Geldbörsendiebe richteten 87.000 Euro Schaden an. Fremdenpolizei nahm Komplizen bei Raststation Steinhäusl fest. Bandenchef stellte sich freiwillig.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 11. August 2020 (13:15)

Ob Autobahnraststätten, Restaurants oder Hotels: Die Geldbörsendiebstähle häuften sich in letzter Zeit in ganz Österreich.

Jetzt konnte jene Bande ausgeforscht werden, die hinter diesen Taten steht. Diese schlug in sieben Bundesländern zu und richtete eine Gesamtschadenssumme von 87.000 Euro an. Seit 2014 trieben die Taschendiebe hier ihr Unwesen. 

Die Ermittlungen liefen schon länger. Bilder aus einer Überwachungskamera gaben dann den entscheidenden Hinweis. Darauf war ein Mann zu sehen, der im Jänner dieses Jahres auf der Raststation Steinhäusl aus einer Jacke eine Geldbörse stahl.

Der Täter war der Polizei kein Unbekannter: Der 46-jährige Ungar war bereits 2016 ins Visier der Ermittler geraten. Die Erhebungen ergaben, dass der Verdächtige für zahlreiche weitere ähnliche Straftaten im ganzen Land verantwortlich sein soll. Er hat dafür sogar seinen Namen geändert.  Bei seinen Taten hatte er aber einen Helfer, denn auf einigen Bildern aus den Überwachungskameras ist noch eine zweite Person zu sehen.  

Ende Mai gab es dann den nächsten Ermittlungserfolg, an dem die Fremden- und Grenzpolizei der St. Pöltner Polizei maßgeblich mitverantwortlich war: Zwei Ungarn wurden beim Auskundschaften der Raststation Steinhäusl festgenommen. Einer der Männer war der Mittäter des 46-jährigen Ungarn. Er wurde auf Anordnung der Staatsanwaltschaft verhaftet. Sein Begleiter ging frei, da gegen diesen nichts vorlag.

 Dem Haupttäter, der per EU-Haftbefehl ausgeschrieben war, wurde nach der Festnahme seines Komplizen schließlich der Fahndungsdruck zu hoch. Er stellte sich Mitte Juli im Beisein seines Anwalts freiwillig bei der Innsbrucker Polizei und wurde in die Justizanstalt Innsbruck überstellt. Gegen einen weiteren flüchtigen Mittäter wurde von der Staatsanwaltschaft Innsbruck ebenso eine Festnahmeanordnung erlassen. Die beiden bereits gefassten Täter wurden in der Zwischenzeit vom Landesgericht Innsbruck zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.


Präventionstipps der Exekutive gegen Taschendiebstahl:

Aufgrund der hohen Anzahl an Vorfällen, verlautbart die Polizei, wie man sich am besten schützen kann, denn bei den Abhebungen mit den gestohlenen Bankomatkarten hat sich stets der PIN-Code in den gestohlenen Geldbörsen befunden:

  • Die Polizei empfiehlt daher, Bankomatkarte  und PIN-Code stets separat aufzubewahren! 
  • Seien Sie insbesondere vorsichtig an stark frequentieren Orten oder im Gedränge.
  • Verstauen Sie mitgeführte Wertgegenstände und Geldbörsen möglichst an der Vorderseite des Körpers, verschließen Sie Jackentaschen oder Handtaschen.
  • Lassen Sie Wertgegenstände nicht unbeaufsichtigt. Die Jacke mit Geldbörse an der Stuhllehne oder an einem Garderobenständer sind leichte Beute.
  • Seien Sie misstrauisch! Diebe täuschen gerne Notlagen vor und nutzen so die Hilfsbereitschaft ihrer Opfer aus.
  • Taschendiebe verüben Diebstähle meist in Gruppen mit Ablenkungsmanöver.