Gerhard Pichler: Von Corona bis Cybercrime. Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler über die Pandemie und die steigende Gefahr im Netz.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 01. Januar 2021 (04:58)
Gerhard Pichler stellt fest, dass die Kriminalität im Bezirk zurückgegangen ist.
Wohlmann

Das Jahr 2020 – in jeder Hinsicht ein außergewöhnliches Jahr. Corona hat das Leben in allen Bereichen grundlegend verändert. Einschränkungen bestimmen den Alltag, aktuell jetzt im dritten Lockdown. Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler erzählte der NÖN, wie die Exekutive in der Region das Corona-Jahr wahrgenommen hat.

NÖN: Wie gehen die Bürger mit den Einschränkungen um?
Gerhard Pichler:
Die Bevölkerung im Bezirk St. Pölten-Land hat sich grundsätzlich großartig an die jeweils geltenden Bestimmungen gehalten. Dort, wo es nicht funktioniert hat, wurde in Absprache mit der Bezirkshauptmannschaft streng durchgegriffen.

Wenn Menschen „eingesperrt“ sind, bleiben mitunter Spannungen nicht aus. Gab es einen Anstieg im Bereich Gewalt in der Privatsphäre?
Dies konnte im Bezirk so nicht wahrgenommen werden. Grundsätzlich bewegen wir uns bei Wegweisungen und Betretungsverboten aber im Bereich der letzten Jahre mit rund 100 Vorfällen pro Jahr. Einen Anstieg psychischer Auffälligkeiten haben wir nicht bemerkt.

Wie viele Anzeigen wurden nach dem Epidemiegesetz verhängt?
Hierüber führen wir keine Aufzeichnungen. Sie bewegen sich aber auf einem niedrigen Niveau. Die aufsehenerregendsten Fälle waren im Bereich Traismauer – Jugendliche feierten im Foyer einer Bank eine Party – und in Böheimkirchen. Hier hatten sich Jugendliche in einem Motel eingemietet und veranstalteten dort eine Party.

Corona-Auflagen und täglicher Dienstbetrieb. Wo liegen und lagen hier die großen Herausforderungen?
Jede Inspektion hat ein eigenes Konzept zur Covid-Prävention erstellt, um eine Ansteckung hintanzuhalten und die Einsatzfähigkeit zu erhalten. Auch die Durchführung der internen freiwilligen Tests zählte da dazu. Vorrangig war es, einen Cluster auf einer Inspektion zu verhindern. In enger Zusammenarbeit mit der Gesundheitsbehörde, also der Bezirkshauptmannschaft, mussten wir die Einhaltung der einzelnen Verordnungen samt Verboten umsetzen. Ein wesentlicher Teil waren dabei die Kontrollen an öffentlichen Plätzen sowie die Quarantäne-Überprüfungen.

Der Lockdown samt den Grenzkontrollen hat sicher dazu beigetragen, dass die Kriminalität insgesamt zurückgegangen ist

Ist die Einbruchskriminalität zurückgegangen, weil die Menschen mehr zu Hause waren?
Ja. Der Lockdown samt den Grenzkontrollen hat sicher dazu beigetragen, dass die Kriminalität insgesamt zurückgegangen ist. Ein Problembereich sind zurzeit aber Einbrüche in Kellerabteile. Hotspot gibt es im Bezirk aber noch keinen.

Wie läuft hier die Zusammenarbeit der Bezirkspolizei mit dem Landeskriminalamt wie auch mit den Polizeikollegen auf internationaler Ebene?
Die Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt ist wirklich sehr gut und von persönlicher Wertschätzung getragen. Die Kollegenschaft des LKA ist rund um die Uhr als Ansprechpartner erreichbar und im Fall des Falles rasch vor Ort zur Unterstützung greifbar. Internationale Klärungen gehen meist mit einer ordentlichen Tatortarbeit und den hier gesicherten Spuren einher.

Die Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt ist wirklich sehr gut und von persönlicher Wertschätzung getragen.

Cybercrime ist in den letzten Jahren angestiegen. Wie sieht es hier im Bezirk aus?
Dieses Phänomen ist auch im Bezirk St. Pölten-Land zu beobachten und im Steigen. Die Betrugsformen sind mannigfaltig. Sie reichen von Phishing-Mails, Schadsoftware, Betrugsfällen auf Internetplattformen, vor allem auf Verkaufplattformen, bis zu Erpressungsmails wie Sextortion; ebenso tritt der CEO-Fraud, eine Form des Firmenbetrugs, auf. Cybercrime wird uns auch 2021 fordern.

Stichwort Verkehr: Wo sieht die Exekutive Hotspots auf den Straßen im Bezirk?
Neuralgische Punkte gibt es derzeit keine. Was sich erkennen lässt, sind Geschwindigkeitsübertretungen im Freiland. Hier wird aber durch Laser- und Radarstafetten gegengesteuert. Im Bereich Drogen hat es im Bezirk mit der Verkehrsabteilung einen Ausbildungsschub in der Kollegenschaft gegeben. Diese Maßnahme wurde durch die Schaffung eines Ärztepools landesweit flankiert und zeigt großartige Wirkung.

Wünsche des Bezirkspolizeichefs an Land und Innenministerium?
Wir sind ausrüstungsmäßig sehr gut aufgestellt. Auch im Bereich der Digitalisierung sind wir in die richtige Richtung unterwegs. Personell gibt es immer „Luft“ nach oben; aber das ist in jeder Firma so.