St. Pölten

Erstellt am 03. Januar 2019, 04:30

von Beate Steiner

Krätzmilbe juckt jetzt viel mehr St. Pöltner. Scabies-Erkrankungen haben sich in den letzten Jahren vervielfacht. Apotheker warnt vor Engpass bei Medikament.

Erste Anzeichen von Scabies sind Juckreiz und Entzündungen.  |  shutterstock.com/photomystery

Sie geht überall auf der Welt unter die Haut: die Krätzmilbe. In der westlichen Welt galt Scabies lange als fast ausgerottet. Dank der hier üblichen hygienischen Standards hatte der grausliche kleine Parasit keine Vermehrungschance, so die gängige Meinung. Irrtum: Die Krätzmilbe lebt in unseren Breiten auf.

„Seit zwei Jahren beobachte ich einen massiven Anstieg von Scabies-Erkrankungen“, warnt Andreas Gentzsch von der Löwenapotheke.. Waren es 2016 durchschnittlich sechs Personen im Quartal, die in der Apotheke Heilmittel gegen den Parasitenbefall holten, waren es dieses Jahr oft drei bis vier pro Tag. Mit unangenehmen Nebenwirkungen. Denn die gängige Salbe gegen Scabies ist in Österreich kaum mehr erhältlich. „Wir stellen das Mittel derzeit selbst her“, so Gentzsch. Aber auch die Zutaten für die Zubereitung in der Apotheke sind bereits Mangelware.

„Aber jeder kann sich anstecken, die Krätzmilbe kennt keine sozialen Unterschiede.“

Der Pharmazeut befürchtet, dass sich zu den Feiertagen wieder vermehrt Menschen mit Krätze angesteckt haben. Denn übertragen wird die stark infektiöse Krankheit durch Hautkontakt. Besonders rasch dort, wo viele Menschen zusammenkommen, sich umarmen oder auch zusammenleben – etwa in Altersheimen, in Schulen und Kindergärten. Dass auch dort Scabies auf dem Vormarsch ist, bestätigt Edmund Entinger vom städtischen Gesundheitsamt. Genaue Zahlen kann der Arzt allerdings nicht nennen, denn die Krankheit ist nicht meldepflichtig. „Aber jeder kann sich anstecken, die Krätzmilbe kennt keine sozialen Unterschiede.“

Anzeichen für Scabies sind Juckreiz und Entzündungen, vor allem zwischen den Fingern, am Handgelenk, am Ellenbogen. Da sind die höchstens 0,4 Millimeter großen Milben-Weibchen schon in die Haut eingedrungen, haben dort Gänge gegraben und in diese Eier und Kotballen abgelegt. Gegenmittel sind Salben, die ein Insektizid enthalten, größtmögliche Hygiene mit täglichem Wäschewechsel und Staubsaugen, weil die Milben auch kurze Zeit in Textilien überleben können.