St. Pölten

Erstellt am 07. November 2018, 05:23

von Mario Kern

Barrierefreiheit in St.Pölten: „Sind auf richtigem Weg“. Club 81 wünscht sich Blindenleitsystem und flacheren Belag in der City für Rollstuhlfahrer. Generell lobt Obmann Josef Schoisengeyer Magistrat für „mehr Bewusstsein“.

Seit 1983 setzt sich Josef Schoisengeyer als Obmann des Club 81 für behinderte Menschen ein. Derzeit auf seiner Agenda sind auch herausragende Pflastersteine.  |  Kern

Eine zufriedenstellende Arbeit attestiert der Club 81 der Landeshauptstadt in Sachen Barrierefreiheit. „Wir sind schon auf dem richtigen Weg“, betont Obmann Josef Schoisengeyer. „Es gehört aber auch fast drei Jahre nach der Einführung der verpflichtenden Barrierefreiheit noch einiges erledigt.“

Die nächste „Wunschliste“ stellt der Club für Behinderte und Nichtbehinderte gerade wieder für den Magistrat zusammen: Darauf findet sich die Abschrägung von Gehsteigkanten, unter anderem in der Heßstraße, ebenso wie ein Blindenleitsystem in der Altstadt.

„Am Bahnhofplatz und im Regierungsviertel gibt es das bereits. Das ließe sich auch in der sanierten Kremser Gasse noch anbringen“, ist Schoisengeyer überzeugt. In der Klostergasse, Brunngasse und in Franziskanergasse sollten laut Club 81 die Kopfsteinpflaster abgeschliffen werden. „Bei manchen Steinen habe ich die Angst, dass es mich aus dem Rollstuhl wirft.“ Zudem hofft Schoisengeyer, dass die Neugestaltung des Domplatzes barrierefrei geplant wird. „Wenn man Kulturhauptstadt werden will, sollte das eine Selbstverständlichkeit sein.“ Zwei Behindertenparkplätze sollten am Domplatz bleiben, hofft Josef Schoisengeyer.

Stadt arbeitet an barrierefreier Lösung

Die herausstehenden Pflastersteine könne die Stadt durch eine bessere Verfugung in den Griff bekommen, hat Stadtbaudirektor Kurt Rameis schon eine mögliche Lösung im Auge. „Wenn das nichts hilft, müssen wir die Pflasterstreifen neu machen.“ Der Domplatz werde mit großflächigen Steinblöcken wie in der Kremser Gasse gestaltet, versichert der Baudirektor. Ein Blindenleitsystem in der Fußgängerzone sei allerdings schwer umzusetzen. „Am Rand stehen oft Waren im Weg und in der Mitte der Gasse ist einfach zu viel Verkehr.“

Schoisengeyer hat aber auch viel Positives über die Stadtverwaltung zu berichten: Bei der Neugestaltung des Sauna-Bereichs der Aquacity konnte sich der Club 81 mit seinen 320 Mitgliedern ebenso einbringen wie bei der Planung des öffentlichen Behinderten-WCs in der Rathausgasse. Der Club begrüßt zudem das barrierefrei erreichbare Amtszimmer im Erdgeschoß des Rathauses, wo ab nächstem Jahr Behinderte alle Amtsgeschäfte erledigen können. Insgesamt sei das Bewusstsein der Stadtverantwortlichen für die Bedürfnisse behinderter Menschen größer geworden, hält Obmann Schoisengeyer fest.

Aber nicht nur die Stadtverwaltung nimmt der Club 81 in die Pflicht: Die meisten Cafés und Wirtshäuser seien immer noch nur über Treppen erreichbar. „Es gibt nur ein paar lobenswerte Ausnahmen.“ In der Kremser Gasse hätten Hausbesitzer und Geschäftsleute verabsäumt, im Zuge der Sanierung des Pflasters die Eingänge zu den Läden barrierefrei zu gestalten. „Nur drei oder vier haben sich dazu durchgerungen. In vielen Fällen müsste man einfach nur Metallschienen anbringen.“ Da dürfe sich niemand wundern, wenn potenzielle Kunden auf Einkaufszentren außerhalb der City ausweichen, so Schoisengeyer.