St. Pöltens autofreie Innenstadt: Am Anfang stand die Skepsis

Erstellt am 15. Mai 2022 | 04:53
Lesezeit: 3 Min
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Noch in den 1970er-Jahren war der Rathausplatz Parkplatz für VW Käfer & Co. Heute dominieren Schanigärten den Blick aus dem Rathaus.
Foto: www.topothek.at/Bildpostkartenverlag Kellner/Archiv Meixner
1961 verbannte der St. Pöltner Gemeinderat Autos und Motorräder aus dem Zentrum. Die Kremsergasse ist seither die zweitälteste Fußgängerzone Österreichs.
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Foto: NOEN

Gemütlich vom Bahnhof durch die Kremser Gasse in Richtung Innenstadt zu bummeln, ohne dabei auf vorbeifahrende Autos zu achten, ist heute eine Selbstverständlichkeit, die auf einen Gemeinderatsbeschluss von 1961 zurückgeht. Die St. Pöltner Innenstadt hat somit nach Klagenfurt die zweitälteste Fußgängerzone Österreichs.

Noch zu Beginn der autoverliebten 1960er-Jahre brausten den Innenstadtbesuchern im Stadtkern eilige Geschäftsleute oder Wochenendausflügler in ihren neuen schnittigen Volkswagen Käfer um die Ohren.

Erst als sich die Gemeindemandatare unter Bürgermeister Rudolf Singer entschlossen, die Stadt vor dem Weihnachtsgeschäft im Dezember 1961 zur Fußgängerzone zu erklären, wurden Autos und Motorräder in der Kremser Gasse zwischen dem Riemerplatz und der Brunngasse sowie in der Domgasse und der Marktgasse verbannt und die Wege den Fußgängern überlassen.

Geschäftsbetreiber zeigten sich zuerst skeptisch

Heute gibt es beinahe in jeder Stadt Europas autofreie Zonen, die die Innenstädte beleben und sich großer Beliebtheit bei Einwohnern und Touristen erfreuen. Trotzdem war die Begeisterung über die Verbannung der Kraftfahrzeuge ausSt. Pölten vorerst verhalten.

In Zeiten von wirtschaftlichem Aufschwung, in denen sich immer mehr Menschen den Traum eines eigenen Autos erfüllen konnten, war die Entscheidung der Stadtregierung nicht bei allen populär. Zudem fürchteten Geschäftsbetreiber einen Rückgang der Kundschaft durch den Verlust von Parkplätzen direkt vor den Läden.

Die Innenstadt blühte jedoch in den darauffolgenden Jahren vielmehr auf und konnte sich auch gegen den Trend der Abwanderung von Geschäften und Dienstleistern in Einkaufszentren an den Stadtrand erfolgreich behaupten.

Rathausplatz war noch bis Mitte der 90er ein Parkplatz

Nach dem Beschluss 1961 wurde die Fußgängerzone in den späteren Jahrzehnten immer weiter vergrößert und auf umliegende Gassen und Plätze ausgeweitet. Der Rathausplatz, der sich mit seinen Gastgärten in den letzten Jahren zum beliebten Treffpunkt und gastronomischen Zentrum entwickelte, musste allerdings noch bis Mitte der 1990er-Jahre als einfacher Parkplatz herhalten.

Erst seit der Fertigstellung der Tiefgarage verstellen keine Autos mehr den Blick auf das Wahrzeichen der Traisenstadt, die den Fußgängern noch lange vor der Bundeshauptstadt Wien eine Vorrangstellung einräumte.

Vor der Pandemie tummelten sich täglich fast 90.000 Menschen durch die Innenstadt. Damit hat St. Pöltens Fußgängerzone nach der Millionenstadt Wien die zweithöchste Frequenz und nur sehr wenige leer stehende Geschäftsgebäude.

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