Gewalt in den Schulen hat sich verändert. Mobbing nimmt zu, sagt Psychologe. Familiäre Situation wird oft in die Schule getragen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 29. Mai 2018 (05:20)
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Schläge im Klassenzimmer, ein geplanter Amoklauf oder Jugendliche, die Lehrer bedrohen – Schreckensnachrichten aus Schulen zeichnen ein düsteres Bild. Auch die neuesten Zahlen des Innenministeriums zur Gewalt in Schulen ließen bei vielen Eltern die Alarmglocken schrillen.

Grund zur Panik gibt es in St. Pölten aber keinen: Die Bildungseinrichtungen in und um die Landeshauptstadt sind, wie der Blick auf die Statistik beweist, nach wie vor sichere Orte. Anzeigen wegen Körperverletzung gab es in der Stadt 2017 sechs, im Bezirk drei. Schwere Körperverletzung wurde in der Stadt einmal angezeigt, gefährliche Drohung zwei Mal. Am häufigsten – nämlich 32 Mal in der Stadt und 23 Mal im Bezirk – wurde die Polizei nach Diebstählen eingeschaltet.

NOEN

Doch auch wenn in St. Pöltens Schulen selten die Fäuste fliegen, sei Gewalt unter Jugendlichen allgegenwärtig, meint Psychologe Norman Schmid. „Die Formen der Gewalt verändern sich nur. Psychische Gewalt hat zugenommen.“ Mobbing werde häufiger, außerdem verlagere sich das Problem oft in Soziale Netzwerke. „Schikanen werden dort durch die Anonymität erleichtert, der Täter hat kaum Konsequenzen zu befürchten“, weiß Schmid. Es komme zudem oft zu Gruppenphänomenen. Jugendliche schließen sich dem Mobbing an, ohne zu reflektieren, was das bei den Betroffenen auslöst.

Mehr Schutz vor Gefahren von außen

Oft werden Probleme auch von außen in die Schule getragen: „Viele Kinder erleben Gewalt schon in der Familie mit“, weiß die Leiterin des Gewaltschutzzentrums NÖ Michaela Egger. Wie weit das gehen kann, zeigt der tragische Fall aus dem Jahr 2012, als ein Vater in Wagram seinen Sohn erschoss.

Was den Schutz vor familiärer Gewalt betrifft, habe sich die Situation für Schulen jedoch verbessert, meint Egger. Dazu beigetragen habe, dass Bildungseinrichtungen nun informiert werden, wenn Betretungsverbote ausgesprochen werden.

Seit 2013 kann der Schutz auf Bildungseinrichtungen ausgeweitet werden. Seit 2016 kann er sogar eigens dafür ausgesprochen werden. 2017 wurde davon in der Stadt in sechs Schulen und drei Kindergärten Gebrauch gemacht, im Bezirk in fünf Schulen und drei Kindergärten. „Die Schulen haben damit endlich etwas in der Hand. Es ist nur nicht ganz nachvollziehbar, warum das Gesetz nur für unmündige Minderjährige gilt. Was macht es für einen Unterschied, ob jemand 13 oder 15 ist?“, sagt Egger.

„Für mich ist es die Bankrotterklärung einer Gesellschaft, wenn man sich einsperren muss.“ Christian Waka

Dass es in der Praxis oftmals schwierig ist, die Betretungsverbote umzusetzen, weiß Direktor Karl Wimmer von der Neuen Mittelschule Wagram: „Wir sind sehr aufmerksam, wenn Schulfremde das Gebäude betreten. Allerdings wissen wir nicht, wie die Leute aussehen, die ihre Kinder nicht sehen dürfen. Wenn wir sie nach dem Namen fragen, werden sie nicht die Wahrheit sagen. Da würde es nur helfen, wenn uns die Polizei bei Betretungsverboten auch Fotos zur Verfügung stellen würde“, meint der Schulleiter.

Von verschlossenen Schultüren halten die meisten Direktoren nichts. „Für mich ist es die Bankrotterklärung einer Gesellschaft, wenn man sich einsperren muss“, meint Christian Waka von der Volksschule Wagram. Anders sieht das Ulrike Ströbitzer von der Daniel-Gran-Schule II, wo die Türen versperrt sind: „Mit Gewalt hatten wir in letzter Zeit zwar keine Probleme. Aber das Verschließen der Türen hat sich bewährt.“

Direktoren wünschen sich mehr Unterstützung

Um auf Probleme zwischen Jugendlichen, aber auch in deren Familien, reagieren zu können, wünschen sich einige der Direktoren mehr Unterstützung. „Schulen brauchen Sozialarbeiter, Psychologen und Beratungslehrer“, ist der Wagramer Direktor Karl Wimmer überzeugt. Notwendig seien, so Psychologe Norman Schmid, auch Workshops für Lehrer und Eltern.

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