VP St. Pölten geht gestärkt in Periode. Adl will nicht nur SPÖ auf Finger schauen, sondern auch eingeschlagenem Weg weiter folgen.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 27. Januar 2021 (04:25)
Die Wahl ist vorbei: Vizebürgermeister Matthias Adl stoßt mit seiner Gattin Brigitte auf den Erfolg der ÖVP an.
ÖVP/Krumböck

Als Team hat die ÖVP den Wahlkampf bestritten, nach der Bekanntgabe des Ergebnisses war Spitzenkandidat froh, alleine mit einem Glas Wein mit seiner Brigitte anstoßen zu können. Der ganz große erhoffte Sprung ist es für die ÖVP nicht geworden, der Spitzenkandidat zeigt sich aber mit dem Stimmenzuwachs von 2,5 Prozent sehr zufrieden.

Erleichtert und gelöst ist Matthias Adl, als er aus dem Scheinwerferlicht der Ergebnisverkündung tritt. Großen Rückhalt hat der langjährige ÖVP-Obmann im Wahlkampf durch seine Familie und sein Team erfahren. Das wurde im Wahlkampf auch in den Vordergrund gestellt. Ein Mandat hat die ÖVP dazugewonnen.

Christina Veit wird dem Gemeinderatsteam der ÖVP nicht mehr zur Verfügung stehen.
ÖVP/Krumböck

Wer dieses Mandat erhält, ist noch nicht sicher. Es soll nach Listenplatz besetzt werden. Über die letzten beiden Mandate, in diesem Fall neun und zehn, werde aber in einer Sitzung des Stadtpartei-Vorstandes entschieden, heißt es aus der Volkspartei. Auf den beiden Listenplätzen standen die Gemeinderäte Florian Krumböck und Bernhard Wiehalm zur Wahl. Ein Einzug der beiden sei laut Parteikreisen wahrscheinlich.

Nicht mehr geschafft hat es ein Urgestein des St. Pöltner Gemeinderates. Peter Krammer ist seit 2005 im Stadtparlament vertreten. „Für mich ist es überhaupt nicht schmerzhaft. Ich konnte mir die Freiheit nehmen, mir meine Nachfolge selber auszusuchen“, erklärt Krammer. Seine Wahl fiel auf die Rechtsanwältin Susanne Binder-Novak, die Nummer fünf auf der Liste der ÖVP. Aus dem Gemeinderat verabschieden wird sich auch Christina Veit. Sie sitzt seit 2009 im Stadtparlament. „Nach zwölf Jahren war es an der Zeit, einen Schritt zurückzumachen und einen frischen Wind hereinzulassen“, blickt Veit aber positiv zurück. Auch wenn die Zeit sehr anstrengend war neben ihrer Familie und ihrem fordernden Beruf als Diplompädagogin. Über die Zugewinne für die ÖVP freut sie sich, vor allem darüber, dass der Gemeinderat endlich bunter geworden ist.

Drei Frauen verstärken das neue ÖVP-Team

Der neue St. Pöltner Gemeinderat
NÖN

Für frischen Wind könnte neben Binder-Novak auch die Nummer zwei auf der Liste, Romy Windl, sorgen. Die Tochter von Kicker Frenkie Schinkels verfügt über zahlreiche Kontakte und hat sich als Arbeitnehmervertreterin einen Namen gemacht. Neu in den Gemeinderat wird auch Hilfswerk-Obfrau Marion Gabler-Söllner einziehen. „Die neuen Mandatarinnen sind eine Bereicherung zu Persönlichkeiten, die wir bereits im Team haben“, freut sich Matthias Adl bereits auf die Zusammenarbeit.

Nicht ganz sicher ist hingegen, wer für die ÖVP in den Stadtsenat einziehen wird. Adl als Vizebürgermeister ist gesetzt. Als wahrscheinlich gilt auch der Einzug von Wirtschaftsbund-Obmann Mario Burger. „Alle Personalentscheidungen werden vom Parteivorstand getroffen“, hält sich Adl vor der Sitzung jedoch bedeckt. Wahrscheinlich ist auch, dass der aktuelle Stadtrat Markus Krempl-Spörk wieder ein Ressort im Stadtsenat erhält. Ob die Neueinsteigerinnen Binder-Novak oder Romy Windl gleich in den Stadtrat einziehen werden, ist ungewiss.

Verkehr, Gesundheit und Bildung bleiben Themen

Auf dem Kurs, den die ÖVP im Wahlkampf eingeschlagen hat, will sie auch in den nächsten fünf Jahren weiterfahren. „Die Ansage bleibt die gleiche: Gesundes Wachstum für St. Pölten und alles, was dazugehört“, so Adl. Damit meint er nicht nur eine Zügelung des Wohnbaus, wie etwa bei den WWE-Gründen, sondern vor allem ein Aufholen der Infrastruktur in jetzt stärker bewohnten Gebieten der Stadt. Bei den drei Themenblöcken Verkehr, Gesundheit und Bildung will die ÖVP in den nächsten fünf Jahren ein Wörtchen mitreden. Staus sollen auf überlasteten Straßen eingedämmt werden. Dazu forderte die ÖVP im Wahlkampf den Ausbau des LUP-Stadtbusses und des Radwegenetzes. Beim Thema Gesundheit wünscht sich die ÖVP einen Ausbau der Versorgung. Vor allem sollen mehr Kinder-Kassenärzte und Allgemeinmediziner ihre Dienste versehen. Adl könnte hier seine Kontakte zum ÖGK-Generaldirektor und Ex-Gemeindemandatar Bernhard Wurzer nutzen.

Bei der Bildung will die ÖVP Akzente setzen. Das fängt bei mehr Kindergartenplätzen in den jeweiligen Stadtteilen an und hört bei einem neu zu schaffenden Technologie- und Forschungspark auf. „Es gibt dafür Beispiele in ganz Niederösterreich durch das Technopol-Programm des Landes. St. Pölten soll sich nun endlich daran beteiligen“, fordert Adl.

Durch die Wahl sieht sich Adl jedenfalls gestärkt. Nach dem Einbruch der FPÖ ist die ÖVP eindeutig die stärkste Kraft in der Opposition und das will Adl auch nutzen: „Wir werden die Führungsrolle in der Opposition verantwortungsvoll wahrnehmen und vor allem der absolut regierenden SPÖ genau auf die Finger schauen.“