St. Pölten geht leer aus - und hat dennoch gewonnen. Die europäische Jury hat sich leider nicht für St. Pölten als Europäische Kulturhauptstadt entschieden – Bad Ischl machte das Rennen. Aber: "St. Pölten bleibt Niederösterreichs Kulturhauptstadt".

Von Beate Steiner. Erstellt am 12. November 2019 (10:23)
Der Rathausplatz in St. Pölten
FOTO: APA/HELMUT FOHRINGER

Für Niederösterreichs Landeshauptstadt sind zwei aufregende Bewerbungsjahre zwar nicht ganz erfolgreich, aber doch nicht ohne Mehrwert zu Ende gegangen. Denn St. Pölten möchte trotzdem zur lebenswerten Vorzeige-Mittelstadt werden.

Möglich macht das die Kulturstrategie 2030, die in St. Pölten einen Kunst- und Kulturschwerpunkt im Jahr 2024 vorsieht – anstelle der Landesausstellung.

Die Kulturstrategie sieht vor, dass die für das Kulturhauptstadtjahr vorgesehenen Leuchtturm-Projekte sie das KinderKunstLabor und auch Infrastruktur-Maßnahmen wie die Gestaltung des Domplatzes, in etwas kleinerer Form verwirklicht  werden. „St. Pölten wird eine NÖ-Kulturhauptstadt“, sagt Johanna Mikl-Leitner.

Die Historie

2016

Im Februar zeigt eine NÖN-Umfrage das Interesse der St. Pöltner an einer Bewerbung zur Europäischen Kulturhauptstadt 2024.  Eine klare Mehrheit – 58 Prozent – ist dafür, dass sich die Stadt bewirbt.

Auch der Gemeinderat spricht sich einstimmig für eine Bewerbung aus, und Kulturschaffende sehen gute Chancen – allerdings betonen alle, dass eine Unterstützung durch das Land NÖ Voraussetzung dafür ist. Mitte 2016 gründet sich ein Komitee mit Norbert Steiner, das die Vision verfolgt.

Bei einer Ausstellung in der FH, initiiert von Klaus Michael Urban, präsentieren mehrere Universitäten ihre Vorstellungen einer europäischen Kulturhauptstadt 2024 in Österreich.

2017

Mit Handschlag besiegeln Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Bürgermeister Matthias Stadler im September eine gemeinsame Bewerbung St. Pöltens als Kulturhauptstadt 2024.

Im Oktober beschließt der Gemeinderat einstimmig die Bewerbung. Aufbauen kann die Bewerbung auf Vorarbeiten der Bürgerinitiative KulturhauptStart und einer Studie, die St. Pölten gemeinsam mit Ober-Grafendorf, Böheimkirchen, Wilhelmsburg, Herzogenburg und Traismauer beauftragt hatte. Die Einbindung der Bürger sowie der Umland-Gemeinden sind folglich zwei Schwerpunkte, auf denen die Einreichung aufbauen soll.

Ende November 2017 ist das Kernteam für die Bewerbung fix.

Am 12.12. wird das Vorhaben in der Bühne im Hof präsentiert. Stadler und Mikl-Leitner: „Es geht nicht darum, die zigste Kulturhauptstadt zu werden. Wir wollen Flagge zeigen und unsere Chance ergreifen.“

2018

Seit Beginn des Jahres ziert ein Kulturpfahl den Rathausplatz: Er weist in die Richtungen von ehemaligen Kulturhauptstädten. Ende des Jahres tauchen erste Ideen auf: Das Bewerbungsbüro stellt eine Kulturkarte für Öffis vor, mit der die Kulturhauptstadtregion befahren werden kann.

Dazwischen veranstaltet das Bewerbungsbüro Stadtforen, in denen Bürger ihre ideen zum Beispiel zur Gestaltung des öffentlichen Raumes, einbringen.

In der November-Gemeinderatssitzung wird der Stadt-Beitrag von 8,25 Millionen beschlossen, zu den 21 Millionen Euro für die kulturelle Infrastruktur. Dieses Geld spart die Stadt nicht an, sondern sie wird bei Bedarf ein Darlehen aufnehmen. Vorgesehen sind für die 21 Millionen Euro die Errichtung eines kulturellen Kompetenzzentrums für Kinder sowie die Attraktivierung und Sanierung der Lames-Gebäude, des Stadtmuseums, der Synagoge, des Klangturms und des Festspielhauses.

2019

St. Pölten jubelt bereits im Feburar: „Wir sind auf die Shortlist“, Damit wird  auch klar: Die ersten Leitlinien für das Programm im Kulturhauptstadt-Jahr 2024 sind in die Kulturstrategie 2030 eingebettet. Deren Ziel ist die dynamische Entwicklung der Stadt zum Vorzeigemodell einer „lebenswerten europäischen Mittelstadt der Zukunft“.

In der Kulturstrategie sind folgende Maßnahmen verankert: das „KinderKunstLabor“, Erhöhung des Kulturbudgets, Erhöhung der Förderbudgets für die freie Szene, Förderung der Teilhabe von Menschen aus marginalisierten Gruppen, barrierefreie Zugänge zum Kulturgenuss, Etablierung von Sparten wie Film, Neue Medien und angewandte Kunst sowie Schwerpunktsetzung im Bereich Kunst im öffentlichen Raum.

Das erste Leuchtturmprojekt, das Kinderkunstlabor erntet sofort Proteste wegen des möglichen Standortes im  Altoonapark.

Im März 2019 kommt die erste Rückmeldung auf St. Pöltens Bemühungen, auf die erste Präsentation und das erste Bidbook: die Identität St. Pöltens und die soziale Struktur sollen noch genauer aufbereitet werden.

KulturhauptStart möchte ab dem Sommer mit dem mobilen Grätzellabor möglichst viele St. Pöltner zum Mitmachen bewegen

Und immer sind der Domplatz und seine Parkplätze Thema: „Auch Kulturhauptstadt-Besucher brauchen Parkplätze“, sagt Mario Burger, Wirtschaftsbund-Chef in STP.

Im Sommer 2019 beschließen Stadt und Land die gemeinsame Finanzierung von rund 60 Millionen Kulturhauptstadt-Kosten, „wenn der Bund auch mitzahlt“.

Und schließlich ist auch die Garage beim Domplatz fix – und macht den Weg frei für eine Neugestaltung des Domplatzes.