Streit um Pläne für St. Pöltner Domplatz. ÖVP und FPÖ stimmen bei Beauftragung der finalen Planung dagegen, die SPÖ beschließt sie im Alleingang.

Von Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 30. September 2020 (04:28)
Jahrelang wurde auf dem Domplatz der Geschichte auf den Grund gegangen. Jetzt geht es darum, den nächsten Schritt zu tun und die Planung für die Gestaltung des neuen Domplatzes in Angriff zu nehmen.
NÖN

Die Planungsvergabe für den Domplatz stand mittendrin auf der Tagesordnung des Gemeinderates. Auf der Agenda vieler Mandatare stand sie aber ganz oben. Sie lieferten sich trotz fortgeschrittener Sitzungsdauer eine hitzige Debatte. Mit den Stimmen der SPÖ wurde schließlich die Planung beauftragt.

„Wir stimmen nicht mit“, dieser Satz von VP-Vizebürgermeister Matthias Adl sorgte für Gemurmel in den Reihen der Mandatare. Für die ÖVP stellt dieser Beschluss einen Bruch des Gemeinderatsbeschlusses von 2008 dar. Darin wurde festgelegt, dass der Domplatz erst dann autofrei werden dürfe, wenn ausreichend Parkflächen an anderer Stelle geschaffen seinen. Mit der geplanten Parkgarage unter dem Bischofsgarten wären diese Parkflächen auch gewährleistet. „Bisher haben wir aber noch nichts von den Fortschritten der Verhandlungen erfahren“, fehlt Adl bisher die Fixierung der Parkalternative.

„Derzeit bewerben sich vier Firmen an der Ausschreibung. Sorgen würde ich mir machen, wenn es nur eine wäre.“ Bürgermeister Matthias Stadler zum Stand bei der Domplatz-Garage

Außerdem bekrittelt der ÖVP-Vizebürgermeister den Mangel an Information zu den bisherigen Plänen für die Domplatzgestaltung. Diese seien den Gemeindemandataren noch nicht ausführlich genug präsentiert worden. „Zehn Jahre und zehn Millionen Euro nach Grabungsbeginn und wir stehen immer noch vor demselben Problem: Wie sieht der Domplatz künftig aus? Es es fehlt uns die Entscheidungsgrundlage“, verdeutlicht auch VP-Gemeinderat Florian Krumböck seine Zweifel.

„Im Gegensatz zur ÖVP hat die SPÖ einen Plan“

Neben der ÖVP stimmte auch die FPÖ gegen den Antrag. Stadtrat Otzelberger fordert die Stadtplaner dazu auf, einen Schritt nach dem anderen zu setzen. „Wenn die Garage unter dem Bischofsgarten ausverhandelt ist, dann kann man sich der Planung des Domplatzes widmen“, so Otzelberger. Bisher sei ihm aber in diese Richtung noch nicht genug geschehen.

„Im Gegensatz zur ÖVP hat die SPÖ einen Plan“, kontert SPÖ-Vizebürgermeister Harald Ludwig. Er sei verwundert über den niedrigen Informationsstand von Adl und Co., schließlich habe die ÖVP in der Vergangenheit ähnliche Beschlüsse bereits mitgetragen. 2010 habe eine öffentliche Ausstellung zu den Plänen auf dem Domplatz stattgefunden. Eckpunkte der Neugestaltung des Parks seien Schanigärten, der Markt und die Möglichkeit, auch Musikveranstaltungen abhalten zu können, bekräftigt die SPÖ-Seite. Dass die Verhandlungen der Diözese bezüglich einer Parkgarage unter dem Bischofsgarten ins Stocken geraten seien, wäre neu. Bürgermeister Matthias Stadler unterstreicht das große Interesse der ausführenden Firmen. „Derzeit bewerben sich vier Firmen an der Ausschreibung. Sorgen würde ich mir machen, wenn es nur eine wäre“, so Stadler.

Domplatz als „Herzstück der Stadt“

Stadler bezeichnet zum Abschluss der Debatte den Domplatz als „Herzstück der Stadt“. Sollte es mit der Garage unter dem Bischofsgarten aber dennoch nichts werden, könnten die Autos weiterhin am Domplatz stehen. „Ich stehe zum Gemeinderatsbeschluss von 2008.“

2010 gewann das Architekturbüro Jabornegg & Palffy den Wettbewerb zur Neugestaltung des St. Pöltner Domplatzes. Zehn Jahre später, nach Abschluss der umfangreichen archäologischen Grabungsarbeiten, soll die Firma nun mit den finalen Planungsleistungen beauftragt werden. Die SPÖ beschloss mehrheitlich die Beauftragung um rund 80.000 Euro. ÖVP und FPÖ stimmten beide dagegen.