Neue Haltungsform: Diese Tiere haben Schwein. Familie Hubmann aus Gerersdorf setzt als erster Betrieb in Österreich auf mobile Freilandhaltung.

Von Nadja Straubinger. Erstellt am 15. Juli 2021 (03:48)
Setzen auf Freilandschweine: Andreas, Thomas, Maria, Anna, Philipp und Johannes Hubmann.
Straubinger, Straubinger

Kein aufgeregtes Quieken, sondern nur ab und zu ein zufriedenes Grunzen. Kein beißender Ammoniakgeruch, sondern nur eine leichte Brise Dung. Familie Hubmann aus Gerersdorf geht einen neuen Weg mit ihrem Betrieb: Sie setzt bei ihren Schweinen auf mobile Freilandhaltung.

Mit dem aus England und Amerika stammenden System sind die Hubmanns Vorreiter in Österreich. Ein Zelt dient als Unterstand – in einer Mischung aus Hackgut, Stroh, Heu und Grüngut mit Frischluft und natürlichem Licht fühlen sich die Tiere sauwohl. „Ein Schwein will wühlen und sich suhlen“, weiß Andreas Hubmann. Die Suhle legen sie sich selbst an und genießen dort ein Bad, um sich vor der Sonne zu schützen. Der Einsatz von Antibiotika war bisher ebenso wenig nötig wie die Sorge über Kannibalismus. „Wir sind schon in Gesprächen mit Züchtern wegen unkupierter Ferkel.“ Einfach sei das nicht.

„Ein Schwein will wühlen und sich suhlen“

Obwohl es keine Förderungen für diese Art der Haltung gibt – im Gegensatz zu den Vollspaltenböden – war Familie Hubmann die artgerechte Haltung ein wichtiges Anliegen. Mit der mobilen Haltung wird die Natur imitiert, in der größere Säugetiere nomadisch leben. Etwa ein halbes Jahr bleiben die Schweine mit ihren Zelten und der Absperrung auf einem Platz. Sobald die Schweine vermarktet sind, werden die Flächen abgemistet und die Zelte auf einen neuen Platz versetzt. „So können wir die Belastung durch Parasiten und Keime so gering wie möglich halten“, führt Thomas Hubmann aus.

Der entstandene Mist wird ebenfalls weiter verwertet. Er wird kompostiert. Genutzt wird dafür ein mikrobiologisch aktives Gemisch. Daraus entsteht humose und mikrobiell hoch aktive Erde. „Wir lassen diese auch regelmäßig in Amerika auf die mikrobiologische Zusammensetzung untersuchen, um die Nährstoffversorgung abschätzen zu können“, erklärt Hubmann. Und das zahlt sich aus. „Seit wir die Freilandschweine haben, können wir auf synthetische Dünger verzichten. Wir erhöhen die Bodenfruchtbarkeit und damit ist der biologische Kreislauf geschlossen.“

Klare, wache Augen ohne die typische Rötung aus der Hallenhaltung.
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Das Problem in der Landwirtschaft seien die lange Amortisationszeit für die Investitionen und die im Vergleich dazu kurzlebige Politik. „Man hat einfach keine Sicherheit. Darum trauen sich viele nicht, etwas Neues zu probieren“, sagt Hubmann. Dabei sei ihre Art der Tierhaltung nur wenig teurer als die konventionelle Haltung. „Wenn man sich den durchschnittlichen Fleischkonsum eines Österreichers anschaut, sind das im Jahr 40 Euro mehr, die man für Fleisch ausgeben müsste.“

Künftig wollen die Hubmanns auch Rinder auf diese Art halten. „Wir möchten der nächsten Generation ermöglichen, weiterhin von der Landwirtschaft zu leben.“