Vorsorge für „orange“ Zeiten in der Region St. Pölten. Rund 130 Fälle gibt es derzeit in Region. Lokale, Behörden und Veranstalter rüsten sich, bis neue Vorgaben kommen.

Von Beate Steiner, Renate Hinterndorfer, Caro Böhm und Gila Wohlmann. Erstellt am 30. September 2020 (03:43)
Registrierungszettel gibt es bereits jetzt im St. Pöltner Schau.Spiel. Ab Orange wäre das in allen Lokalen Pflicht.
Steiner

Dass die Corona-Pandemie schon im September so ein großes Thema werden würde, hat der St. Pöltner Bezirkshauptmann Josef Kronister nicht erwartet: „Das ist schon relativ früh gekommen. Das hängt möglicherweise mit den vielen Reise-Rückkehrern zusammen.“ Dabei ist der Bezirk St. Pölten (zur Redaktionsschluss) noch einer der wenigen, in denen die Ampel auf „Grün“ steht. 85 Personen waren am Montag im Bezirk St. Pölten positiv auf Covid-19 getestet. In 13 Gemeinden gab es keinen einzigen Fall. „Das ist eine Momentaufnahme, das kann morgen schon wieder ganz anders sein“, stellt Kronister im NÖN-Telefonat fest.

Anders ist die Lage bereits seit einigen Tagen in der Landeshauptstadt. In St. Pölten steht die Ampel auf „Gelb“. In der Stadt kamen am Montag zwei positive Corona-Fälle hinzu. Damit sind aktuell insgesamt 46 Personen positiv auf Covid-19 getestet.

„Wir stecken den Kopf noch nicht in den Sand. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie man trotzdem veranstalten kann“ René Voak, Geschäftsführer VAZ St. Pölten

Gefordert waren die Bezirksbehörden schon vor der Verschärfung der Maßnahmen in Niederösterreich – obwohl alles automatisiert abläuft. „Vom Einlangen eines positiven Testergebnisses bis hin zu Absonderungsmaßnahmen läuft alles in einem elektronischen System. Sonst wäre es gar nicht machbar“, sagt Kronister. Seit März wird an sieben Tagen pro Woche gearbeitet, teilweise 12 bis 14 Stunden. „In Spitzenzeiten sind bis zu 25 Personen eingesetzt“, so Kronister. 16 Corona-Fälle sind allein am Sonntag bei der BH gemeldet worden. Taucht ein Fall zum Beispiel in einer höheren Schule auf, so sind in der Regel mehrere Bezirk betroffen. Mittlerweile hat die Behörde Unterstützung vom Bundesheer bekommen: „Drei Mann vom Heer sind da, die Contact Tracing machen. Wir versuchen aber, noch zusätzliches Personal zu gewinnen, vielleicht in Teilzeit, da arbeitet die Personalabteilung gerade dran“, so Kronister.

Für künftige Maßnahmen wartet die Stadt noch auf klare Vorgaben zur Umsetzung. „Derzeit handelt es sich bei den NÖ Maßnahmen noch um reine (mediale) Ankündigungen“, so Bürgermeister Matthias Stadler Die Regelungen könne man erst beurteilen, wenn diese schriftlich im Detail vorliegen. „Die Sperrstunde erst bei ,Rot‘ auf 22 Uhr vorzuverlegen, ist im Sinne der ohnehin krisengebeutelten Gastronomie sicher sinnvoll“, meint Stadler.

St. Pöltner Gastronomen sind auch selbst bereits mit Corona-Maßnahmen aktiv geworden. Im Schau.Spiel auf dem Rathausplatz bekommt man im Innenbereich schon vor dem Essen ein Formular zur Registrierung überreicht. Bei einem Verdachtsfall im Lokal würden dann die Gäste verständigt, sonst die Zettel nach einigen Tagen vernichtet. Für härtere Corona-Zeiten hat sich auch Katja Rendl vom Rendl-Keller etwas einfallen lassen. „Wenn wir nicht mehr aufsperren dürfen, werden wir unsere Weine und auch verschiedene Delikatessen, aber keine Speisen, ausliefern.“ „Derzeit läuft es sehr gut, wir sind oft ausgebucht“, ist Maurice Harrand vom Vinzenz Pauli noch zufrieden, aber auch gewappnet, wenn die Regeln verschärft werden sollten. „Dann müssen sich die Gäste registrieren. Wir planen auch, unsere Speisen auszuliefern.“

Registrierungszettel gibt es bereits jetzt im St. Pöltner Schau.Spiel. Ab Orange wäre das in allen Lokalen Pflicht.
Steiner

„Für uns ist das eine große Herausforderung“, berichtet VAZ-Chef und Veranstalter René Voak. Die wechselnden Auflagen erforderten permanentes Nachjustieren der Maßnahmen. Gewinnbringend sei der Betrieb derzeit nicht, Zusperren ohne Subventionen jedoch keine Alternative. „Wir stecken den Kopf noch nicht in den Sand“, zeigt er sich kämpferisch. „Es gibt sehr viele Möglichkeiten, wie man trotzdem veranstalten kann, und wir wollen Vertrauen zurückgewinnen“, so Voak. Das Beatpatrol musste aber nach langem Ringen am Dienstag wegen der steigenden Zahlen und Verschärfungen abgesagt werden.

An den St. Pöltner Schulen gab es vor dem Wochenden laut Bildungsdirektion aktuell insgesamt fünf oder sechs Corona-Fälle. Darunter sind drei HTL-Schüler. Die betroffenen Klassen werden dort mittels Distance Learning unterrichtet. „Mit ein, zwei Klassen pro Woche kann man ganz gut leben. Das wird uns jetzt begleiten“, bleibt Direktor Martin Pfeffel gelassen. An der HAK ist kein positiver Fall hinzugekommen. „Wir lernen, damit zu leben. Langsam tritt Normalität ein“, erzählt Direktor Thomas Huber. Die aktuelle Situation bedeute zwar viel administrativen Aufwand, Schüler und Lehrer seien aber relativ unaufgeregt. An beiden Schulen fielen positive Fälle bei Reihen-Testungen in Sportvereinen auf.

Die aktuelle Situation an den St. Pöltner Landeskindergärten beschreibt die Stadt als „ruhig und geordnet“. Es gebe derzeit einzelne Verdachtsfälle, jedoch keine Quarantäne. Für die 26 Kindergärten seien Präventionskonzepte erarbeitet worden, was rasches Reagieren beim Umschalten der Ampelfarbe ermögliche.

„Zurzeit sind keine Hotspots bekannt"

Bei den Kontrollen , ob die Maßnahmen eingehalten werden, setzt die Polizei auf „Schwerpunkte, speziell in der Gastronomie – in enger Absprache mit der Bezirkshauptmannschaft“, erklärt Bezirkspolizeikommandant Gerhard Pichler. „Oberste Prämisse ist die Bewusstseinsbildung“, betont er. „Zurzeit sind keine Hotspots bekannt. Der öffentliche Bereich wie Busse oder Bahn sind aber immer Thema“, sagt Pichler. Intern hat die Polizei Konzepte erstellt, wie bei Dienstwechsel, Reinigung von Computern oder Nutzung von Einsatzmitteln vorzugehen ist. Bürgermeister Matthias Stadler lobt das umsichtige Vorgehen der Polizei. Aktuell arbeite man noch enger zusammen.

Umfrage beendet

  • Steigende Infektionszahlen: Rechnet ihr mit einem zweiten Lockdown?