Altstoffsammelzentren: Nur das Nötigste entsorgen. Die Gemeinden entscheiden selbst, ob Recyclinghöfe offen halten und rufen zur Müllvermeidung auf.

Von Claudia Wagner. Erstellt am 10. April 2020 (03:17)
In der St. Pöltner Handel Mazzetti-Straße haben die Mitarbeiter der Abfallwirtschaft diesen illegal abgelegt Müllhaufen vorgefunden. Zur Bewahrung der öffentlichen Hygiene bleibt das Altstoffsammelzentrum Austraße weiterhin geöffnet.
Irene Bartl

Mehr Zeit zuhause bedeutet mehr Müll: Konservendosen, Entrümplungsgut von Keller oder Dachboden und Grünschnitt aus dem Garten. In Zeiten der Ausgangsbeschränkungen häufen sich die Abfallsäcke und -tonnen. Die Altstoffsammelzentren sind aber – wenn überhaupt – meist nur eingeschränkt geöffnet.

Ob die Recyclinghöfe offen haben, liegt im Ermessen der Bürgermeister. Jede Gemeinde entscheidet selbst, ob die besonderen Sicherheitsmaßnahmen – etwa Mindestabstand oder Personenmaximalzahl – eingehalten werden können. St. Pölten hat aus Sicherheitsgründen drei Altstoffsammelzentren geschlossen. Einzige Ausnahme: das ASZ Austraße. Aber: „Es sollte nur für unbedingt notwendige Entsorgungen genutzt werden, vieles kann auch daheim aufbewahrt und nach der Krise entsorgt werden. Jetzt bitte keine Entrümpelungsaktionen“, appelliert die Stadtgemeinde.

„Illegale Ablagerungen sind leider ein Thema. In der derzeitigen Situation müssen wir unsere Personalressourcen schonen.“ Anita Krafl, Leiterin der Abfallwirtschaft St. Pölten

Und: Das Offenhalten eines Sammelzentrums sei für die Bewahrung der öffentlichen Hygiene essenziell. Obwohl die Möglichkeit besteht, den eigenen Müll ordentlich zu entsorgen, wird diese nicht von jedem genutzt. „Auch illegale Ablagerungen sind gerade leider ein Thema“, rügt Anita Kraftl, Leiterin der Abfallwirtschaft. „Illegales Müllablagern ist eine strafbare Handlung. In der derzeitigen Situation müssen wir unsere Personalressourcen schonen. Illegale Ablagerungen, die durch unser Personal weggeräumt werden müssen, stellen eine unnötige Zusatzbelastung dar.“ Zur Aufrechterhaltung des Abfallwirtschaftsbetriebes sei es erforderlich, dass das Personal nicht überlastet wird, mahnt Anita Kraftl.

Die Mitarbeiter sind aufgrund der Coronakrise und des Mehrschichtbetriebs am Limit. Ebenso eine Herausforderung: zugemüllte Abfallräume bei Wohnhausanlagen. Kraftl bittet: „Wenn vorübergehend Mehrmengen anfallen, sollten zusätzliche Mülltonnen beim Abfalltelefon bestellt werden. Diese können problemlos bei weniger Müllanfall wieder monatlich abbestellt werden.“

Die Müllabfuhr läuft wie gewohnt weiter – aber auch hier gibt es Auswirkungen der Coronakrise. „Wir haben Mengenzuwächse, vor allem bei der Gelben Tonne und beim Gelben Sack. Das heißt, die Mengen an Kunststoffflaschen sowie Dosen steigen merkbar an“, bilanziert die Abfallwirtschafts-Leiterin. Eine insgesamte Mengensteigerung an Abfall gibt es aber nicht – aufgrund des Ausfalls vieler Kleingewerbebetriebe kann eher von einer Verlagerung gesprochen werden.

„Lebenswichtige Infrastruktur“

Veränderte Wegwerf-Gewohnheiten sieht auch die Stadtgemeinde Klosterneuburg. „Da die Menschen zuhause bleiben, ist ein leichter Anstieg des Restmülls zu verzeichnen – dieser ist bisher unproblematisch“, heißt es aus dem Bürgermeisteramt. Wie St. Pölten hat auch Klosterneuburg entschieden, das Sammelzentrum offenzulassen. Ebenfalls mit Einschränkungen: „Der Recyclinghof ist nur unter der Woche und nur für unbedingt notwendige, unaufschiebbare Entsorgungstätigkeiten geöffnet“, so eine Sprecherin.

Abfallentsorgung zählt für das Gesundheitsministerium zur „Deckung der notwendigen Grundbedürfnisse“, die Öffnung der Altstoffsammelzentren ist also rechtens. Gemeindebund-Präsident Alfred Riedl unterstreicht die Notwendigkeit der Sammelhöfe: „Seitens des Gemeindebunds haben wir klargestellt, dass Altstoffsammelzentren unter lebenswichtige Infrastruktur fallen.“ Man müsse, so der Präsident, den Menschen in der Krisenzeit die Chance geben, sich und ihr Leben zu organisieren und zu ordnen. Riedl: „Der Lagerkoller wird kritisch, wenn wir alles, was zum alltäglichen Leben gehört, unmöglich machen.“

Krems hat das Altstoffsammelzentrum aus Sicherheitsgründen geschlossen. Für die Entsorgung stehen in der Stadt stattdessen die Müllinseln zur Verfügung. In Grafenwörth – Riedl ist Bürgermeister – ist das Sammelzentrum geöffnet. Die Gemeinde setzt auf einen Zugang mit E-Card, mit der Bürger die Schranken des videoüberwachten Recyclinghofs selbst öffnen können. Schon vor Corona-Zeiten hat Grafenwörth von dem elektronischen Tor Gebrauch gemacht, jetzt ist das System ein großer Vorteil, betont Riedl: „Jeder kann hinfahren und muss beim Müllentsorgen niemandem begegnen.“