Mehr Plätze für die Jüngsten in NÖ. Jedes vierte Kleinkind besucht Krippe. Land will mit 200 neuen Gruppen Angebot ausbauen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 28. Januar 2020 (02:13)
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner will mehr Betreuungsplätze.
VPNÖ

Mit der Geburt ihres ersten Kindes endete lange Zeit für viele Frauen das Berufsleben. Sie gaben ihren Job auf, um sich in den kommenden Jahren ganz ihrem Sprössling zu widmen. In den 80ern war die Mutter zu diesem Zeitpunkt im Durchschnitt 23 Jahre alt. Im Laufe der Zeit hat sich im Familienleben aber einiges verändert. Nicht nur, dass Frauen heute älter sind, wenn sie ihr erstes Kind bekommen. Im Schnitt ist eine Niederösterreicherin dabei aktuell 29,7 Jahre alt. Auch das Bedürfnis, sich nicht zwischen Job und Kind entscheiden zu müssen, wird bei vielen Eltern stärker. Somit steigt auch die Nachfrage an Kinderbetreuungsmöglichkeiten – schon bei den Jüngsten. Darauf will das Land nun reagieren.

Mittlerweile besucht jedes vierte Kind unter 2,5 Jahren in Niederösterreich eine Betreuungseinrichtung. Tendenz steigend. Und auch bei den etwas Älteren ist das Spielen und Lernen im Kindergarten alles andere als eine Ausnahme: 96,9 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen besuchen eine öffentliche Einrichtung. Dass die Nachfrage stark gestiegen ist, zeigt der rasante Ausbau des Angebots: Während es 1975 hierzulande noch 584 Kindergärten gab, waren es im Schuljahr 2018/19 schon 1.098 Kindergärten. Das Angebot hat sich also fast verdoppelt.

Quelle: Land NÖ und Statistik Austria; Illustration: gst/Oxy_gen/Telnov Oleksii/Shutterstock.com;, NÖN-Grafik: Gastegger

Wachsen soll nun auch die Anzahl der Betreuungsgruppen für die Kleinsten. Das hat das Land im blau-gelben Familienpaket fixiert. Vorgesehen war darin für 2020 ursprünglich die Schaffung von 100 zusätzlichen Betreuungsgruppen für Unter-2,5-jährige – sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum. Dieses Ziel ist allerdings schneller erreicht als ursprünglich gedacht: „Mittlerweile sind 86 neue Gruppen bereits eröffnet“, freut sich Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Schon damit könnten 1.300 Kinder zusätzlich betreut werden. Das entspreche einer Steigerung von 20 Prozent. Die übrigen 14 Gruppen, die auf das Ziel der 100 zusätzlichen noch fehlen, sollen bis Ende des Jahres umgesetzt und eröffnet sein.

Ziel erhöht: 100 weitere Gruppen bis 2022

Und weitere sind bereits geplant. Voraussichtlich bis 2022 sollen weitere 100 Betreuungsgruppen entstehen, betonte Mikl-Leitner. Ihr sei es wichtig, dass sowohl im städtischen als auch im ländlichen Raum genug Betreuungsplätze für die Jüngsten zur Verfügung stehen. Dass das Kinderbetreuungsangebot auch eines der Hauptentscheidungskriterien für die Wahl des Wohnorts sei, davon ist ÖVP-Bürgermeisterin Beatrix Dalos aus Biedermannsdorf (Bezirk Mödling) überzeugt. „Noch bevor die Leute fragen, wie viel ein Baugrund kostet, fragen sie nach dem Kinderbetreuungsangebot.“ Voraussetzungen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu schaffen, sei eine der Hauptaufgaben der Politik, ergänzte Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl.

Finanziert wird der Ausbau der Kleinkindbetreuungseinrichtungen zum Teil vom Bund. Dieser investiert 180 Millionen Euro österreichweit in die Kinderbetreuung. Niederösterreich bekomme davon laut Mikl-Leitner rund 26 Millionen Euro. Ziele hat sich rund um die Kinderbetreuung auch die neue Regierung gesetzt: Türkis-Grün will etwa flexiblere Öffnungszeiten und den Ausbau der Nachmittagsbetreuung in Kindergärten, heißt es im Regierungsprogramm.