Nach Abgasskandal: Benzin-Autos auf der Überholspur. Absatzschwund bei Diesel-Pkw in Stadt und Bezirk seit Jahresanfang. Jeder fünfzigste Neuwagen ist ein E-Car.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 29. August 2017 (05:39)
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Die anhaltende Diskussion um die Abgaswerte von Diesel-Pkw schlägt sich jetzt auch in den Verkaufszahlen nieder. In der Stadt sank seit Anfang des Jahres der Anteil der Diesel-Autos an den Neuzulassungen von 54,5 auf 51,2 Prozent, im Land-Bezirk sogar von 56,4 auf 47,6 Prozent. Gewinner der Entwicklung sind die Benziner.

Verunsicherung bei Autofahrern

„Die Verunsicherung der Autofahrer ist groß und die Regierung verstärkt das mit unbedachten Aussagen noch“, erklärt Manfred Raab vom ARBÖ-Prüfzentrum. Dabei seien moderne Diesel-Motoren umweltfreundlicher als ihr Ruf.

Ähnlich sieht das ÖAMTC-Cheftechniker Max Lang, der vor allem die Einführung von Diesel-Fahrverboten in Städten fürchtet: „Es reicht, wenn eine deutsche Stadt wie München dieses Verbot erlässt – dann bricht der Markt ein.“ Insgesamt sei die Debatte völlig überzogen: „Würden die Städte ihre Ampeln verkehrsfreundlicher steuern, würde das eine Reduktion des Stickoxid-Ausstoßes bis zu 40 Prozent bringen.“

Autohäuser spüren Abgas-Debatte

Die Ratlosigkeit der Kunden spüren auch die Autohäuser. Die können sich zwar insgesamt über mehr Neuzulassungen freuen, die ungewisse Diesel-Zukunft drückt aber aufs Gemüt. „Die Autofahrer wissen nicht, wie es weitergeht, weil jeden Tag irgendjemand irgendwas anderes sagt“, meint Fahrzeughandel- Spartenobmann Wolfgang Schirak.

Dabei seien Autos heute viel umweltfreundlicher als vor zehn Jahren: „Die Abgaswerte wurden seither um 60 bis 70 Prozent reduziert.“ Schirak betont zudem, dass der Individualverkehr nur 20 Prozent der Emissionen verursache: „Über die anderen 80 Prozent redet niemand.“

Kunden zeigen sich bei Autokauf ratlos

Ähnlich argumentiert Mazda-Händler Franz Mayer: „Jeder Kunde fragt: ‚Was soll ich machen?‘ Da keiner weiß, wie es weitergeht, geht der Trend in Richtung Benzin.“ Von höheren Steuern auf Diesel hält er nichts. „Das würde nicht nur den Marktwert gebrauchter Diesel-Autos senken, sondern auch die Lebensmittel und Produkte teurer machen – die werden ja mit Lkw geliefert“, so Mayer.

„Die Leute müssen lernen, Diesel von Diesel zu unterscheiden

Den Trend zum Benzinmotor spürt Werner Blum vom Autohaus Blum vor allem bei Kleinwagen. Beim SUV schlage die Entwicklung noch nicht durch. „Die Leute müssen lernen, Diesel von Diesel zu unterscheiden. Es macht einen riesigen Unterschied, ob es ein Euro-5- oder Euro-6-Motor ist oder ein älterer“, erklärt Blum.

An E-Autos als Ausweg glauben weder Händler noch Autofahrerclubs. „Fahren alle Pkw mit Strom, woher kommt der zusätzliche Strom – aus Atomkraftwerken?“, fragt Raab. Schirak ergänzt: „Der tatsächliche ökologische Fußabdruck eines E-Autos ist nicht berauschend.“

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