Region St. Pölten: Weniger Obst und Gemüse. Zuerst Trockenheit, dann Regen. Wetterkapriolen stellen Landwirte vor Herausforderung. Entscheidung im Sommer.

Von Beate Steiner, Birgit Kindler, Gila Wohlmann und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 01. Juli 2020 (03:42)
Ob für Grünfutter, Silage oder Heu: Ein ordentliches Wiesenwachstum ist für den Milchbetrieb der Familie Braunsteiner essenziell. Beim Rechen helfen auch schon Anna, Maria, Elisa und Christina Braunsteiner.
 
Braunsteiner

Erst blieb der Niederschlag aus, dann kam der Regen. Und das gleich im Überschwang. Im westlichen Teil des Bezirks St. Pölten kämpften die Gemeinden gleich zweimal mit Überflutungen. Die Wetterextreme bereiten auch hierzulande den Bauern zunehmend Probleme.

„Der Starkregen der vergangenen Wochen hat vor allem kleinregional Schäden angerichtet, beispielsweise in Wimpassing und Sierning“, berichtet Bezirksbauernkammer-Obmann Anton Kaiblinger. Der Regen sei für die Landwirtschaft großteils noch keine Tragik, allerdings kam es im Gemüse- und Obstbau zu Ernteproblemen, beispielsweise bei den Erdbeeren. Für Wintergerste, Raps und Weizen sei der Regen zu spät gekommen, da bereits in den nächsten Wochen geerntet wird. „Hier müssen wir mit Ertragseinbußen rechnen. Ich gehe von einem Viertel weniger aus“, rechnet Kaiblinger.

Der Niederschlag hat aber vor allem dem Wald gut getan. „Ich war schon lange nicht mehr im Wald und habe so gesunde, grüne Bäume gesehen“, ist Felix Montecuccoli begeistert. Viel Niederschlag bedeute auch einen Rückschlag für den Borkenkäfer, der in den letzten Jahren durch die trockenen Sommer am Vormarsch war. Die Ernteausfälle wegen des heftigen Regens auf seinen Feldern nehme Montecuccoli deswegen gerne in Kauf.

Starkregen war dann doch zu viel

Glücklich über den Regen zeigt sich auch die Familie Braunsteiner, die einen Milchbetrieb in Rabenstein hat. Der Starkregen war jedoch zu viel des Guten. „Auf unserem Grund neben der Pielach kam es durch das Hochwasser zu Verunreinigungen. Das wirkt sich negativ auf die Futterqualität aus“, weiß Gebietsbäuerin Maria Braunsteiner. Außerdem waren die Wiesen in Hanglagen zu rutschig, um bewirtschaftet zu werden. Wenn zu spät gemäht wird, droht das Gras am Halm zu verpilzen. „Das Wetter zeigt uns immer wieder, wie sehr wir von der Natur abhängig sind“, erinnert Braunsteiner.

Der geringe Niederschlag im Frühjahr hat aber ebenfalls seine Spuren hinterlassen. „Die Trockenheit ist ein Problem“, sagt Michael Kietreiber. Der junge Landwirt baut in Maria Jeutendorf Bio-Gemüse und Kräuter an, die er am Markt, in der Gastronomie und bei nachhaltigen Nahversorgern vertreibt. Kietreiber ist zwar in der glücklichen Lage, einen eigenen Brunnen zu haben, aber „so früh im Jahr musste ich noch nie bewässern. Und wir sind mit der Ernte zum Beispiel von Karotten und Jungzwiebeln drei bis vier Wochen in Verzug.“ Das hängt auch mit der Kälte im Juni zusammen, die den jungen Pflanzen geschadet hat.

Noch ist aber vieles offen: „Wie für die Herbstfrüchte wie Mais die Ernte aussehen wird, kann noch nicht gesagt werden“, erklärt Kaiblinger. Derzeit schaue es nicht schlecht aus. Ein extrem heißer August könne sich aber immer noch negativ auswirken.

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