Alpenland zum St. Pöltner Wohnungsmarkt: „Die Nachfrage bleibt groß“

Erstellt am 10. November 2021 | 05:55
Lesezeit: 5 Min
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Der neue Alpenland-Vorstand im NÖN-Interview: Obfrau Isabella Stickler mit Obfrau-Stellvertreter Norbert Steiner (links) und dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied Jürgen Putz.
Foto: privat
St. Pölten hat eine große Zukunft, ist Alpenland-Chefin Isabella Stickler sicher. Wir sprachen mit ihr, ihrem Vorstandskollegen Norbert Steiner und dem geschäftsführenden Vorstandsmitglied Jürgen Putz.
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Isabella Stickler ist seit wenigen Wochen die erste Obfrau der Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Alpenland. Im NÖN-Interview sprach sie gemeinsam mit den Vorstandskollegen Norbert Steiner und Jürgen Putz mit der NÖN über die aktuelle Situation in St. Pölten, die Auswirkungen von Corona auf den Wohnungsmarkt sowie die Pläne von Alpenland für die Zukunft.

Was sind für Alpenland die größten Herausforderungen?

Isabella Stickler: 2020 haben wir eine Konzernbilanzsumme von 1,3 Milliarden Euro erreicht, wir verwalten 18.000 Einheiten und setzen einen Schwerpunkt bei unseren Projekten in St. Pölten. Wir sind eine Genossenschaft mit langer Tradition und starken Wurzeln. Unsere Ziele haben sich aber weiterentwickelt: Vom ursprünglichen „Dach über dem Kopf“ heute hin zu Projekten, die alles können, was Nutzer sich wünschen. Also „Wohnen mit Mehrwert“.

Norbert Steiner: Aktuell plagen uns die hohen Baustoffkosten. Soll Wohnen leistbar bleiben, muss die Politik darauf reagieren. Es muss wieder möglich sein, geförderte Wohnungen einfach und ohne viel komplizierte Haustechnik zu bauen.

„Es macht sich wirklich bezahlt, dass die Stadt St. Pölten in den letzten Jahren stark in Infrastruktur investiert hat.“Isabella Stickler Obfrau der Bau-, Wohn- und Siedlungsgenossenschaft Alpenland

Sie investieren stark in St. Pölten. Was macht St. Pölten als Wohnstandort so attraktiv?

Stickler: Die extrem gute Anbindung nach Wien, aber auch Linz, die zugleich verhältnismäßig niedrigen Grundstückskosten, aber auch die hohe Lebensqualität der Stadt. Wir merken das mittlerweile nicht nur bei der Nachfrage nach unseren Wohnungen, sondern auch bei den eigenen Arbeitnehmern. Wir haben vermehrt Bewerber aus Wien, die sich für uns als Arbeitgeber interessieren. Es macht sich wirklich bezahlt, dass die Stadt St. Pölten in den letzten Jahren stark in Infrastruktur investiert hat – in Kindergärten, Schulen, Freizeit- und Kommunaleinrichtungen.

Manche meinen, dass in St. Pölten bereits zu viele Wohnungen gebaut werden.

Steiner: Wir sind überzeugt, dass es in St. Pölten nachhaltig bei großem Interesse bleibt. Aber es ist eine sehr preisempfindliche Nachfrage. Kaum jemand ist bereit, für Wohnen monatlich mehr als 10 Euro pro Quadratmeter brutto zu bezahlen. Alles, was höher ist, ist höchstens für Anleger interessant. Das unterschätzen manche gewerbliche Anbieter. Wir arbeiten daran, dass St. Pölten eine leistbare Stadt bleibt.

Stickler: Stark gestiegen ist die Nachfrage nach Eigentum. Aber auch hier werden keine „Wiener“ Preise gezahlt werden.

„Wohnungen ohne Balkone, Terrassen oder Freiflächen sind kaum mehr nachgefragt.“ Isabella Stickler

Machen wir es konkret. Wie viele Wohnungen sind beim derzeitig größten Alpenland-Projekt, dem Wohnquartier Mühlbach-Ost beim Regierungsviertel, schon weg?

Jürgen Putz: Das Interesse ist sehr groß, das haben wir von Anfang an gemerkt. 30 Prozent der 260 Wohneinheiten sind bereits vom Plan weg vergeben. Seit Kurzem können die Wohnungen auch besichtigt werden. Wir erwarten, dass mit der Fertigstellung des Quartiers so gut wie alle Wohnungen bezogen sein werden. Unser Angebot ist mit Mietwohnungen mit Kaufoption, Generationenwohnen und Eigentumswohnungen, sowohl gefördert als auch frei finanziert, sehr differenziert.

Wie sehr hat die Corona-Krise den Wohnungsmarkt insgesamt verändert?

Stickler: Wir spüren seit Beginn der Corona-Pandemie, dass erstens Eigentum stark nachgefragt wird. Zweitens bringt das viel genutzte Homeoffice mit sich, dass der eine oder andere Raum als Arbeitszimmer benötigt wird und daher auch größere Wohnungen gesucht werden. Dazu kommt, dass Wohnungen ohne Balkone, Terrassen oder Freiflächen kaum mehr nachgefragt sind.

Ein Zukunftsprojekt, bei dem diese Trends berücksichtigt werden, ist auf dem Areal des ehemaligen Landespensionistenheimes in der Trautsonstraße geplant. 300 Wohnungen sollen hier entstehen.

Steiner: Das Projekt Trautson-straße ist im Rahmen der Europäischen Kulturhauptstadt-Bewerbung entstanden. Wir wollen hier ein internationales Wohnprojekt umsetzen – mit Architekten aus fünf Ländern. Die großen Schwerpunkte werden hier Energieeffizienz, Nachhaltigkeit und gemeinschaftliches Wohnen sein.

Stickler: „Genossenschaft“ steht für Selbstverantwortung und Selbstverwaltung. Wir haben schon gesehen, dass durch die Corona-Einschränkungen manche Kunden unter Vereinsamung und Isolation gelitten haben. Wenn man in einem Wohnungsverband, in einer gelebten Gemeinschaft, lebt, gibt es das nicht. Daher auch unser Fokus auf Gemeinschaftsbildung.

Wie sehr spielt Mobilität bei Ihren Projekten eine Rolle?

Stickler: Wir müssen das Thema noch mehr einbeziehen. Denn in der Stadt hat nicht mehr jeder ein Auto. Darauf reagieren wir. Wir werden weniger Garagenplätze brauchen, dafür eine gute Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz, Anschlussmöglichkeiten für E-Autos und E-Bikes sowie großzügige Radstationen und eigene E-Leihbikes.

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