Wandl: "Kleinkunst kann ein Mittel gegen Herz- und Hirnlosigkeit sein"

Erstellt am 29. November 2022 | 19:52
Lesezeit: 5 Min
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Foto: NOEN
Es ist die letzte Saison der Bühne im Hof, die Daniela Wandl programmiert. Mit der NÖN sprach sie über ihre persönlichen Highlights und Ziele, ihre Handschrift und die Zukunft.
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NÖN: Was sind die Highlights der letzten Saison, auch für Sie persönlich?

Daniela Wandl: Es fällt mir immer sehr schwer, die Frage wird mir jede Saison gestellt und ich habe immer gesagt, dass für mich alles ein Highlight ist. Das hat sich auch jetzt nicht geändert und in der letzten Saison umso mehr. Ich nehme einmal die ersten zwei Monate her, da beginnt es mit einem Kapazunder, dem Viktor Gernot, und dann gleiche Ohne Rolf, die eine ganz ungewöhnliche und spannende Form des Kabaretts machen. Dann geht es weiter mit Nikbakhsh & Opitz, die uns mit politischen Zitaten und Begebenheiten aufzeigen, was Journalismus und Satire in Kombination für uns bereithalten. Dr. Mark Benecke braucht eigentlich nicht mehr erklärt zu werden, er ist der berühmteste Kriminalbiologe in unseren Breiten. Dann geht es musikalisch weiter mit Marina & the Kats, eine unglaublich feine und spannende Musikkombination, bei der alle Schlagzeug spielen. Am Tag darauf gibt es etwas für Groß und Klein, die Louie’s Cage Percussion, die einen ganz besonderen Style haben, und gerade für Familien empfehlenswert sind. Den Schluss im Februar macht Dirk Stermann mit seinem hochgelobten Solo und den Anfang im März macht Andreas Vitásek, der in die Rolle des „Herrn Karl“ schlüpft. Alle „Jung und Saugut“ und die Kindervorstellungen sind Highlights.

Wie würden Sie Ihr letztes Programm beschreiben?

Wandl: Mit voller Begeisterung für die Branche nochmal in das letzte Programm einzutauchen. Ich sehe es mit einem weinenden Auge, weil es einfach so tolle, junge und arrivierte Künstlerinnen, so spannende neue Ideen und Programme gibt, egal ob im Bereich des Kabaretts, Puppen- oder Clowntheater oder in den verschiedenen Musikgenres, dass es mir wahnsinnig leidtut, dass ich nicht jeden Tag dreimal spielen kann und mich deshalb beschränken musste. Ein bisschen ist auch die Freude darüber da, welche schönen Momente uns erwarten. Deswegen auch ein lachendes Auge. Ich glaube sehr stark daran, dass die Kleinkunst ein Mittel gegen Herz- und Hirnlosigkeit sein kann und dass sie ein Grundnahrungsmittel ist.

Was sind die Ziele der letzten Saison?

Wandl: Eine Mischung daraus, dass ich liebe und langjährige Freunde nochmal ins Haus einladen wollte, wie Lukas Resitarits, Omar Sarsam und Alfred Dorfer. Es ging mir andererseits darum nochmal ein starkes Augenmerk auf Jung und Saugut, also auf junge Künstlerinnen, zu legen und darauf, dass Kleinkunst mehr als Kabarett ist, dass die Bühne im Hof anders ist.

Es wird oft von der Bühne im Hof als Kabarettbühne gesprochen. Wie das letzte Programm zeigt, ist sie das aber keineswegs, welche Rolle spielen Musik, Theater und Literatur für das letzte Programm?

Wandl: Es vermischt sich und das war etwas, wonach ich von Anfang an auf der Suche war. Ich habe versucht, den Fokus darauf zu legen, dass ich es eigentlich nicht mag, Kunst und Kultur in Schubladen zu stecken. Am spannendsten finde ich es, wenn sich Dinge vermischen und sich Grenzen vermischen. Wenn man jetzt unsere großen und grandiosen Kabarettisten hernimmt, dann ist das ja auch schon ein „Melting Pot“ an künstlerischen Fähigkeiten. Ein Kabarettist schreibt sich seine Texte selber, spielt sie selber, muss dafür recherchieren, teilweise sind das wirkliche Philosophen und Politikwissenschaftler, da kommen ganz viele Komponenten rein. Grenzgängerinnen wie Flüsterzweieck lassen zum Beispiel die Grenzen zwischen Theater und Kabarett verschwimmen.

Eine Programmausrichtung, die besonders ihre Handschrift trägt und auch im letzten Programm vertreten ist, ist das Kinderprogramm, wieso haben Sie dieses eingeführt? Was liegt Ihnen da besonders am Herzen?

Wandl: Das Kinderprogramm habe ich ein bisschen durch den Impuls meiner Tochter eingeführt. Meine Tochter war, als ich begonnen habe, Acht. Ich bin ja St. Pöltnerin und war viele Jahre weg und bin dann zurückgekommen und irgendwie gab es ganz wenig für Kinder in der Stadt. Das war für mich eigentlich die Initialzündung zu fragen, wie es mit der Kleinkunst im Kinderbereich aussieht und plötzlich hat sich eine Fülle von Dingen aufgetan und da war wieder die Schwierigkeit auszuwählen, was so richtig gut davon ist. So ist das regelmäßige Programm einmal im Monat für Familien und am nächsten Tag für Schulen entstanden. Das sind Konzerte oder Theater, aber eben auch aus der Feld der Kleinkunst, nämlich Clowntheater, Schatten, musikalische Erzählformen.

Die Ära der Frauen an der Spitze der Bühne im Hof geht zu Ende, glauben Sie, dass sich dies auch auf die Gestaltung der nächsten Programme auswirken wird, oder wird es eher eine Persönlichkeitssache sein?

Wandl: Kann ich ehrlich gesagt nicht sagen. Ich bin schon der Überzeugung, dass man die Handschrift desjenigen, der das programmiert, spürt. Dass man hier Vorlieben entdeckt und insofern wird sich das verändern, weil eine andere Persönlichkeit das programmiert. Gleichzeitig halte ich die Bühne im Hof als Haus für eine sehr starke Institution, die aus St. Pölten nicht wegzudenken ist. Das wird anders, aber sicher gut weitergehen.

Haben Sie schon Pläne für die Zukunft?

Wandl: Zum momentanen Zeitpunkt habe ich keine Ahnung. Ich möchte mich am letzten halben Jahr erfreuen und dann halte ich es mit dem Lukas Resitarits, der sein neues Programm Überleben genannt hat, also Überleben nach der Bühne im Hof. Vielleicht schreibe ich ein Buch über die Dinge, die ich erlebt habe- Keine Ahnung, ob das was wird.

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