„Ich werde wohl nie ein Haus besitzen“: Für viele bleibt es ein Traum

Erstellt am 16. August 2022 | 20:01
Lesezeit: 4 Min
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Der Traum vom Eigenheim ist noch fest in den Köpfen verankert. Aber ökonomisch und ökologisch wird es knapp.
Foto: shutterstock.com/Tanoy1412
Neue Anforderungen und Kreditregeln lassen den Traum vom Eigenheim in noch weitere Ferne rücken. Aber sie sind nur einer von vielen Faktoren.
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„Ich bin jetzt in einem Alter, wo ich mir eigentlich meine eigenes kleines Wohlfühl-Heim schaffen möchte. Aber mit den neuen Regeln zum Eigenmittel-Anteil ist das fast unmöglich“, klagt eine St. Pöltnerin ihr Leid.

Langsam gibt die Mitt-Vierzigerin auf, „ich werde wohl nie ein Haus besitzen.“ Plan A eines Eigenheims sei gescheitert wegen der Kreditregeln, Plan B eines Genossenschaftshauses wegen des Genossenschaftsbeitrags.

„Vor 20 Jahren entsprach österreichweit der Kaufpreis eines Einfamilienhauses dem fünffachen Familien-Jahres-Nettoeinkommen. Derzeit stehen wir beim achtfachen Jahres-Nettoeinkommen.“ Immobilienprofi Georg Edlauer

Der Traum des Eigenheims rückt für die St. Pöltnerinnen und St. Pöltner in immer weitere Ferne, wie beim NÖN-Schwerpunkt „Wohnen“ im Juni klar wurde. Obwohl viele immer noch an dieser Wunschvorstellung festhalten.

Der „American Dream“ vom Einfamilienhaus mit Doppelgarage und Garten gehe sich aber volkswirtschaftlich, flächenmäßig und mit Blick auf den Klimaschutz nicht mehr aus, waren sich alle Expertinnen und Experten einig.

Georg Edlauer
Georg Edlauer
Foto: zVg

Immobilienprofi Georg Edlauer betont zusätzlich die vielen Faktoren, die „Leistbarkeit“ ausmachen: Neben den Immobilienpreisen selbst beispielsweise die steigenden Zinsen, der Kaufkraftverlust sowie die Attraktivität von Alternativveranlagungen.

„Nur ein Beispiel zu den Preisen: Vor 20 Jahren entsprach österreichweit der Kaufpreis eines Einfamilienhauses dem fünffachen Familien-Jahres-Nettoeinkommen. Derzeit stehen wir beim achtfachen Jahres-Nettoeinkommen.“

Wohnen im Eigentum noch vergleichsweise günstig

Die Preise für Wohnimmobilien in St. Pölten sind den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen und bewegen sich langsam auf einen österreichweiten Durchschnittspreis hin. Dennoch ist Wohnen im Eigentum in St. Pölten noch vergleichsweise günstig.

Edlauer: „Ich erwarte in diesem Segment für 2022 und 2023 noch Steigerungen im hohen einstelligen Prozentbereich, danach wird aber voraussichtlich eine Konsolidierung eintreten.“

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Auch Komplettsanierungen werden durch die neuen Regelungen und die Baupreise für viele Menschen unleistbar.
Foto: NÖN

Die Zinsen selbst werden ebenfalls steigen. Im Zusammenhang mit den Mindeststandards bei Wohnkreditvergaben führt das „natürlich zu einer nicht unerheblichen Erschwerung der Finanzierbarkeit“. Insbesondere von Einfamilienhäusern, Baugrundstücken und Eigentumswohnungen.

Diese Gegebenheiten würden wieder dazu führen, dass die Nachfrage sinken, das Angebot steigen wird, und die Preise damit gedämpftere Erhöhungen verzeichnen werden.

Pyhras Bürgermeister Günter Schaubach sieht die Probleme ebenfalls differenziert: „Erst vor Kurzem wurde ein Baugrund zurückgegeben, das lag aber nicht an den neuen Kreditregeln, sondern an der Inflation und den massiv gestiegenen Baukosten.“

Die Teuerung und die Unsicherheit würden immer weiter zunehmen und dazu führen, dass Jungfamilien sich mittlerweile den Traum vom Eigenheim mit Garten kaum mehr erfüllen könnten. „Und die Kreditregeln machen es nicht gerade einfacher. Familien haben keine Zeit, dass sie einen Grund kaufen und dann zehn Jahre bis zum Hausbauen sparen. Dem steht auch der Bauzwang im Wege.“

Freie Gründe gibt es aktuell keine in Pyhra, Umwidmungen sind frühestens für 2023 geplant, sofern Landwirte Ackerland verkaufen, das dann umgewidmet werden kann. Aktuell will aber niemand so recht Grund verkaufen.

Kirchbergs Ortschef Franz Singer stößt bei dem Thema in dieselbe Kerbe wie Schaubach: „Was wir merken: Manche verschieben ihr Bauvorhaben zeitlich. Das hat aber in erster Linie damit zu tun, dass die Baustoffpreise zur Zeit hoch sind.“

Baugründe hätte noch niemand zurückgegeben, Interessenten für die geplanten zukünftigen Baugründe gibt es schon einige. „Die verschärften Kreditregeln werden möglicherweise manche Bauwerber etwas verunsichern. Ich glaube aber nicht, dass sich junge Menschen ihren Lebenstraum, ein eigenes Heim, dann nicht mehr erfüllen werden.“

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