Tourismus in der Krise: Wichtigste Standbeine sind weg. Bezirk St. Pölten: Covid-19 hat den Städtetourismus dahingerafft. Naturerlebnis soll kompensieren.

Von Beate Steiner. Erstellt am 16. September 2020 (03:29)
Die Seen lockten im Sommer viele Gäste an.
NOEN

Im Vorjahr waren es noch 105.244 Betten, die von Jänner bis Juli in einem der St. Pöltner Beherbergungsbetriebe belegt waren. Heuer wurden bis Ende Juli 52.775 Übernachtungen registriert. Das ist ein Rückgang von fast 50 Prozent. Dabei hatte das Jahr 2020 positiv begonnen: Im Jänner mit einem Nächtigungsplus von fast neun Prozent. Aber im März schlug bereits Corona zu: Abgesagte Events, Messen, Seminare bewirkten einen Einbruch von über 50 Prozent bei den Nächtigungen, der Lockdown im April und Mai sorgte für den Beinahe-Totalausfall: Die Übernachtungen gingen um rund 90 Prozent zurück.

„Der Städte- und Wirtschaftstourismus ist der erste Dominostein, der aufgrund der Covid-19-Pandemie gefallen ist, und er wird der letzte sein, der sich wieder aufrichtet“, befürchtet St. Pöltens Tourismuschefin Eva Prischl. Andreas Purt, Geschäftsführer des Mostviertel-Tourismus, bestätigt, dass der Zentralraum mit St. Pölten überproportional unter Covid19 gelitten hat. „Die beiden wichtigsten Standbeine Business und Gruppenreisen sind weggefallen.“ Und die großen Veranstaltungen wie das Frequency.

Werner Jäger

Das haben auch St. Pöltens Vorzeigebetriebe zu spüren bekommen. Direktor Walter Jahn leitet das Cityhotel D&C, das Hotel Metropol und das Motel 276: „Wenn das Frequency in der Stadt war, war das Motel von Donnerstag bis Samstag fast ausgebucht.“ Jetzt, wenn die Corona-Infektionen wieder mehr werden, muss er viele Menschen beruhigen, die nicht wissen, ob sie bereits gebuchte Veranstaltungen und Feiern im Hotel absagen sollen: „Stornieren ist gratis, also ist möglichst langes Zuwarten am besten.“

Auch Leo Graf vermisst die ausländischen Gäste. Dafür verbucht das Hotel Graf mehr Nächtigungen durch Hochzeiten, die im Umfeld von St. Pölten stattfinden.

Tagesausflüge zu Fuß oder mit dem Rad

Das Umland will St. Pöltens Tourismus grundsätzlich mehr einbeziehen, um die Ausfälle durch Veranstaltungen zu kompensieren. „Wir hoffen, dass durch die Renaissance der Eisenbahn und des Radfahrens neue Gäste kommen“, sagt Eva Prischl. Dass diese Richtung stimmt, weiß auch Andreas Purt: „In den vergangenen Wochen wurde Radfahren und Wandern im Traisental oder Pielachtal gut angenommen. Die Gäste wollten raus und den Naturraum genießen.“

Werner Jäger

Davon profitierte auch Seedosen-Betreiber Erwin Nolz: „Das war der stärkste Sommer, seit es uns gibt.“ Heuer machten viele Niederösterreicher und Wiener Urlaub in der näheren Umgebung und nutzen die Boote am Viehofner See: „Die Nachfrage nach den Picknick-Booten ist explosionsartig angestiegen.“

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