Ja zu 2024: Gemeinsam zur Kulturhauptstadt. Stadt und Land stemmen „Jahrhundertprojekt“. Betriebsgesellschaft soll noch im Oktober gegründet werden.

Von Mario Kern. Update am 19. September 2017 (11:53)
NLK Filzwieser
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Bürgermeister Matthias Stadler bei der Pressekonferenz im Landestheater in St. Pölten.
 

Woran schon seit mehreren Wochen intensiv hinter verschlossener Tür gearbeitet wird, ist jetzt offiziell: Die Stadt bewirbt sich in Zusammenarbeit mit dem Land als Europäische Kulturhauptstadt 2024. Beide Partner werden dafür ein bis zwei Wochen nach den notwendigen Beschlüssen im Landtag und im Gemeinderat eine eigene Betriebsgesellschaft gründen. „Wir gehen hier bewusst und mit entsprechendem Selbstbewusstsein gemeinsame Wege“, verkündet Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner.

Für diese Gesellschaft werden dieser Tage die Stellen eines operativen Leiters und eines  betriebswirtschaftlichen Geschäftsführers ausgeschrieben. Bevor die bestellt werden, arbeiten bereits Experten und Behörden im Hintergrund an einem neuen Kulturentwicklungsplan und einer Bewerbung, die spätestens Ende 2018 eingereicht sein muss. Eine unabhängige Jury entscheidet dann im März 2019, wer von den Bewerbern in die engere Auswahl kommt. Erst dann gilt es, das Konzept im Detail auszuarbeiten.

Stadt und Land teilen sich jeweils zur Hälfte die Kosten von 2,4 Millionen Euro für diese erste Projektphase. Geklärt werden müssen später noch weitere Eckpunkte eines möglichen Kulturhauptstadt-Auftritts: Noch ist unklar, wie sich die Region um die Landeshauptstadt – inklusive etwa Melk und Krems – ins Spiel bringen kann. Derzeit ist nur fix, dass sich gemäß den Ausschreibungsvorschriften die Stadt nominell als Kulturhauptstadt bewirbt.

Gesamte Region würde profitieren

Umliegende Städte und Gemeinden könnten durchaus Veranstaltungen unter einer gemeinsamen Dachmarke mit der Landeshauptstadt lancieren oder aber als gezielt gefördertes Umland St. Pölten stärken. „Auf jeden Fall würde nicht nur die Landeshauptstadt profitieren, sondern auch die Region, schon alleine was die Unterbringungsmöglichkeiten anbelangt“, erläutert Bürgermeister Matthias Stadler.

Unklar ist auch noch, wie die in den Ausschreibungskriterien festgeschriebene Beteiligung der Bevölkerung passieren soll. Die Plattform Kulturhauptstart hat im Vorfeld viel ideelle Arbeit geleistet. Sie wird dem Vernehmen nach nicht unbedingt in der organisatorischen Phase Platz finden, aber voraussichtlich dann in der Programmierungsphase berücksichtigt werden. Bürgermeister Stadler ruft Kulturaffine, Wissenschafter, Interessierte und auch die Jugend auf, sich am Projekt Kulturhauptstadt zu beteiligen: „Raus aus den Ateliers und Proberäumen – gehen wir es an!“

Für Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner hat das Jahrhundertprojekt eine jahrzehntelange Vorgeschichte: „Nach dem Fall des Eisernen Vorhanges ist St. Pölten in die Mitte Europas gerückt. Seitdem ist viel in Sachen Kunst und Kultur passiert. Niederösterreich ist ein Kulturland geworden.“

„Wenn wir das machen, wollen wir gewinnen“

Die positiven Impulse durch den Titel Europäische Kulturhauptstadt sind klar: Die Wirtschaft würde profitieren und so zusätzliche Arbeitsplätze schaffen, der Tourismus durch deutlich mehr Besucher und höhere Nächtigungszahlen gestärkt. „Linz und Graz haben durch ihre Kulturhauptstadt-Werdung deutlich hinzugewonnen“, weiß Matthias Stadler.

Er rechnet im Falle einer erfolgreichen Bewerbung mit rund 600 Events, die zu den jährlich 15.000 Veranstaltungen hinzukommen könnten. Außerdem wäre dieser Titel ein gewaltiger Imagegewinn für Stadt und Land.

Beide bewerben sich mit viel Selbstbewusstsein. „Wenn wir das machen, wollen wir den Titel auch holen“, betont Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner. Aber auch wenn es nur bei der Bewerbung bleiben sollte, wird der Prozess Vorteile einbringen. Das Konzept soll nämlich – womöglich mit einigen Abstrichen – auch dann umgesetzt werden, wenn sich die Jury nicht für St. Pölten entscheiden sollte.

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