Dieser Zivildiener ist ein „Goldschatz“. Der Böheimkirchner Jonathan Zeilerbauer ist Niederösterreichs Zivildiener des Jahres.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 13. Oktober 2020 (17:55)
Jonathan Zeilerbauer wurde von Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister zum Gewinn der Auszeichnung zum Zivildiener des Jahres bei der Verleihung im Museum für Angewandte Kunst gratuliert.
Christian Lendl

Johannes Schickelgruber genießt die Spazierfahrt mit Jonathan Zeilerbauer in der Casa Kirchberg.
Grubner

Mit großer Freude widmete sich der Böheimkirchner Zivildiener Jonathan Zeilerbauer den Bewohnern der Casa Kirchberg. Ohne sein Wissen wurde er für den Preis „Zivildiener des Jahres“ nominiert. Umso größer war die Freude, als er den Preis mit nach Hause nehmen konnte.

Hundertprozentig zuverlässig und eine Hilfsbereitschaft, die über das Geforderte hinausgeht. Das waren für die Jury der Gründe genug, um Jonathan Zeilerbauer zum niederösterreichischen Zivildiener des Jahres zu machen. „Ich habe damit wirklich nicht gerechnet und bin völlig überwältigt“, kann der Böheimkirchner den Gewinn des Preises noch gar nicht so richtig fassen. Mit ihm freuen sich nicht nur seine Kollegen des Kirchberger Seniorenwohnheims, sondern auch die 42 Bewohner.

Stets gut gelaunt und mit einem Lächeln auf den Lippen hat der engagierte Zivildiener den Alltag der Senioren bereichert. Er machte mit ihnen Übungen am Tablet, spielte Gesellschaftsspiele, tanzte und sang mit ihnen. Aber auch das Vorlesen von Geschichten, Bingo-Runden und Kino-Besuche standen an.

Mit Showprogramm ins Herz der Bewohner

Besonders beliebt bei den Senioren war sein eigens kreiertes Unterhaltungsprogramm. Einradfahren, Jonglieren und Zaubershows brachten Farbe in den Alltag der Bewohner. Seine Auftritte waren so beliebt, dass eine 94-jährige Bewohnerin sogar ihren Besuch sitzen ließ, um Zeilerbauers Kunststücken im Saal beizuwohnen. „Goldschatz“ nannten die Bewohner den jungen Böheimkirchner.

Wie er standen viele junge Männer nach der Musterung vor der Entscheidung zwischen Bundesheer und Zivildienst. „Ich hatte damals einen Gewissenskonflikt beim Dienst an der Waffe. Ich wusste aber auch noch nicht, wie spannend die alltäglichen Herausforderungen in einem Pflegewohnheim sein können“, erklärt Zeilerbauer seine Wahl.

Unerwartet wurde auch Corona zu einer schwierigen Aufgabe. Besonders schmerzvoll war es für ihn, die Bewohner in der Isolierung zu erleben. Maske, Schutzkleidung und Zeitnot trugen noch mehr zur Angst bei. Es war nur noch Einzelbetreuung möglich. „Ich wusste, der nächste Bewohner wartet bereits auf mich. Das war psychisch und physisch sehr anstrengend“, so Zeilerbauer.

Die Arbeit als Zivildiener werde von vielen unterschätzt. Jeder einzelne sei wichtig für das Gesundheitssystem. Daher wundere es Zeilerbauer, weshalb diese aufopfernde und schwere Arbeit eher schlecht bezahlt wird.

Für die Zivildiener seien die neun Monate entscheidend, weil sie viele Erfahrungen machen würden und ihr Horizont erweitert werde. Auch sein eigener, wie er betont. Der Umgang mit den Senioren und die Tricks und Kniffe der Pfleger würden ihn sein Leben lang begleiten. Er denkt sogar daran, eine Pflegeausbildung zu machen. Davor will er sich aber seinen Studien Sport und Geografie widmen.

Die Zeit seines Zivildienstes in der Casa Kirchberg verging für ihn wie im Flug. Es tat ihm leid, als die neun Monate vorbei waren. Fest stand für Zeilerbauer bereits vor dem Gewinn des Preises: „Für mich hat sich dieser Einsatz mit Herz auf jeden Fall gelohnt.“