St. Pöltner Wahlkampf mit WWE-Gründen. ÖVP will Wohnbau mit 720 Wohnungen in der Traisen-Au nun verhindern. SPÖ sieht „Stimmenmaximierung ohne klare Linie“.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 07. Januar 2021 (04:34)
Im Frühjahr 2018 wurden auf den WWE-Gründen die archäologischen Arbeiten abgeschlossen. 720 Wohnungen sind dort seither in Planung. Den Wohnbau will die ÖVP nachanfänglicher Zustimmung nun verhindern.
Stadtmuseum

Seit 2018 sind die Stadtarchäologen fertig mit ihrer Untersuchung der WWE-Gründe. Schon damals stand der Plan der Wohn- und Wirtschaftspark Entwicklungsgesellschaft m.b.H. (WWE) fest, hier an der Traisen 720 Wohnungen zu errichten. Mittlerweile hat es bei der ÖVP ein Umdenken gegeben, nach dem Aufruf, sich beim Bebauungsplan einzubringen, macht die Partei ihre Bedenken gegen das Projekt jetzt auch zum Wahlkampf-Thema.

Anlass sind die veranschlagten 610.000 Euro für den Kanalbau auf den WWE-Gründen, die die Realisierung näher rücken lassen. „Wenn über 1.000 neue Bewohner den See direkt vor der Haustür haben, könnte das zu einer Überlastung des Erholungsgebiets führen“, sieht Vizebürgermeister Matthias Adl ein Problem. Ebenso bei der sozialen Infrastruktur im Norden. Kinderbetreuung und Kinderärzte fehlten.

„Die ÖVP verfolgt keine klare Linie, es geht ihr nur um Stimmenmaximierung“, kritisiert SP-Vizebürgermeister Harald Ludwig und betont, dass die ÖVP noch 2014 neuen attraktiven Wohnraum auf den WWE-Grundstücken gefordert habe.

Außerdem sei St. Pölten nicht Eigentümer der Gründe, sondern ein Konsortium mit Bund, Land und Stadt. „Mehr als zwei Drittel der eingereichten und geplanten Wohnbauprojekte stammen von ÖVP-nahen Wohnbauträgern“, kontert Ludwig. Er fordert die Stadt-ÖVP daher im Gegenzug auf, mit diesen wegen einer Reduzierung der Einreichungen zu verhandeln.