„Man darf keine Barbie sein“. Zehn Soldatinnen dienen in Hesserkaserne. Selbstbewusst halten sie mit Männern Schritt.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 25. Mai 2018 (05:57)
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Zehn Frauen sind momentan in der Hesserkaserne als Soldatinnen beschäftigt. Mit Sturmgewehr und Klarinette sind sie im Einsatz.

Ein 120-Kilometer-Marsch, nebenbei Übungen wie Abseilen oder Scharfschießen, dazu kaum Schlaf und unregelmäßiges Essen: Die Ausbildung zur Unteroffizierin, die Michaela Merkinger zu bewältigen hatte, brachte sie körperlich und geistig an ihre Grenzen. Mit eiserner Disziplin und starkem Willen hat es die 28-Jährige aber geschafft und sich mit gleicher Leistung in einer Männerdomäne durchgesetzt. Sie ist mittlerweile Wachtmeisterin bei der Militärmusik und bildet selbst Grundwehrdiener aus.

Merkinger ist eine von derzeit zehn Frauen, die momentan in der Kaserne in St. Pölten stationiert sind. 20 Jahre, nachdem die erste Frau beim Bundesheer zugelassen wurde, sind sie damit immer noch deutlich in der Minderheit – auch wenn NÖ den höchsten Frauenanteil aller Bundesländer hat.

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Teil der Grundausbildung ist auch das Schießen, das Karoline Binder und Michaela Merkinger besonders gut in Erinnerung blieb. „Vor allem, weil wir besser waren als die Männer“, lachen die Soldatinnen.

Warum das so ist, können sich die zehn Soldatinnen der Hesserkaserne, die hauptsächlich in der Militärmusik tätig sind, nicht erklären: Die Arbeit ist spannend. Man lernt viel für sich selbst und macht wertvolle Erfahrungen, sind sie sich einig. Für die meisten von ihnen ist die Zeit jedoch – im Gegensatz zu Michaela Merkinger, die noch höhere Dienstgrade anstrebt – eine Zwischenstation. „Viele nutzen das Heer als Überbrückung zwischen Schule und Studium“, erzählt Eva Steiner, die ebenfalls in der Militärmusik mitspielt. Vor den Auftritten mit der Militärmusik mussten die Frauen die Grundausbildung absolvieren und damit Schießdienst leisten, eine Nahkampfausbildung machen oder mit vollem Gepäck marschieren.

„Kommt nicht darauf an, ob man eine Frau ist“

Probleme, sich in der Männerdomäne zu behaupten, hatten die Damen nicht: „Es kommt weniger darauf an, ob man eine Frau ist, sondern eher darauf, wie man sich verhält“, ist Steiner überzeugt. „Aber natürlich braucht man ein gewisses Selbstbewusstsein. Man darf keine Barbie sein“, ergänzt Nina Winiwarter, die vor ihrer Zeit in der Kaserne Musik studierte. Selbst als Ausbildnerin sei das kein Problem, denn allein der Dienstgrad verleihe Autorität, meint Merkinger. „Man ist in erster Linie Chefin und erst irgendwann eine Frau. Außerdem haben die Rekruten vor einer Frau teilweise sogar mehr Angst“, lacht die 28-Jährige.

Probleme gebe es nur, wenn man glaube, dass man als Frau anders behandelt wird, stellten die Soldatinnen fest. „Die Damen müssen dasselbe leisten wie die Männer. Dafür bekommen sie auch dasselbe Gehalt“, betont Offiziersstellvertreter Albin Fuss. Diese Erfahrung machte auch Merkinger bei ihrer Ausbildung zur Unteroffizierin: „Wir müssen mehr trainieren, um das zu erreichen, was Männer aufgrund ihrer Anatomie schaffen. Aber wenn ich zum Heer gehe, weiß ich, was auf mich zukommt. Dann muss ich das auch schaffen.“