Fernweh im Winter: Warten auf bessere Reisezeiten. Reisebranche im Bezirk St. Pölten ist derzeit im Stand-by-Modus. Reisewillige erkundigen sich und entscheiden heuer sehr kurzfristig.

Von Beate Steiner und Nadja Straubinger. Erstellt am 25. November 2020 (03:39)
shutterstock.com

„Wenn ein Land aufmacht, bin ich dahin wie ein Vogerl“, schildert Niclas Wright, Geschäftsführer von Gärtner Reisen, seinen persönlichen Lockdown. Das Reisebüro Gärtner in der Landeshauptstadt ist bis 7. Dezember geschlossen, die Mitarbeiter sind täglich vormittags telefonisch zu erreichen. Und das Telefon klingelt öfter.

NOEN

„Viele fragen nach, wie die Situation zu Weihnachten ausschauen wird“, so Wright. Zahlreiche Buchungen gibt es zum Beispiel für die Kanaren, aber auch für die Malediven. „Dort sind allerdings nicht alle Hotels offen“, weiß Niclas Wright. Nachgefragt ist auch Thailand. „Da müssen Urlauber allerdings zunächst 14 Tage in Quarantäne gehen. Wer aber will schon zwei Wochen im Hotelzimmer sitzen?“, fragt der Reiseprofi und schildert sein „Sehnsuchtsprogramm“: „Ich versuch‘ mir innerlich dieses Urlaubsgefühl zu verschaffen – ich streune virtuell durch die Straßen von Bangkok und kann dabei sogar das Streetfood riechen.“

„Viele fragen nach, wie die Situation zu Weihnachten ausschauen wird“

Fernweh hat auch der Pielachtaler Ernst Dullnigg. „Im Frühjahr ist eine Reise nach Nepal zu unseren Schulen geplant“, berichtet der Landesgeschäftsführer der Naturfreunde NÖ. Zwei Schulen haben die Naturfreunde in Nepal fertig gebaut, die nun auf eine offizielle Eröffnung warten. Im Sommer will er nach Kirgistan und durch das Thian Shan Gebirge reiten. „Die Reisemöglichkeiten und Flugverbindungen nach Nepal und Kirgistan sind ja schon wieder hergestellt“, sagt Dullnigg. Aber auch Alternativen hat er sich schon überlegt, einen Aufenthalt in Schweden. Vorher steht für ihn aber ein Familienaufenthalt im Mariazellerland an. „Wir lieben die netten Skitouren im Mariazellerland und nun hoffen wir auf viel Schnee.“

Trotz Covid-19-Krise wird im Naturfreunde Reisebüro fleißig geplant: Wander-, Rad-, Mountainbike-, Reit-, Kultur und Wintersportangebote in Österreich, Europa sowie in einigen ferneren Ländern. Planungssicherheit gebe es aber keine. „Es gibt Anfragen und großes Interesse. Vor allem bei Wintersportreisen sind die ersten Buchungen da. Viele warten allerdings auf die nächsten Entwicklungen, bevor sie definitiv buchen“, weiß Dullnigg.

Abwarten, wie sich die Lage entwickelt

Es wird allerdings noch einige Zeit dauern, bis das Reisen wieder uneingeschränkt möglich ist, bestätigt auch Andrea Christina Jung von Kneissl Touristik in St.Pölten. „Es rufen immer wieder Leute an, die gerne verreisen würden, aber es bleibt ihnen verwehrt.“ Kneissl bietet Gruppenreisen an, dafür braucht es naturgemäß eine bestimmte Anzahl von Teilnehmern. „Wir haben jetzt schon einige Angebote für Ultra-Kleingruppen, dadurch wird die Reise natürlich teurer.“ Vietnam, Kambodscha, Namibia oder Nepal sind noch nicht abgesagt, „wenn die Leute angemeldet bleiben“, erklärt Andrea Christina Jung.

Abgesagt wird auch bei Reisewarnstufe 6, „da gibt es dann keine Haftung und keine Versicherung mehr.“ Für die fast überall geforderten PCR-Tests am Flughafen übernimmt das Reisebüro die Kosten. Im Übrigen werden viele Flüge derzeit nicht durchgeführt, „und Busreisen scheinen vielen Kunden sicherer.“

Eines bestätigen alle Reisebüros: „Nix ist fix.“ Die Kunden warten ab, wie sich die Lage im Corona-Jahr 2020 weiterentwickelt und entscheiden dann kurzfristig, ob sie einen Urlaub buchen. „Zwei Wochen vorher reicht“, bekräftigt Niclas Wright.

Umfrage beendet

  • Winterurlaub trotz Corona?