Matthias Stadler: „Mein Plan ist auf 2024 ausgelegt“. Matthias Stadler hat nach 15 Jahren immer noch ein großes Ziel.

Von Martin Gruber-Dorninger und Thomas Werth. Erstellt am 30. Juni 2019 (03:31)
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Die Bürgermeister-Karriere von Matthias Stadler begann mit einem Knalleffekt. Vor 15 Jahren trat Willi Gruber völlig überraschend zurück und stellte den damals eher unbekannten Kulturstadtrat als seinen Wunsch-Nachfolger vor, gemeinsam mit der überraschenden Übergabe des Krankenhauses nach zähen Verhandlungen der Stadt mit dem Land.

Vor 15 Jahren durfte ein Antritts-Interview von Bürgermeister Matthias Stadler bei der NÖN nicht fehlen.
NÖN-Archiv

Das war die Initialzündung für St. Pöltens Entwicklung von einer unterschätzten Kleinstadt zum ernsthaften Kandidaten für die Kulturhauptstadt Europas. Seit der Parteikonferenz im Kulturhaus Wagram entwickelten sich die Stadt und ihr 31. Bürgermeister weiter.

Mit der NÖN blickte Matthias Stadler auf seine bisherige Zeit im Rathaus zurück. „In der Nacht der Übergabe habe ich gar nicht geschlafen. Frühmorgens habe ich es meinen Eltern gesagt. Danach war ich ständig umringt von Gratulanten“, erzählt er von seinen ersten Stunden an der Spitze der Landeshauptstadt, in denen ihn auch Alt-Bürgermeister Willi Gruber in sein spezielles Ordnungssystem für die Unterlagen zum Stadtbudget einführte.

Stadlers Nervenkostüm half bei Krisen

Dann hieß es, möglichst schnell in die Aufgabe hineinzuwachsen. „Die Intensität hat mich nicht überrascht. Überrascht hat mich, dass so viele Menschen mit ihren Problemen zu mir gekommen sind – im Wissen, dass wohl auch der Bürgermeister nicht helfen kann“, lieh der Stadtchef den St. Pöltnern trotzdem gerne sein Ohr. Resigniert hat er nie, auch nicht in den ganz schweren Momenten. Einer davon war die Gasexplosion am Spratzerner Kirchenweg 2010. „Alle fünf Todesopfer habe ich gekannt“, ist Stadler immer noch erschüttert. Geholfen habe ihm dabei ein gutes genetisches Rüstzeug mit stabilem Nervenkostüm.

Auch in der fordernden Zeit der Glanzstoff-Brände mit dem endgültigen Aus für den St. Pölten so prägenden Industriebetrieb. „Es lag neben dem ganzen Drama auch eine beachtliche Chance, die wir ergriffen haben. Dort entstehen jetzt Wohnbauten“, ist das für Stadler mit ein Zeichen dafür, was sich in 15 Jahren in St. Pölten getan hat. In diesem Zusammenhang lässt er den Schulterschluss mit der Wirtschaft und dem Land NÖ nicht unerwähnt. „Besonders stolz bin ich auf die Entwicklung der Innenstadt und der Gastronomie.“

„Man hatte Komplexe, die von außen reingerieben wurden: St. Pölten stinkt, ist eine Industriestadt, grau, schlecht und schiach.“

Dieses Gefühl will der Stadtchef auch bei den St. Pöltnern stärken. „Es hat mich immer gewurmt, dass bei dem einen oder anderen ein wenig der Stolz gefehlt hat“, stand für Stadler die Stadt lange Zeit im Windschatten von Wien.

„Man hatte Komplexe, die von außen reingerieben wurden: St. Pölten stinkt, ist eine Industriestadt, grau, schlecht und schiach.“ Das sei vielleicht in bestimmten Phasen der Stadt-Geschichte so gewesen, „aber das sind wir nicht mehr. Da gehört ein anderes Bewusstsein gebildet.“ Für Matthias Stadler sind alle Bürger Botschafter der Stadt. „Wir haben es geschafft, dass die Leute sagen, dass sich St. Pölten positiv entwickelt hat. Ich habe schon lange nicht mehr gehört, dass hier nichts los ist. Das heißt, wir sind am richtigen Weg.“

„SWAP-Geschäfte waren kein Fehler“

Ob es auch Entscheidungen gibt, die er gerne rückgängig machen würde? „Manches wurde zunächst kritisch gesehen. Aber die Vorhaben sind schlussendlich aufgegangen – da denke ich beispielsweise an die Erweiterung der Fußgängerzone in Richtung Bahnhof.“ Auch die „SWAP-Geschäfte“ sieht Stadler nicht als Fehler. „Das wollten damals alle. Der Beschluss im Gemeinderat war einstimmig.“

Er ist jedenfalls fest entschlossen den erfolgreichen Weg St. Pöltens als Stadtchef weiter zu begleiten – mit einem besonderen Ziel vor Augen: „Ich möchte Bürgermeister sein, wenn St. Pölten Kulturhauptstadt ist. Alle meine Pläne sind bis 2024 ausgelegt.“ Das Projekt „Europäische Kulturhauptstadt“ ist für Matthias Stadler also die nächste wichtige Etappe der Stadtentwicklung.

Wie viele Etappen er die Stadt noch begleiten will, lässt er offen. Eine 34-jährige Amtszeit wie Franz Xaver Schöpfer, der dritte Bürgermeister von St. Pölten, strebe er nicht an, auch wenn er 2038 Willi Grubers Rücktrittsalter noch nicht erreicht hätte.