Wehren übten im Bezirk St. Pölten für den Ernstfall. Die Rettung einer vermissten Person aus dem Michelbach, Evakuierung mittels Seilbahn über der Perschling und ein Großeinsatz am Bahnhof Kirchstetten - mögliche Szenarien im Falle eines Hochwassers.

Von Caroline Böhm und Erna Kazic. Update am 27. November 2019 (15:07)

Eine Naturkatastrophe fegte über die Landeshauptstadt und den Bezirk hinweg – so die Annahme einer Stabsrahmenübung. Die NÖN war Seite an Seite mit den Einsatzkräften dabei.

Verzweifelte Hilferufe aus dem Zug und Klopfen an den Fensterscheiben, kreuz und quer lagen Verletzte im Abteil – als hätte es am Bahnhof Kirchstetten eine tatsächliche Notbremsung wegen unterspülten Gleisen gegeben. Engagiert simulierten Schulkinder der Volksschule Totzenbach das Zugunglück. Wie im Ernstfall wussten die beteiligten Einsatzkräfte vorher nicht, was sie erwartet. Trotzdem hoben sie routiniert Kind für Kind aus dem Zug, verteilten Wärmedecken und verarzteten die geschminkten Wunden.

Parallel wurden an anderen Orten nicht nur Wohngebiete und Tiere vor dem fiktiven Hochwasser geschützt, sondern auch Ressourcen für Brände eingeplant. „Wenn alles unter Wasser steht, brennt irgendwo eine Küche“, weiß Florian Schmidtbauer vom Bezirksfeuerwehrkommando St. Pölten aus Erfahrung.

Rund 250 Einsatzkräfte der Feuerwehren, der Bezirkshauptmannschaft, der Gemeinden Böheimkirchen und Kirchstetten sowie aus allen örtlichen Einsatzorganisationen probten die Zusammenarbeit. Die Kooperation auf allen Ebenen war eine Premiere, meist finden solche Übungen nur auf dem Papier statt oder jede Organisation übt alleine für sich.

„Es ist wichtig, die Dinge im Trockenen zu üben, bevor es ans Eingemachte geht.“Josef Kronister, Bezirkshauptmann

Neben dem Zugunglück war auch die Rettung einer vermissten Person aus dem Michelbach und eine Evakuierung mittels Seilbahn über der Perschling Teil des Übungseinsatzes – all das sind mögliche Szenarien im Falle eines Hochwassers. Mittels Landkarten, Tabellen und Telefonen koordinierten die Führungsstäbe im Hintergrund ihre Aufgabenbereiche. Penibel markierten sie Orte und Uhrzeiten von Vorfällen oder notierten die Anzahl der verfügbaren Schwimmwesten.

Regelmäßige Lageberichte in den Behörden sollten die unterschiedlichen Informationen zusammenführen. „Jeder Einsatz beginnt mit Chaos“, erzählt Kommandant der Bezirksfeuerwehr Georg Schröder. „Unsere Aufgabe ist es, Strukturen hineinzubringen, damit den Betroffenen schnell geholfen werden kann.“

70 Personen und 20 Tiere wurden „gerettet“

Erstmals waren an der Übung zwei Gemeindeämter beteiligt. Für Johann Hell, Bürgermeister von Böheimkirchen, war das Szenario „mehr als nur eine Spielerei“, denn nur durch Training könne man Neues lernen und Abläufe einüben. In Zukunft sollen weitere Gemeinden eingebunden werden.

An diesem Tag wurden rund 70 Personen und etwa 20 Tiere in Sicherheit gebracht. Insbesondere der professionelle Ablauf überraschte Georg Schröder positiv. Auf einer Skala von Eins bis Zehn bewertete er die Übung mit einer soliden Acht.