Reiselust nach Covidfrust in St. Pölten. Die St. Pöltner zieht es wieder in die Ferne. Und die Gäste aus der Ferne in die Landeshauptstadt für einen Kurzurlaub.

Von Maria Prchal. Erstellt am 09. Juni 2021 (04:00)
Aber auch der Urlaub auf Balkonien und in der nahen Umgebung ist heuer beliebt. In St. Pölten lässt sich etwa der Naturlehrpfad Feldmühle erkunden.
Schwarz-König, Schwarz-König

Erste Hitze, die Staus an den Grenzen, die Bademoden-Werbung - kein Zweifel, die Urlaubssaison ist da. Doch es ist eben noch kein „Sommer wie damals“, andere Länder, andere Sitten, andere Maßnahmen - das macht das Reisen kompliziert. Gleichzeitig war der Wunsch nach Tapetenwechsel und Erholung bei den corona-müden Menschen selten so hoch.

Viele verbringen ihren Sommerurlaub in Österreich. Wenn es die Menschen der Region ans Meer zieht, dann etwa auch nach Griechenland.
Straubinger

Die Buchungen haben sich in den vergangenen Wochen sehr gut entwickelt, bestätigt Birigt Fuchs, Leiterin von Kneissl-Touristik in St. Pölten. Mit jedem Öffnungsschritt und jedem Grad stieg die Lust auf Urlaub. Vor allem bei den Pauschalreisen über Reiseveranstalter zog das Geschäft an.

Nicht jeder sieht die „3-G“-Pflicht ein

Bei den Eigenveranstalter-Gruppenreisen aus den aktuellen Kneissl-Katalogen sieht das anders aus. Denn nur sehr wenige der üblichen Sommerreisegebiete sind niederschwellig zu bereisen. „Es fehlen Skandinavien, Irland, Großbritannien, Asien oder das südliche Afrika“, führt Fuchs aus. Dort ist beispielsweise die Einreise für touristische Zwecke nicht erlaubt, die Rückreise ist immer noch mit Quarantäne verbunden oder das Risiko sei wegen hoher Zahlen schlicht zu groß.

Die St. Pöltner zieht es nicht nur in die Hitze: Italien und Frankreich seien zwar beliebte Reiseziele aus den hauseigenen Katalogen. Aber genauso das nahe Deutschland, das ferne Island und Urlaub daheim. Dieser Trend des Österreich-Urlaubs bleibt aus dem Vorjahr bestehen. Auch bei den Pauschalreisen über andere Anbieter ist Österreich als Destination beliebt. Sonst zieht es die Menschen nach Griechenland und ins Nachbarland Italien.

Die Corona-Situation macht sich auch in der Reiseplanung bemerkbar: „Viele Kunden fragen nach den derzeitigen Stornogebühren.“ Bei einigen Veranstaltern ist Storno bis 14 Tage vor Abreise kostenlos möglich. Die Buchung im Reisebüro hat den Vorteil, dass solche Bedingungen klarer ersichtlich sind als etwa auf Online-Plattformen, wo individuell oft noch dazu über Drittanbieter gebucht wird.

Corona bereitet im Reisebüro noch andere Probleme: „Teilweise herrscht großes Unverständnis bei Nichtgeimpften für die ,3-G‘-Regeln und die teilweise notwendigen Antigentests.“

Für eine Bilanz über die Covid-Zeit sei es bei Kneissl-Touristik „leider noch viel zu früh – aber wir werden es schaffen.“ Bisher waren alle Mitarbeiter in Kurzarbeit, mit dieser Woche kommen neue Regeln.

Ein Teil würde aber weiterhin in Kurzarbeit bleiben müssen, beispielsweise die Experten für Fernreisen. Bis die wieder uneingeschränkt möglich sind, müssen sich Reisehungrige noch gedulden.

Tourismusbranche in St. Pölten erleichtert

So weit wohin es die St. Pöltner zieht - doch wie sieht es aus mit dem Tourismus in St. Pölten? Hotellerie und Tourismusbüro atmeten nach den Öffnungen kollektiv auf. Es kämen wieder mehr Gäste, heißt es aus dem Tourismusbüro der Stadt: „Man sieht deutlich, dass sich alle wieder auf Urlaubsreisen freuen“ Derzeit handele es sich vor allem um Kurztrips nach St. Pölten. Die Stadt rechnet vorrangig mit Gästen aus Österreich und den Nachbarländern Deutschland, der Schweiz sowie Italien. Außerdem würden vermutlich wieder Touristen aus den Niederlanden kommen, die seien häufige Campinggäste. Von der Stadt aus können leicht Ausflüge in der Region unternommen werden - egal ob ins Traisen- und Pielachtal oder in die Wachau.

„Man sieht deutlich, dass sich alle wieder auf Urlaubsreisen freuen“

Um für St. Pölten und Umgebung die Werbetrommel zu rühren, hat das Tourismusbüro an der „Willkommen-Zurück“-Kampagne der Österreich-Werbung teilgenommen. Weiters wurde auf Videos und zahlreiche Einschaltungen in diversen Medien und im Social Media-Bereich gesetzt.

Um mehr Gäste in die Stadt zu locken werden auch heuer wieder regionale Packages geschnürt – etwa der E-Bike-Verleih oder das „Wein.Sommer.Picknick“.

Während der Pandemie hätte der Geschäftstourismus die Branche gerettet und sich positiv auf die Nächtigungszahlen ausgewirkt: „Wir hatten dadurch weniger Minus als die ‚starken‘ Tourismusstädte wie Wien und Salzburg.“

Das ganze Bundesland kam besser durch die Krise als der Bund: Im Tourismus seien in NÖ die Beschäftigungszahlen nur um 0,7 Prozent zurückgegangen, im Österreich-Schnitt um 2,1. Das zeigen neue Untersuchungen des „Economica“-Instituts. Generell sei die NÖ Tourismuswirtschaft um 35,7 Prozent eingebrochen, der Bundes-Schnitt liegt bei 91,1 Prozent, Tirol verzeichnete sogar ein Minus von 96,6 Prozent.

Die Rettung durch Businessreisende bestätigt Alex Meder vom Hotel Alfred im Süden der Stadt. Das Triathlon-Event habe das Comeback des Tourismus in St. Pölten eingeläutet.

Umfrage beendet

  • Wohin fahrt ihr in Urlaub?