St. Pöltner in Australien: „Jeder versucht zu helfen“. Die Feuer in diesem Jahr wüten schlimm wie selten zuvor. Zwei Auslands-St. Pöltner schildern ihre Eindrücke.

Von Beate Steiner, Marie Eder und Marlene Groihofer. Erstellt am 14. Januar 2020 (06:01)
Die St. Pöltnerin Marion Pfeffer (rechts) ist seit sechs Jahren in Sydney zu Hause und dort im Bankensektor tätig: „Situation ist angespannt.“ Robert Bruckner (links), vormals SPÖ-Gemeinderat, ist gerade nach Melbourne übersiedelt. „Das Thema Buschbrände beherrscht hier die Medien.“ Fotos: privat (Porträtbilder) bzw. Saeed Khan/AFP (Hintergrund)
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Es herrscht Katastrophenalarm: Seit Monaten hat Australien mit verheerenden Buschbränden zu kämpfen. Menschen müssen ihre Häuser verlassen. 27 Todesopfer hat das Feuer bisher gefordert.

Die St. Pöltnerin Marion Pfeffer ist seit sechs Jahren in Sydney zu Hause und dort im Bankensektor tätig: „Situation ist angespannt.“
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An manchen Tagen sei es nicht erlaubt, sich draußen aufzuhalten. „Aus Gesundheitsgründen“, sagt Marion Pfeffer, „wegen der Rauchentwicklung.“ Auch wenn das nächste Feuer erst etwa dreißig Kilometer von Sydney entfernt wütet – es liegt in der Luft.

Seit mittlerweile sechs Jahren lebt Marion Pfeffer in Australien, der Liebe wegen ist die St. Pöltnerin ans andere Ende der Welt gezogen. „Wir wohnen direkt in Sydney in Strandnähe. Dort sind wir außer Gefahr“, erzählt die Mutter eines vierjährigen Buben.

Die Situation aber sei angespannt: „Jeder versucht zu helfen, wo es geht. Wir haben etwa das Geld, das wir üblicherweise für Weihnachtsgeschenke ausgeben, diesmal gespendet.“

„Es ist viel trockener und extrem windig“

Jeder kenne jemanden, der direkt von den Bränden betroffen ist, dessen Familie Haus und Hof verloren hat, schildert Marion Pfeffer. Und dass das Klima sich spürbar verändert habe: „Es ist nicht heißer, aber viel trockener und extrem windig. Keine guten Bedingungen, um Feuer unter Kontrolle zu bringen.“

Foto: Saeed Khan/AFP
Saeed Khan/AFP

Der Zusammenhalt sei groß, die Regierung überfordert, so Pfeffer: „Der Premierminister wird für fehlende Führung kritisiert.“

Robert Bruckner, vormals SPÖ-Gemeinderat, ist gerade nach Melbourne übersiedelt. „Das Thema Buschbrände beherrscht hier die Medien.“
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In Melbourne ist der ehemalige St. Pöltner SPÖ-Gemeinderat Robert Bruckner seit dem Jahreswechsel als Verkehrsplanungsexperte tätig: „Hier in der Umgebung gibt es keine Feuer, aber auch wir haben den Rauch aus dem 500 Kilometer entfernten Tasmanien gerochen.“

Gerade hätten die Australier in seiner Heimatstadt Sommerferien: „Viele Menschen mussten ihre Pläne über den Haufen schmeißen.“ In den Medien sei das Thema vorherrschend. Und auch bei privaten Telefonaten, etwa in Richtung Sydney, stelle man stets die Frage: „Ist alles in Ordnung? Du bist doch nicht vom Feuer betroffen?“