Wirtesterben: Treffpunkte im Ort werden weniger. Immer weniger traditionelle Gasthäuser gibt es in der Region. Das Dirndltal ist nicht stark betroffen davon.

Von Bernhard Herzberger, Birgit Kindler, Nadja Straubinger, Lisa-Maria Seidl und Inge Moser. Erstellt am 04. Juni 2019 (03:57)
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Symbolbild

Kartenspielen oder Frühschoppen am Sonntag – das Gasthaus ist in vielen Orten ein beliebter Treffpunkt. Vom Rechtsanwalt bis zum Hilfsarbeiter trifft sich dort die Bevölkerung, Neuigkeiten werden ausgetauscht und es wird über Gott und die Welt diskutiert. Vielerorts sind solche typischen Gasthäuser aber vom Aussterben bedroht.

NOEN

Ein Lied davon singen kann der Wilhelmsburger Bürgermeister Rudolf Ameisbichler: „Wir haben zwar zahlreiche kulinarische Angebote, aber das urige Wirtshaus gibt es kaum noch bei uns. Die gastronomische Landkarte hat sich mit der Zeit verändert.“ Vor wenigen Monaten erst schloss zum Beispiel das Gasthaus Reinberger nach fast 49 Jahren. „Es gab keine Nachfolge“, erklärt Ingrid Reinberger. Der Wirt-Beruf sei immer mehr zur Herausforderung geworden.

„Man braucht sehr viel Zeit und Engagement, muss fast immer vor Ort sein, und Qualität, Service, Ambiente und die Angestellten müssen passen“, so Reinberger. Mit den Vorschreibungen und Verordnungen habe man es den Wirten nicht einfacher gemacht. „Die Leute haben heutzutage außerdem scheinbar keinen Bedarf, Gasthäuser zu besuchen“, bemerkt die ehemalige Gastwirtin. Vor 50 Jahren gab es laut Heimatforscher Johann Reckenzain 30 Gasthäuser in Wilhelmsburg, heute sind es mit den Cafés 17.

„Man braucht sehr viel Zeit und Engagement, muss fast immer vor Ort sein, und Qualität, Service, Ambiente und die Angestellten müssen passen“

Weniger geworden sind auch die Gaststätten in und um Böheimkirchen, in manchen Gemeinden gibt es gar kein „richtiges“ Gasthaus mehr. Längere Zeit hatte Böheimkirchen gar kein traditionelles Wirtshaus, erst vor wenigen Wochen hat das Gasthaus Fink beim Bahnhof mit neuen Pächtern wieder eröffnet. Dort können auch größere Feiern ausgerichtet werden. Was im Ortszentrum derzeit nicht möglich ist, beklagt Böheimkirchens Bürgermeister Johann Hell. In Pyhra fehlt derzeit überhaupt ein Gasthaus für größere Feiern oder Frühschoppen. Es sei aber sein Ziel wieder einen Begegnungsort im Zentrum zu schaffen, so Bürgermeister Günter Schaubach.

In Stössing macht man sich ebenfalls Gedanken um die gastronomische Zukunft. „Künftig werden wir für Veranstaltungen einen Caterer brauchen, denn derzeit ist kein Nachfolger als Pächter der ehemaligen Stössingtalhalle in Sicht“, so Bürgermeister Rupert Hobl. Einzig in Michelbach ist die Versorgung mit zwei „anständigen Gasthäusern“ gesichert, freut sich Bürgermeister Hermann Rothbauer.

Entlang der Pielach gibt es wenige Probleme mit fehlenden Wirten. Bürgermeister Franz Größbacher freut sich, dass es in Frankenfels acht Gastronomiebetriebe gibt: „Wir haben die tolle Situation, dass wir noch relativ viele Wirtshäuser haben und hoffen natürlich, dass das weiterhin so bleibt. Die Wirtshäuser sind ein unverzichtbarer Faktor für die Kommunikation, das Vereinsleben und die Lebensqualität in der Gemeinde.

„Wir haben die tolle Situation, dass wir noch relativ viele Wirtshäuser haben und hoffen natürlich, dass das weiterhin so bleibt"

Dennoch wird es den Wirten immer schwerer gemacht. Ein Thema ist etwa das Rauchverbot, hier braucht es eine klare Aussage.“ Über Initiativen zur Erhaltung von Wirtshäusern berichtet er: „Im Zuge der Landesausstellung ist in diesem Bereich viel gemacht worden, etwa mit Förderungen für Zimmervermieter und der Regionspartner-Initiative.“ Es werde aber nach wie vor alles versucht, um die Betriebe zu erhalten und zu unterstützen.

Auch Hofstetten-Grünaus Bürgermeister Arthur Rasch berichtet von einer noch guten Gastroversorgung im Ort. „Was uns hier noch fehlt, ist ein Lokal für die Jugend“, hebt er hervor. Auch das pensionsbedingte Zusperren des Kirchenwirts schmerze noch.

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