Neuer Stellenwert für Influenza-Impfung. Apotheker in Stadt und Bezirk St. Pölten sehen höhere Nachfrage. Ärzte-Vertreter gehen von steigender Durchimpfungsrate aus.

Von Beate Steiner, Max Steiner und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 23. September 2020 (04:00)

In etwa die doppelte Menge der Vorjahre an Influenza-Impfstoff hat Bezirksärztevertreter Andreas Barnath bestellt. Die Lieferung der Großhändler steht noch aus. „Vorab wurde mir aber mitgeteilt, dass ich wohl nicht meine volle Lieferung bekommen werde. Ich werde mit zwei Drittel der georderten Impfstoffe auskommen müssen.“ So wie Barnath rechnen auch seine Ärztevertreter-Kollegen in der Stadt St. Pölten und Apotheker durch die Corona-Pandemie mit mehr Menschen, die sich impfen lassen wollen. „Leider war die Impffreudigkeit der Bevölkerung für Influenza viel zu niedrig. Ich nehme an, dass sich durch die Corona-Pandemie nun deutlich mehr Menschen impfen lassen wollen, als Impfstoff verfügbar sein wird“, so Florian Fiedler.

Der St. Pöltner Apotheker Andreas Gentzsch von der Löwen-Apotheke freut sich derzeit über eine vielfach höhere Impfbereitschaft als in den vergangenen Jahren. „Auch größere Firmen und Institutionen aus der Region haben bereits nach Impfstoffen angefragt, um ihren Mitarbeitern einen Schutz vor Influenza anbieten zu können“, berichtet er, bedauert aber gleichzeitig, dass man in Niederösterreich nicht die bestellte Menge geliefert bekommen werde und eine Nachlieferung eher unwahrscheinlich erscheint. „Wir haben täglich viele Anfragen, müssen jedoch immer um Geduld bitten, bis wir die Lieferung tatsächlich im Haus haben.“

„Leider ist Prävention in Österreich ein viel zu kleines Thema, das gilt auch für viele andere Erkrankungen.“ Florian Fiedler, Ärztevertreter in der Stadt St. Pölten

In Wilhelmsburg ist die Nachfrage bei Gert Dieterich ebenfalls groß. „Durch die Corona-Situation bekommt die Grippeimpfung einen noch größeren Stellenwert“, meint der „Medizinmann“. Grippaler Infekt, echte Grippe und eine Corona-Infektion hätten sehr ähnliche Symptome, wenn man gegen die Influenza geimpft ist, könne man schon mal eine Infektion ausschließen. „Aufgrund der enormen Nachfrage werden wir anfangs nicht für alle Impfwilligen den Impfstoff zur Verfügung stellen können“, so Dieterich. Weil aber die Industrie reagiert habe, glaubt er, dass er weitere Kontingente erhalten werde.

Prinzipiell sei die Grippe-Impfung für alle Menschen sinnvoll, erklären die Ärztevertreter. Dringend empfohlen werde sie aber für Menschen höheren Alters, chronisch Kranke, Personengruppen mit anderen Risikofaktoren und Personal im Gesundheitswesen, so Fiedler. „Leider ist Prävention in Österreich ein viel zu kleines Thema, das gilt auch für viele andere Erkrankungen“, ergänzt Fiedler. Das spiegle sich in den aktuellen Zahlen der Corona-Infektionen. „Wissend, dass es im Herbst schwierig wird, haben wir den guten Polster aus dem Lockdown und dem Sommer rasch verbraucht.“

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