Kargl-Abschied nach 30 Jahren – eine St. Pöltner Ära endet

Erstellt am 17. August 2022 | 05:48
Lesezeit: 3 Min
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Im Kreise seiner Familie mit Lukas, Dominik, Bessy, Anna, Edith, Maria und Johanna Kargl verabschiedete sich Otto Kargl (3. v. r.).
Foto: Straubinger
Dom-Kapellmeister Otto Kargl leitete ein letztes Mal die Dommusik bei einem Hochamt mit emotionalem Ende.
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„Mit den Sängerinnen und Sängern, die nicht mit mir klargekommen sind, könnte man mehrere Domchöre zusammenstellen“, sagt Otto Kargl und schmunzelt dabei. Bei seinem Abschied nach 30 Jahren als Kapellmeister ist von Antipathie aber keine Spur, vielen laufen Tränen über die Wangen – auch wegen der berührenden Worte, die Otto Kargl zum Abschied findet.

Fast genau 30 Jahre ist es her, dass Kargl zu Mariä Empfängnis 1992 sein Wirken mit der Aufführung von Joseph Haydns Kleiner Orgelsolomesse begann. Nun beendete er seine Tätigkeit mit ebendiesem Werk zu Mariä Himmelfahrt. „Die Messe war zum Weinen schön“, betonte auch Weihbischof Anton Leichtfried.

Denn die Musik berühre, wie es Worte nicht könnten. „Wir hoffen, dass es Gott dir vergelten möge“, wünschte Leichtfried dem scheidenden Kapellmeister. Die Messbesucherinnen und Messbesucher spendeten Kargl tosenden Applaus.

Einen Applaus, den er auch von den Mitgliedern des Domchors und der Dommusik bekam. Umarmungen unter Tränen folgten. „Es ist ein unglaublich emotionaler Moment, ich stehe da ein letztes Mal. Es gibt nichts Schöneres, als in diesem Raum zu stehen und mit solchen Leuten Musik zu machen“, sagt der scheidende Domkapellmeister. Denn die Arbeit in dieser Qualität sei nur möglich gewesen durch „diese fruchtbaren Umgebungen“.

Kargl war sich aber auch bewusst, dass er immer wieder für Ambivalenz bei den Kritiken sorgte. Von „verschandelt“ bis zu „Bravissimo“ war für ein einziges Konzert die Bandbreite an Reaktionen. Eine der schärfsten Kritikerinnen sei aber immer seine Gattin Maria gewesen, die ihm gemeinsam mit der Familie den Rücken stärkte: „Du hast die Musik gerne gehabt und mich zum Glück auch.“

Den Grundstein für seine Entwicklung als Musiker legten bereits seine Eltern, die wie schon die Großeltern Wirtsleute waren. Sie waren dennoch musikalisch prägend für ihn und unterstützten ihn trotz seines „exotischen“ Studienfaches.

Nun ist die Ära von Otto Kargl als Domkapellmeister zu Ende. Ihm folgt der aus Deutschland stammende Valentin Kunert nach.

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