Ludwig Lusser: Für die Orgel gibt es keine roten Tücher. Domorganist Ludwig Lusser im NÖN-Gespräch über zehn Jahre „Orgel plus“, Erfolge und die Programmierung der Reihe.

Von Mario Kern. Erstellt am 20. Juni 2017 (04:36)
NOEN, Daniela Matejschek
Sorgt seit zehn Jahren für hörenswerte Orgel-Konzerte: Organist Ludwig Lusser.

Seit zehn Jahren wartet Ludwig Lusser mit der Veranstaltungsreihe „Orgel plus“ auf. Die NÖN bat den Domorganisten zum Gespräch:

NÖN: Was war der Beweggrund, „Orgel plus“ ins Leben zu rufen?
Ludwig Lusser: Es gab mehrere Beweggründe. Nach mehr als 30 Jahren „normaler“ Orgelkonzerte, wollte eine Gruppe um den Dommusikverein vor allem als Ideengeber und Motor Claudius Caravias ein neues abwechslungsreiches, innovatives Konzertformat probieren. Es gab fast gar keine Besucher und Hörer mehr für die Orgelkonzerte.

Ging das Konzept, die Metzler-Orgel mit Instrumenten und Kunst-Richtungen zu paaren, auf?
Wir konnten viele wertvolle Erfahrungen sammeln. In jeder Hinsicht. Summa summarum würde ich sagen, es hat sich sehr bewährt. Das Konzept ist sogar mehr als erwartet aufgegangen. Das Publikumsinteresse ist schlagartig gestiegen.

Publikumsinteresse ist schlagartig gestiegen

Wie legen Sie die Programmierung der Begegnungen mit der Dom-Orgel an? Welche Paarungen haben sich besonders bewährt? Gibt es „rote Tücher“, die Sie niemals mit der Dom-Orgel in Verbindung bringen würden?
Es gibt drei Komponenten: überraschende Verbindungen etwa von Tanz und Orgel, Malerei und Orgel, zweitens „normalere“ kammermusikalische Kombinationen und drittens immer eine dem sakralen Raum entsprechende Gesamtkomposition des Programms. Innerhalb dieser Rahmenpflöcke gibt es aber nun keine „Tabus“, keine roten Tücher.

Wie soll es weitergehen? Haben Sie Änderungen vor oder neue Formate in der Schublade?
Wir wollen noch einmal ein Jahrzehnt mit diesem Konzept weiterarbeiten. Damit einher geht aber eine Zuspitzung auf gewisse Details: Nach Versuchen mit bis zu fünf Konzerten pro Jahr werden wir auf zwei Konzerte pro Saison zurückgehen. Wir werden uns in diesem zweiten Jahrzehnt auf noch publikumswirksamere „Plus-Interpreten“ fokussieren. Ausgebaut werden zudem die Kooperationen mit dem Barockfestival, Festival Musica Sacra, Mozartgemeinde und Cinema Paradiso.