Angst vor „Rot“ ging in Landeshauptstadt um. Stadt blieb „orange“, dennoch wurden Maßnahmen in St. Pölten verstärkt. Gezielte Tests sollen Trendumkehr bringen.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 13. Oktober 2020 (17:21)
zVg

Corona-Fälle in Seniorenwohnheimen, im Zentrallager einer Lebensmittelkette und nach einem Eishockey-Trainingscamp führten St. Pölten in der Vorwoche in die Top Drei der Städte nach positiv Getesteten pro 100.000 Einwohner. Lediglich Wien und Innsbruck lagen im Ranking noch höher. Das nährte auch die Gerüchte und Meldungen, St. Pölten könnte auf „Rot“ gestellt werden. Geblieben ist es jedoch am Freitag bei „Orange“ auf der Corona-Ampel.

St. Pölten hielt am Tag des Redaktionsschlusses bei 132,6 Infektionen pro 100.000 Einwohnern im Sieben-Tages-Schnitt. Aktuell gibt es in der Stadt 111 positive Fälle, acht sind am Montag dazugekommen, sechs sind genesen. „Die Situation ist ernst. Nehmen wir unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitmenschen wahr, damit sich die Lage auch in wirtschaftlicher und sozialer Hinsicht bald wieder entspannt“, appelliert Bürgermeister Matthias Stadler an die St. Pöltner. In Ballungsräumen und urbanen Gebieten seien die Corona-Zahlen deutlich gestiegen – nicht zuletzt aufgrund von mehr Testungen, wie Stadler betont.

„Die Stadt St. Pölten bleibt ‚orange‘, da die Cluster hier gut abgrenzbar sind“, erläutert Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf. Die Aufklärungsquote liegt bei guten 80 Prozent, bestätigt der Magistrat. Einen Anteil daran hat das Contact Tracing, das in der Landeshauptstadt weiter ausgebaut wurde. Dadurch konnte zuletzt eine Trendumkehr erreicht werden. Vier Mitarbeiter wurden zusätzlich eingestellt, bestehende Mitarbeiter mit dieser neuen Aufgabe betraut und Unterstützung kam auch von Soldaten des Bundesheeres. „Die Teams sind derzeit sieben Tage in der Woche mit mindestens einem Arzt und neun Mitarbeitern im Einsatz“, erklärt ein Sprecher des Rathauses.

Mehr Kontrollen in Schulen und Betrieben

Damit die Ampel nicht nur auf „Orange“ bleibt, sondern möglicherweise wieder auf „Gelb“ oder „Grün“ springt, setzt die Stadt auf zusätzliche Bemühungen. Dazu gehören intensivere Screenings und Kontrollen. In Absprache mit dem Landessanitätsstab wird laut Magistrat seit Montag mehr getestet. In Schulen, größeren Betrieben und Gesundheitseinrichtungen werde die Anzahl der Tests erhöht. In vielen anderen Bereichen werde auf eine stärkere Überprüfung der Einhaltung der Hygienemaßnahmen gesetzt. Für alle Entwicklungen und Ampelschaltungen gebe es entsprechende Konzepte, die laufend aktualisiert würden. Wichtig sei, dass die Maßnahmen zur Eindämmung des Corona-Virus klar und breit kommuniziert und auch eingehalten werden, so der Appell aus dem Rathaus. „Wir wissen, dass das Virus keine Grenzen kennt. Jeder Einzelne ist gefordert.“

„Wir wissen, dass das Virus keine Grenzen kennt. Jeder Einzelne ist gefordert.“

Sollte die Corona-Ampel dennoch auf „Rot“ springen, wird die Sperrstunde auf 22 Uhr vorverlegt. Auswirkungen hat „Rot“ außerdem für Kindergärten. Dann sollen nur mehr jene Eltern ihre Kinder in den Kindergarten bringen, die keine andere Betreuungsoption mehr haben. In Kliniken sowie Kur- und Rehazentren gelten ab „Rot“ verschärfte Regeln.

Festspielhaus krempelt seinen Kalender um

Auswirkungen hat die Pandemie weiterhin auf den Veranstaltungskalender von Kunst und Kultur. Die australische Compagnie Gravity & Other Myths hat ihre Tournee abgesagt. Betroffen davon sind drei Vorstellungen im Festspielhaus („A Simple Space“ am 30. Oktober und „Out of Chaos...“ am 12. und 13. Dezember), teilte die Leitung mit. Angekündigt sind dafür drei Neuzugänge im Programm: die Tanz-Aficionados am Samstag, 24. Oktober, Silke Grabinger am Samstag, 31. Oktober, und Recirquel am Samstag, 12., und Sonntag, 13. Dezember. Abgesagt werden musste im VAZ nun doch der Auftritt von Mark Anthony, der am Freitag bei der Prince Tribute Show auf der Bühne stehen hätte sollen. Fix im Programm bleibt der Auftritt von Alf Poier am Freitag, 23. Oktober, und Bibi Blocksberg am Sonntag, 1. November.