Erstellt am 17. Februar 2014, 11:58

von Daniel Lohninger

Friedhofs-Projekt steht still. ST. PÖLTEN | Neugestaltung des alten jüdischen Friedhofs sowie Sanierung des neuen scheitern an der Unterzeichnung des Pflegevertrages. Geld für die Umsetzung wäre aber da.

Derzeit nur hinter Gittern zu besichtigen ist der alte jüdische Friedhof mit Gedenktafel.  |  NOEN, Straubinger
Von Daniel Lohninger

Die Pläne für die Neugestaltung des alten jüdischen Friedhofs liegen fertig in der Schublade. Ziel ist es, den 1860 errichteten und 1938 zerstörten Friedhof (heute Pernerstorfer Platz) wieder ins öffentliche Bewusstsein zu holen. Die Historiker Georg Traska und Christoph Lind präsentierten das Projekt im Vorjahr.

Seither ist Stillstand – eine Umsetzung ist in weiter Ferne. Das zeigt eine NÖN-Anfrage beim Magistrat. Demnach scheitert die Neugestaltung des alten jüdischen Friedhofs ebenso wie die Sanierung des neuen Friedhofs bereits daran, dass es keine Pflegevereinbarung zwischen Stadt und Kultusgemeinde gibt. Während Städte wie Wien diese bereits abgeschlossen haben, zögert man in St. Pölten. „Eine Pflegevereinbarung wäre mit derart vielen Verpflichtungen und Haftungsauflagen verbunden, dass bislang kein grünes Licht für eine Unterzeichnung gegeben werden konnte“, erklärt Rathaussprecher Martin Koutny. Zudem sei derzeit schlicht kein Geld da – auch wenn die Stadt die Erhaltung der jüdischen Friedhöfe als „berechtigtes allgemeines und öffentliches Anliegen“ anerkenne.

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Fördermittel gibt es nur mit Pflegevertrag

„Ich kann diese Argumentation nicht nachvollziehen. Die Stadt Wien hat es auch geschafft – und Verpflichtungen in ganz anderem Ausmaß übernommen“, wundert sich Lind. An den St. Pöltner Finanzmitteln könne das Projekt jedenfalls nicht scheitern. Denn Umgestaltung des alten Friedhofes sowie Sanierung des neuen Friedhofes würden aus Mitteln des Friedhofsfonds der Republik sowie Fördertöpfen für Kunst im öffentlichen Raum finanziert.

Voraussetzung dafür sei aber der Pflegevertrag. Und pflegen würde die Stadt auch Hammerpark oder Kaiserwald. „Der Aufwand für die beiden Friedhöfe wäre nicht größer“, so Lind. Sein bitteres Fazit:
„Vielleicht schaffen wir es ja zum 100-Jahr-Jubiläum der Pogromnacht.“ Das wäre dann im Jahr 2038.

Zum Thema
Alter jüdischer Friedhof:  Pernerstorfer Platz, 1859 errichtet, 1904 geschlossen, 1938 zerstört. Heute steht auf dem Areal kein Grabstein mehr. Das Projekt sieht vor, dass ein Grabdenkmal mit allen Namen der hier begrabenen 583 Juden errichtet und im gräberfreien Mittelbereich ein Park errichtet wird, der die Geschichte des Friedhofes vermittelt.
Neuer jüdischer Friedhof: Karlstettner Straße, 1906 errichtet, 1938 zerstört; 1951 wurden die Grabsteine wieder aufgestellt. Der Friedhof verfällt zunehmend.