Massengrab mit Kindern. Archäologen entdeckten im mittlerweile sechsten Seuchengrab vor allem Überreste von jungen Menschen. Fund-Dichte am aktuellen Platz ist enorm hoch.

Von Mario Kern. Erstellt am 12. Juli 2017 (11:59)
NOEN, Mario Kern
Auf ein Kindergrab stießen die Archäologen auf der 356 Quadratmetergroßen Grabungsfläche westlich des Domportals.

Mit einer derart hohen Dichte an bestatteten Menschen hatte Stadtarchäologe Ronald Risy knapp 50 Meter westlich des Domportals nicht gerechnet: Seit März sind auf den 356 Quadratmetern 1.745 Bestattete zum Vorschein gekommen – vorläufiger spannendster Fund war vor wenigen Tagen ein Seuchengrab mit bislang 57 Skeletten. Zum überwiegenden Teil handelt es sich dabei um Überreste von Kindern.

Seuche als Todesursache

Was die Menschen dahinraffte, kann Ronald Risy nur vermuten: „Sie wurden alle sehr zeitnah bestattet und das in mehreren Wellen“, erklärt der Archäologe. „Das lässt fast nur den Schluss zu, dass auch hier eine Seuche die Todesursache war.“ Damit liegt in diesem Bereich das mittlerweile sechste Seuchengrab.

Damit bewegen sich die Archäologen auf ein Rekord-Jahr zu. „Wir sind noch nicht fertig, an manchen Stellen sind wir erst 66 Zentimeter tief gekommen“, erklärt Risy damit auch das langsamer scheinende Tempo: „Fakt ist, dass wir mit einer so hohen Dichte an Skeletten nicht gerechnet haben. Und die müssen wir wie alle bisherigen 14.233 am Domplatz gefundenen Individuen vorsichtig freilegen und herausheben.“ Das Team arbeite unablässig und unermüdlich, so Risy. „Auch bei sehr hohen Temperaturen. Da ist schon eine Stunde lang zäh – selbst ohne Arbeit.“

Noch nicht sagen kann Risy, ob die Archäologen im Zuge der diesjährigen Arbeiten auf weitere römische Mauern stoßen werden, die etwas mehr Aufschluss über die genaue Nutzung der Bauten aus der Römerzeit geben. „Wir können nur hoffen.“