Seit 150 Jahren für die St. Pöltner da. Zum Schutz vor Bränden gründeten Bürger die Feuerwehr. Die Herausforderungen heute sind andere.

Von Daniel Lohninger. Erstellt am 27. September 2017 (05:09)
NOEN, Feuerwehr-Übung in denr 1920er-Jahren auf dem Rathausplatz.
Feuerwehr-Übung in denr 1920er-Jahren auf dem Rathausplatz. FF St. Pölten-Stadt

1474, 1632 und 1833 zerstörten Großfeuer weite Teile der Stadt. Ein verheerender Brand im Ledererviertel, dem unter anderem das „Neugebäude“ zum Opfer fiel, war schließlich vor 150 Jahren die Initialzündung für die Gründung der Turner-Feuerwehr, die später zur Freiwilligen Feuerwehr wurde.

Großbrand im "Ledererviertel" war Startschuss für Feuerwehr

Die Stadt stellte den 60 Gründungsmitgliedern damals einen Wasserwagen und eine Spritze zur Verfügung, die Uniformen mussten sich die Feuerwehrmänner selbst kaufen. „Die Feuerwehrmitglieder waren alle Vertreter des St. Pöltner Bürgertums.

Andere hätten sich die Uniformen gar nicht leisten können“, erzählt Horst Sekyra, der seit mehr als 40 Jahren bei der Feuerwehr ist. Der Jurist und ehemalige Abteilungsleiter am Amt der NÖ Landesregierung ist der Verfasser der Feuerwehr-Chronik, die am Samstag anlässlich des 150-Jahr-Jubiläums präsentiert wird.

NOEN, Feuerwehr
Mitglieder der Stadtfeuerwehr beim Einsatz nach der Gas-explosion in der Munggenast-straße vor sieben Jahren.St. Pölten-Stadt

Darin enthalten sind auch viele neue Erkenntnisse zur Geschichte der St. Pöltner Feuerwehr. So machte sich Sekyra auf die Suche nach den 14 Fahrzeugen, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs von St. Pölten nach Oberösterreich verlegt werden mussten, damit sie den Sowjets nicht in die Hände fielen. „Nur fünf dieser Fahrzeuge kamen später wieder zurück“, berichtet der Autor.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen musste die Stadtfeuerwehr, die 1939 als Verein aufgelöst und in die Stadtverwaltung eingegliedert wurde, in einer in vielen Bereichen zerbombten Stadt nur mit Stadtspritze, Löschauto und Rüstauto das Auslangen finden. Erst 1946 durfte sich die Feuerwehr wieder als Verein konstituieren, 1970 wurde sie zur Körperschaft öffentlichen Rechts.

Technische Einsätze als Herausforderung der heutigen Zeit

Die Herausforderungen für die Feuerwehr änderten sich in diesen 150 Jahren grundlegend. Waren es in den ersten Jahrzehnten ausschließlich Brände, zu denen die Freiwilligen nach der Alarmierung durch den Turm-Wächter ausrückten, sind es heute großteils technische Einsätze – also Einsätze nach Verkehrsunfällen, Unwettern, Gefahrengut-Zwischenfällen und anderen Katastrophen. Der Rettungsdienst hingegen, der lange eine wesentliche Aufgabe der Feuerwehr war, fiel weg. „Die Feuerwehr rückte damals nicht nur für Rettungseinsätze aus, sondern auch für Krankentransporte“, berichtet Sekyra.

Die zunehmende Verbreitung des Autos und die Häufung von Unfällen durch Elektrizität stellte in den 1920er-Jahren die Feuerwehr vor neue Herausforderungen, ebenso wie Gas-Explosionen seit den 1970er-Jahren. Besonders dramatisch waren jene in der Eybnerstraße 1978 mit 68 Verletzten und zwei toten Feuerwehrmännern, in Wilhelmsburg 1999 mit zehn Toten und in der Munggenaststraße 2010 mit fünf Toten.

Arbeiterfeuerwehr sollte Baracken schützen

Organisatorisch bescherte die Zwischenkriegszeit der 1922 zur Statutarstadt erhobenen Stadt eine Besonderheit: die Arbeiter-Feuerwehr. Sie wurde 1923 in der Herzogenburger Straße gegründet, stellte eine Art Gegen-Feuerwehr zur „bürgerlichen“ Feuerwehr dar und sollte vor allem die Arbeiterbaracken schützen. Bei Großbränden wie jenem 1924 in der Wiener Straße halfen dennoch alle zusammen. 1934 war die Episode zu Ende. Mit dem Verbot der Arbeiterbewegung wurde auch die Arbeiter-Feuerwehr aufgelöst, die Geräte erhielt die Stadtfeuerwehr.

Feuerwehr hat sich politisch nie positioniert

Politisch habe sich die Freiwillige Feuerwehr in St. Pölten in den 150 Jahren nie positioniert, betont Sekyra: „Das war und ist auch dank starker Kommandanten-Persönlichkeiten wie Karl Schneck, Friedrich Sommer, Alfred Schmid, Otto Spinka und zuletzt Wilfried Weissgärber und Dietmar Fahrafellner so.“ Darin sieht Sekyra neben der hohen Einsatzbereitschaft einen der Gründe für den guten Ruf der Feuerwehr in der Stadt.

NOEN, Lohninger
Horst Sekyra verfasste die Feuerwehr-Chronik, die am Samstag präsentiert wird.

Der rasante technische Wandel zeigt sich nicht nur in der Ausrüstung, sondern auch in den Einsatzzahlen. Fast vier Mal pro Tag rücken die heute 177 Mitglieder der Stadtfeuerwehr zu einem Einsatz aus – Tendenz steigend. Bewältigt werden diese von der 1989 eröffneten Einsatzzentrale aus, die nicht nur als Backup für die Landeswarnzentrale, sondern auch als Einsatzzentrale für Stadt und Bezirk St. Pölten sowie den Bezirk Lilienfeld dient – und somit insgesamt 220.000 Einwohnern.