Wohnen und Leben im Grünen. St. Pöltens Gärtner berichten über Trends und geben Tipps, welche Arbeiten jetzt schon erledigt werden können.

Von Beate Steiner, Nadja Straubinger und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 31. März 2021 (04:00)
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Der ehemalige Stadtrat Johann Rankl genießt das Garteln im Schrebergarten in Wagram.
Rankl, Rankl

„Salat und Kohlrabi kann man jetzt schon raussetzen und die Überwinterungspflanzen untertags rausstellen“, ermuntert Gärtner Ernst Müller Gartenfreunde, die das schöne Wetter nutzen wollen. Und diese werden immer mehr. Denn wenn die Leute ihren Urlaub im Garten oder auf der Terrasse verbringen, machen sie es sich dort gemütlich und schön. Hochbeete sind seit vergangenem Jahr besonders im Trend, weiß Müller: „Die Leute pflanzen Gemüse und Kräuter an, holen sich bei uns hochwertige Ware.“ Die auch umweltverträglich verpackt ist. Denn in der Gärtnerei Müller stecken die Jungpflanzerl in Zellstofftöpfen, die mit eingesetzt werden und verrotten.

„Salat und Kohlrabi kann man jetzt schon raussetzen und die Überwinterungspflanzen untertags rausstellen“

Auch bei Peter Bonigl von der gleichnamigen Gärtnerei sind Gemüsejungpflänzchen sehr gefragt, aber auch kleine Apfel-, Kirsch- und Marillenbäume. „Der Selbstversorger-Trend geht weiter. Fast jeder hat schon ein Hochbeet und setzt selbst Salat, Tomaten, Paprika, Gurken an“, so Bonigl.

Auch für den kleinen Garten oder den Balkon gibt es passende kleine Sorten, die sogar in Gefäßen kultiviert werden können. Und „Salat oder Kohlrabi kann problemlos in Fensterkisterl herangezogen werden.“

Jetzt im Frühjahr ist es auch Zeit, alle Stauden auf rund eine Handbreit über dem Boden abzuschneiden, empfiehlt Gärtner Peter Bonigl. Stauden sind die winterharten Pflanzen, die unterirdisch überwintern und bei denen alle oberirdischen Teile absterben. „Und wer es noch nicht getan hat, sollte auch die Obstbäume vor dem Austrieb noch zurückschneiden.“

Ausbesserungsarbeiten im Rasen sind ab Anfang April möglich und sinnvoll, auch Vertikutieren und Düngen des Rasens ist jetzt zu empfehlen, „aber nur bei trockenen Verhältnissen vertikutieren, sonst wird zu viel gesundes Gras entfernt“, warnt Bonigl. Und er schwärmt von seiner Profession: „Die Arbeit im Garten befreit den Kopf auch von Sorgen und erhellt das Gemüt. Weiters ist die Bewegung in der Natur ein positiver Aspekt – und wenn es dann noch etwas zu ernten gibt, freut sich das Gärtnerherz.“

Viele Hobby-Gärtner verwirklichen heuer lang angedachte Projekte und investieren ins eigene Heim, weil Reisen unsicher sind. „Dadurch hat der Garten einen besonderen Stellenwert bekommen“, bestätigt Thomas Nentwich von Gartenbau Nentwich in Weißenkirchen an der Perschling.

Grüne Erweiterung des Wohnraums

Der Garten muss jetzt vielen Ansprüchen genügen: Er dient der Entspannung beim Lesen, Spielen, Sporteln, er ist nützlich, wenn frisches Gemüse, Obst und frische Kräuter geerntet werden, und er ist Erweiterung des Wohnraums. „Vielfach wandert nicht nur das Wohnzimmer, sondern auch die Küche in den Outdoorbereich. Es wird nun unter freiem Himmel gekocht und gefeiert“, weiß Thomas Nentwich, der auch bestätigt, dass wegen des Klimawandels und des Insektensterbens Nachhaltigkeit im Gartenbau eine immer größere Rolle spielt.

Der Gartenexperte verspricht besonderen Genuss: „Für uns sind Pflanzen das wichtigste Designelement, um tolle Blickfänge zum Beispiel mit einzigartigen Gehölzen mit außergewöhnlichen Wuchsformen zu schaffen.“

Der Tipp des Gartenbau-Experten in Pandemiezeiten: „Rechtzeitig planen. Denn eine der Folgen des Virus sind verlängerte Lieferzeiten bei Outdoor-Möbeln und Baumaterialien.“

Begeisterter Hobby-Gärtner ist der ehemalige Stadtrat Johann Rankl. Schon seine Eltern genossen den Schrebergarten in Wagram, den sie als Ersatz für die Gärten am Mühlweg (heute Otto-Glöckel-Schule) bekamen. „Wir haben Blumen und Gemüse im Garten. Es ist eine schöne Beschäftigung“, sagt Rankl. Besonders im Lockdown sei er glücklich, ein Stück Garten zu haben. Er startet bereits mit dem Anbauen von Salat und Kohlrabi. „Es ist wichtig, dass Kinder in Kontakt mit der Natur kommen“, ist Rankl überzeugt.

„Ich lasse gerne der Fantasie freien Lauf und freue mich, wenn dann aus einem ungenützten Platz ein schön gestalteter Grün- und Erholungsraum entsteht“

Auch die Stadtgärtnerei steht bereits in den Startlöchern. Schon im Herbst wurden 12.000 Tulpen und 3.000 Narzissen in öffentliche Blumenrabatte gelegt. Im Frühjahr werden 150 Jungbäume gesetzt, wie verschiedene Linden- und Ahornarten sowie Felsenbirnen. Derzeit beschäftigt sich die Gärtnerei mit der Pflege der Rosen, wie dem Rückschnitt. „In den Glashäusern ist jetzt die Zeit der Jungpflanzenaufzucht. Rund 60.000 Sommerblumen werden als Jungpflanzen angekauft und umgetopft“, berichtet Stadtgärtnermeister Robert Wotapek. Auch für ihn ist Gartenarbeit ein Ausgleich. „Ich lasse gerne der Fantasie freien Lauf und freue mich, wenn dann aus einem ungenützten Platz ein schön gestalteter Grün- und Erholungsraum entsteht“, sagt Wotapek. Ihn fasziniert die Vielfalt der Pflanzen. „Man kann auch als Gärtner nicht alle Arten kennen und lernt immer neu dazu.“

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