Erstellt am 04. Dezember 2018, 03:11

von Daniel Lohninger, Christian Eplinger und Mario Kern

Urlaub online buchen: Der Anruf ist die Ausnahme. Zwei von drei Gästen reservieren im Internet. Aber nicht jedes Hotel ist auf booking.com und Co. zu finden.

St. Pöltens Tourismuschefin Eva Prischl weiß über die Bedeutung von Online-Buchungsplattformen  |  Max Steiner

Der Weihnachtsurlaub naht. Etwa 65 Prozent buchen ihn online, zeigt eine Umfrage in Bayern. In Österreich, darüber sind sich die Touristiker einig, ist das Verhältnis praktisch ident. Die meisten Online-Buchungen laufen dabei über die großen Plattformen wie booking.com, hotels.com oder expedia.at. Ein wesentlich geringerer Anteil bucht über die Website des Betriebes oder des Tourismusverbandes, telefonische Buchungen sind die Ausnahme.

Genau das ist in Niederösterreich die Herausforderung für die Tourismusbetriebe: Viele, vor allem kleinere Betriebe, sind auf den großen Plattformen nicht zu finden. „Die häufigsten Gründe dafür sind, dass die Anbieter kein Vertrauen in die Online-Vertriebspartner, Probleme im Umgang mit der Datenpflege oder auch Angst vor dem unbekannten Gast haben“, weiß Andreas Purt, Geschäftsführer der Tourismus-Destination Mostviertel.

Die Herausforderung sei es, diese Schwellenängste abzubauen. Gelingt das nicht, drohen diesen Betrieben auf Sicht massive Probleme. „Betriebe, die nicht auf diesen Plattformen zu finden sind, werden Gäste verlieren“, ist Purt überzeugt. Das Mostviertel baut deshalb als erste Destination ein umfangreiches Vertriebsnetzwerk und Channel-Management auf, das Onlinebuchungen bei allen Betrieben ermöglichen soll.

Onlinebuchungen auch für kleine Betriebe wichtig

Generell gilt laut der zuständigen Landesrätin Petra Bohuslav: Größere Betriebe nutzen Online-Plattformen eher als kleine. Bohuslav gab deshalb als Ziel aus, so viele Betriebe wie möglich auf Online-Buchungsportale zu bringen. Aus diesem Grund arbeiten Niederösterreich-Werbung und Tourismusdestinationen mit dem Online-Buchungssystem „TOMAS“ zusammen. Die Kunden nutzen dieses Angebot von Jahr zu Jahr häufiger: Die Zahl der Zugriffe stieg im vergangenen Jahr um 16 Prozent auf 4,3 Millionen. Für Betriebe, die ein Online-Buchungssystem implementieren wollen, gibt es seit einigen Monaten zudem sogenannte Tourismus-4.0-Betriebscoaches. Sie beraten, unterstützen und schulen Betriebe bei der Digitalisierung der Buchungssysteme.

Wie viele Hotels und Pensionen in Niederösterreich nicht online gebucht werden können, lässt sich seriös nicht sagen. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Was es gibt, sind Rankings der Plattformen selbst. Und hier spielen die Bewertungen der Kunden zunehmend eine Rolle.

„Betriebe müssen präsent sein“

In der Landeshauptstadt sind die meisten Nächtigungsbetriebe auf Online-Plattformen vertreten (siehe unten). „Das ist für Betriebe heutzutage enorm wichtig“, weiß St. Pöltens Tourismuschefin Eva Prischl. Heute könne man ganz bequem von zuhause aus auf dem Handy einen Kurzurlaub buchen –

da müsse man als Betrieb dementsprechend präsent sein. „Früher standen bei uns im Tourismusbüro ganze Familien auf der Suche nach freien Zimmern. Heute suchen sie bei uns eher Freizeitangebote, Veranstaltungsinfos und Souvenirs.“

Für Tagungen und Seminare hat die Stadt vor vier Jahren das Incoming Reisebüro installiert. „Damit bieten wir bewusst ansprechende Packages an und erledigen alles für die Teilnehmer. Dieses Service macht sich bezahlt.“

Für Gruppen schmiedet das Reisebüro Adventausflüge, Weihnachtsfeiern und mehr. Dieses Jahr hofft Prischl auf den Werbewert durch das Ö3-Weihnachtswunder, das von 19. bis 24. Dezember aus St. Pölten zu hören ist.

Nach Weihnachten ebben Kurzurlaube in St. Pölten erfahrungsgemäß ab, so Prischl. „Im Frühling und Herbst ist der Andrang groß, im Sommer leider noch eher überschaubar.“

Umfrage beendet

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