterm Herd. „Es läuft langsam an“, berichtet Figl-Wirt Matthias Strunz. „Viele sind zuhause, haben jetzt Zeit zum Kochen und bestellen daher nicht – das wird sich aber sicher in der nächsten Zeit ändern.“

„Der klassische Botendienst nimmt momentan ordentlich zu.“ Andreas Grubner, Fahrradkurier

Das hoffen auch andere Gastronomen. Seit dieser Woche liefert auch das SZimmer und bietet Abholung der Schmankerl an, täglich von 11 bis 20 Uhr.

Nicht nur heimische Kost wird frei Haus geliefert in der Landeshauptstadt. Das indische Kult-Lokal Rajput kocht von Dienstag bis Sonntag für Gäste, die zuhause bleiben müssen. Das italienische Restaurant La Ciccia bietet von Dienstag bis Samstag nicht nur Pizza, sondern auch Pasta, Fisch- und Fleischspeisen.

Griechische Spezialitäten bringt die Souvlaki-Bar ins Haus – Montag bis Samstag von 17.30 bis 21.30 Uhr.

Eines der ersten Lokale, das auf Lieferservice umgestellt hat, war das Café-Restaurant Lukic in Wilhelmsburg. Dusko und Dejan Lukic liefern ihre beliebten Balkanspezialitäten auch nach St. Pölten, „weil die Nachfrage so groß ist“.

Ein besonderes Service bietet die Bar Yesterday. Oliver Kloiber schickt jetzt seine preisgekrönten Cocktails zu den Gästen nach Hause.

Ab dieser Woche finden St. Pöltner noch leichter heraus, welcher Gastronom Köstlichkeiten trotz geschlossener Lokale anbietet. Seit dem Wochenende ist nämlich die Facebook-Seite gastro.stp online, betreut von textart-Lady Sandra Gruberbauer: „Da können sich die Gäste schnell informieren, welches Lokal welches Angebot macht.“ gastro.stp ist der neue Name der Wirte 3100.

Obmann Georg Loichtl zeigt sich erfreut: „Wir wollen damit einen Beitrag leisten und die unterstützen, die noch aktiv sind.“ Loichtl selbst setzt jetzt verstärkt auf sein „Wurzelwerk“. Ab Mittwoch, 1. April, liefert er gekühlte Mahlzeiten in Gläsern aus, jeweils im Sechserpack. Ende dieser Woche geht die Website wurzel-werk.at mit Bestell- und Bezahlungsservice online. „Die Übergabe erfolgt sehr hygienisch – ich lege die Bestellung auf ein mitgebrachtes Tischerl, der Kunde nimmt das Packerl, ich pack den Tisch wieder ein. Bezahlt wird vorab online.“

Lokaler Handel steigt auf online um

Service-Telefonnummern in den Auslagen und schnell gebastelte Webseiten zeigen: Der heimische Handel geht online und liefert lokal. Eine erste Zusammenfassung findet sich unter der Adresse ecoplus.at/online-services. Da gibt es vieles auch in der Landeshauptstadt und im Raum St. Pölten. Etwa Pflanzen aus der Gärtnerei Bonigl und der Gärtnerei Müller, IT & Technik bei Foto Straub und PGV-Computer, Baustoffe sowie Heizmaterial im Baumarkt Nadlinger und im Raiffeisen Lagerhaus, Kosmetika bei Styx Naturkosmetik und natürlich Lebensmittel. Don Fredo bringt spanische Schmankerl frei Haus, EUTA Frisches vom Land, die Kittel-Mühle Backzutaten und Müslis, Fireland-Foods scharfe Gewürze und Saucen sowie Grillzubehör, Felix lässt Kaffee liefern, Michael Haydn Wein. Von der Hopfenspinnerei kommen süffige Craftbiere, aus Jeutendorf Gemüsekistln von „Grünzeugvomfeld“.

Bei einer „Nahversorger-Tour“ liefert die Bäckerei Hager nicht nur Brot und Gebäck, sondern auch Milch, Käse und Wurst im gesamten Stadtgebiet und bis Pyhra und Gerersdorf.

Aus der Modulküche von Gernot Kulhanek kommen wie gewohnt ein Mal in der Woche vegane Speisen in der Glas, ausgeliefert wird jeden Mittwoch. „Das läuft sehr gut an“, verrät der Koch aus Leidenschaft, der mit dem Essen Süffiges von Weinhändler Martin Cerny mitbringt. Angesiedelt ist die Modulküche in normalen Zeiten in der MiniMall in der Wiener Straße, gemeinsam mit Hempcare und JuPet Brettspiele. Die liefern Hanfprodukte und Spiele am Donnerstag aus.

Schnelle Lieferung auf zwei Rädern

Es gibt sogar eine Neu-Eröffnung im Corona-Leben der Stadt: Diese Woche startet das Mazzetti in der Handel-Mazzetti-Straße mit dem Verkauf regionaler Produkte, von Montag bis Freitag am Nachmittag regionale Produkte. Zusätzlich steht ein Milchautomat vor dem Laden.

Die Greisslerei 2.0 hat wie gewohnt jeden Freitag offen und bringt auch in gewohnter Weise Bio-Lebensmittel zu den St. Pöltnern. Wie das Gutding in der Schreinergasse, das als Lebensmittelhändler montags bis samstags geöffnet hat. Elvira Bachinger liefert aber zusätzlich ihr gesamtes Sortiment, von Klopapier über Kinderkleidung bis zu Ostergeschenken. Bestellt werden kann via Mail und Telefon 0677/63614576, ausgeliefert wird in der Stadt mit dem Lastenrad, ins Pielachtal mit dem Auto.

„Der klassische Botendienst nimmt momentan ordentlich zu“

Viele St. Pöltner Firmen setzen beim Ausliefern auf Fahrradkurier Andreas Grubner. Seit einigen Jahren flitzt er mit seinem Rad plus Anhänger durch die Stadt, bringt frisches Obst und Gemüse, Suppen, Kaffee aber auch Werbeprospekte an die richtigen Adressen. Letzteres ist in Zeiten ohne Veranstaltungen natürlich weniger geworden, dafür boomen Aufträge von kleinen Shops und auch Privaten. „Der klassische Botendienst nimmt momentan ordentlich zu“, sagt der Fahrradkurier, der den ganzen Tag unterwegs ist. „Stoßzeit ist zwischen 10 und 14 Uhr, da bin ich meist mit meinem Mitarbeiter unterwegs.“ Aber es kann durchaus sein, dass Andreas um 22 Uhr nochmal ausradelt: „Ich bin eigentlich immer erreichbar“, verrät er.

Demnächst wird Andy Grubner auch mit einem besonderen Gefährt, einer Rikscha, unterwegs sein. „Die möchte ich für Veranstaltungen anbieten“, verrät der Fahrradkurier. Das neue „Dreirad“, das auch als Lastenrad zu nutzen ist, kann er aber erst aus Deutschland holen, wenn die Grenze wieder offen ist.

Umfrage beendet

  • Unterstützt ihr lokale Geschäfte und Wirtshäuser mit Online-Bestellungen?