Erstellt am 10. Januar 2017, 03:50

von Birgit Kindler und Maria Prchal

Noch Millionen unterm Polster. Nach 15 Jahren hat vor allem die Wirtschaft profitiert. In Stadt und Bezirk St. Pölten sind noch viele Schilling im Umlauf.

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Seit 15 Jahren wird in Österreich mit dem Euro bezahlt. Die Einführung der neuen Währung am 1. Jänner 2002 sorgte nicht bei allen für Begeisterung. Ältere Menschen hatten in den 30er-Jahren eine Entwertung ihrer Währung erleben müssen und deshalb Angst vor der Umstellung, andere fürchteten sich vor Preissteigerungen, erinnert sich Peter Digruber von der Volksbank: „Deshalb setzte die Regierung eine ‚Euro-Preis-Kommission‘ gegen ungerechtfertigte Steigerungen ein.“

"Teuro" machte Schlagzeilen

Trotzdem machte der Euro als „Teuro“ Schlagzeilen, weiß Markus Teuber von der Bank Austria, „obwohl die Preise vor der Euro-Einführung stärker angestiegen sind als seit 2002.“ Das mag wohl auch daran liegen, dass vielen Menschen das Gespür für Preise abhanden gekommen war: „Vor allem ältere Personen rechneten die Euro-Beträge sehr lange in die Schilling-Währung um“, bemerkt Helge Wöll von der Raiffeisenbank Region St. Pölten. Skepsis bestand auch hinsichtlich der Kaufkraftentwicklung des Euro im Gegensatz zu den anderen großen

Währungen wie Dollar, Franken und Pfund, erklärt Franz Frosch von der Oberbank: „Es war aber grundsätzlich eine Zeit des Aufbruchs. Die Wirtschaft florierte, die Bevölkerung war Neuem gegenüber positiv eingestellt.“

Vor großen Herausforderungen standen damals die Banken. „Es gab keine Erfahrungswerte. Besonders wichtig war die rechtzeitige und ausreichende Versorgung aller Banken mit neuen Euro-Münzen und Noten. Auch mussten alle Automaten vorbereitet werden“, so Frosch. Franz Kerndl von der Sparkasse berichtet auch, dass die Buchungssysteme, Automaten und Kontoauszugdrucker über Nacht von Schilling auf Euro geändert werden mussten. „Logistische Herausforderungen gab es beim Verkauf der Euro-Startpakete sowie beim Tausch“, sagt Helge Wöll.

8,55 Milliarden alter Währung sind noch im Umlauf

96 Prozent des Schillings wurden in der Zeit um die Währungsumstellung umgetauscht. Bis jetzt wurde dieser Prozentanteil auf gerade einmal 97,6 erhöht, 8,55 Milliarden alter Währung sind noch im Umlauf. Mit Schilling kommen die Banken aber nur selten in Berührung: „Lediglich wenn Kunden Schilling finden und fragen, ob diese noch gültig sind“, so Kerndl. Dass es aber noch viele Schilling unterm Kopfpolster oder in alten Kommoden gibt, beweist der Eurobus der Nationalbank, der noch immer zum Geldwechseln durch Österreich tourt.

In St. Pölten wurden seit 2002 34,8 Millionen Schilling bei der Eurobus-Tour gewechselt, rund 200 Millionen Schilling oder 14,5 Millionen Euro sind in Stadt und Bezirk noch versteckt. „Ein wichtiges Thema wird heuer die Präklusion der 500- und 1.000-Schilling-Note sein. Beide laufen im April 2018 aus“, erklärt Judith Feyer von der Nationalbank. Alle Restbestände würden aber sowieso nie zurückkommen: „Als Richtwert könnte man sagen, ein Drittel ist im Ausland, eines für immer verloren und das restliche Drittel wird noch umgetauscht.“

Unternehmen sind wettbewerbsfähiger

Die Euro-Einführung bewerten alle Experten als positiv. „Sie hat zu einem nachhaltigen Wirtschaftswachstum geführt und war und ist die Voraussetzung für einen freien Kapital-, Waren- und Dienstleistungsverkehr in Europa“, sagt Kerndl. Teuber betont, dass für die österreichischen Unternehmen das Wechselkursrisiko weggefallen sei und sie deswegen wettbewerbsfähiger sind.

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