Aaskrähen im St. Pöltner Wahlkampf gelandet. St. Pöltner Jäger bekamen Post von Vizebürgermeister Matthias Adl. Die ÖVP setze sich dafür ein, dass auch in der Stadt Aaskrähen bejagt werden dürfen, wirbt der Spitzenkandidat darin. Das ruft nun die Tierschützer auf den Plan.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 23. Januar 2021 (18:32)
Als Jäger setzt sich Matthias Adl (ÖVP) nicht nur wie Anfang des Jahres für eine saubere Umwelt, sondern als Wahlkandidat auch für eine Bejagung der Aaskrähe ein.
Greifeneder

Mit einem Brief an die Jäger der Stadt hat sich ÖVP-Spitzenkandidat und Vizebürgermeister Matthias Adl den Unmut von Tierschützern zugezogen. In der Wahlwerbung erklärt Adl, die ÖVP werde sich dafür einsetzen, dass das Abschussverbot für Aaskrähen im gesamten Stadtgebiet aufgehoben wird. Weil durch das Abschussverbot der Aaskrähen keine nachhaltige Bewirtschaftung des Niederwildes möglich sei. „St. Pölten Stadt ist der einzige Bezirk, in dem ein Abschussverbot für Aaskrähen gilt“, betont Adl. Kritik kommt vom Tierschutzverein St. Pölten: „In einem der reichsten und fortschrittlichsten Länder der Welt muss es im 21. Jahrhundert andere, bessere Ideen und Lösungen geben, um bestimmte Tierpopulationen zu kontrollieren, als diese Lebewesen einzeln mit dem Gewehr zu töten.“ Was den Niederwildbesatz anbelangt, gebe es eine Vielzahl von Faktoren, der mit dessen Population zusammenhängt. Die Krähen sind dabei nur ein begrenzter Faktor, denn: „Die Krähen haben nur im und rund um den Winter Saison, während etwa Hasen mehrmals im Jahr werfen können.

 „Wir wollen die Krähen nicht wahllos abschießen, aber die Gelege von Fasan und Rebhühnern sowie die jungen Häschen schützen“, verteidigt sich Adl. Er habe schon gesehen, wie die Krähen die Muttertiere weglocken und sich die anderen Krähen auf die Jungtiere stürzen. „Sie arbeiten im Team“, weiß er. Dass Aaskrähen beim Niederwild, in der Landwirtschaft und bei Bodenbrütern große Schäden anrichten, betont auch Bezirksjägermeister Johannes Schiesser. Die Jagd ist grundsätzlich außerhalb des Ortsgebiets auf den landwirtschaftlichen Flächen erlaubt. Im NÖ Jagdgesetz sind keine Abstandregelungen definiert. „Die Jagd ruht in Ortschaften. Zusätzlich darf das Wild in unmittelbarer Nähe zu Häusern und Gehöften nicht beschossen werden“, erklärt Schiesser. Die Jagd in St. Pölten diene einerseits dem Schutz der landwirtschaftlichen Flächen, aber auch der Reduktion von Verkehrsunfällen mit Wild.

„Die Adressen habe ich durch viele Kontakte“

Woher Adl die Daten der Jäger hat, weiß Schiesser allerdings nicht. Laut DSGVO sei die Weitergabe zum Zwecke der Werbung ohne Zustimmung nicht erlaubt. „Ich bin selbst aktiver Jäger und habe viele Kontakte“, klärt Matthias Adl. Schon bei der letzten Wahl 2016 habe er zielgruppenorientiert geworben. „Die Wählerevidenzliste steht ja jeder Partei dazu und die Kontakte zu den Jägern der Stadt habe ich selbst gespeichert.“ Zielgruppenorientierte Werbung hat Adl auch an Ärzte, Architekten und weitere Berufe geschickt.